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Posts Tagged ‘loomings-jay’

Sie erinnern sich bestimmt an die berühmte Stelle, wo der Schriftsteller Bergotte die Vermeer Ausstellung besucht, um Vermeers Ansicht von Delft zu sehen. Ein Kritiker hatte geschrieben, dass es eine kleine gelbe Mauerecke (an die er sich nicht erinnerte) enthalte, die so gut gemalt sei, dass sie allein für sich betrachtet einem kostbaren chinesischen Kunstwerk gleichkomme, von einer Schönheit, die sich selbst genüge. Bergotte hat (ebenso wie Proust, als der die Vermeer Ausstellung besuchte) einen Schwindelanfall, als er endlich auch die kostbare Materie des ganz kleinen gelben Mauerstücks entdeckte. Er stirbt vor dem Bild, während er sich noch verzweifelt bemüht, Haltung zu bewahren…

Die Schönheit des kleinen Mauerstücks vernichtet sein eigenes Kunstwollen: So hätte ich schreiben sollen, sagte er sich. Meine letzten Bücher sind zu trocken, ich hätte mehr Farbe daran wenden, meine Sprache in sich selbst so kostbar machen sollen wie diese kleine gelbe Mauerecke es ist

https://loomings-jay.blogspot.com/2019/11/sattes-gelb.html

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Er hat nichts von den asiatischen Wunderkindern wie Lang Lang, William Youn und Seong-Jin Cho an sich, die immer wieder auftauchen. Er ist niemand für das Showbusiness. Seit über vierzig Jahren ist er im Geschäft und hat beinahe alles eingespielt, was man einspielen kann, von Bartok bis Bach. Der Ungar András Schiff ist auch ein Star, aber eher still und zurückhaltend, vielleicht liegt das am englischen Einfluss.- loomings-jay

In Ungarn wird er aus Protest gegen die augenblickliche Regierung nicht mehr auftreten: Ungarn habe ich nicht aufgegeben, aber sehr optimistisch kann man da nicht sein. Die Fidesz-Regierung wird noch lange bleiben. Und das Hauptproblem sind nicht die Politiker, sondern das Volk, die Menschen – und ja, ich weiß, man darf nicht generalisieren. Aber immerhin, durch die Menschen, um nicht zu sagen: den Pöbel wurde Orbán zum zweiten Mal mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt. Genau wie die Italiener, die dreimal für Berlusconi gestimmt haben. + NDR Kultur

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Heute vor 220 Jahren wurde Harry Heine in Düsseldorf im Herzogtum Berg geboren (Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin). Im Herzogtum Berg wird bis 1808 der Joachim Murat herrschen. Den hat Harry gesehen, und er das das ▹Erlebnis beschrieben. Den Napoleon hat er auch gesehen, den hat er immer bewundert. Das klingt sicher noch in seinem Gedicht von den zwei ▹Grenadieren an, ich kann das immer noch aufsagen. Mein Opa mochte Frankreich nicht, aber dies Gedicht, das mochte er. Er rezitierte es immer wieder. Wenn er nicht am Klavier sang: Heinrich Heine

 

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Noch vor Abend strichen warme Schwaden um das Schiff. Unbegreiflich schnell mischte sich die fahle Kälte mit dem lauen Dunst. Nebelmauern rückten heran. Wolken, kaum wahrgenommen, fielen schon aus der Höhe herab und umdampften das Schiff. Masten und Segel wuchsen riesenhaft. Vor kurzem noch war der Horizont das Maß aller Dinge gewesen. Jetzt war das Sichtbare verengt. Das Gebilde aus Menschenhand schwebte im Nebelmeer, war von der Erde abgestürzt. – loomings-jay

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Diese Störung hatte ich am Dienstag. Telekom. Ein Tag ohne Internet? Gewinn&Verlust!?

Der Post Dunkelheit, den ich am 21. August um 00.04 ins Netz stellte, war erst einmal das Letzte, was mich mit dem Netz verband. Weil die Firma Vodafone beschlossen hatte, dass zu viel Bloggerei nicht gut für mich sei und mich wegen einer Störung von Telephon und Internet abschnitt. Das sind die Augenblicke, in denen man merkt, wie abhängig man von dem ganzen elektronischen Kram geworden ist. Insofern war es von einiger Symbolik, dass nach dem Post Dunkelheit erst einmal Schluss war. Als ich im letzten Jahr eine Woche auf meinen neuen Computer warten musste, hatte ich schon leichte Entzugserscheinungen. Meine erste Störung habe ich noch mit einem Lächeln abgetan, als ich den Post Easybox schrieb, war ich nicht mehr so nett zu Vodafone.

Wenn man bei Google die Wörter Vodafone und unfähig eingibt, bekommt man ganz viele Ergebnisse. Wenn man die Wörter Telekom und Störungen eingibt, kommt man zu ähnlichen Resultaten. Die beiden Firmen streiten darum, wer der Deutsche Meister der Störungen ist.

https://loomings-jay.blogspot.de/2017/08/storungen.html

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Wir sind noch nicht im Jahre 2047, aber es sind schon siebzig Jahre vergangen, seit dieser Artikel im ➱Spiegel erschien. Und die Frage Was wäre, wenn an Stelle von Konferenzen in den ausgefahrenen Geleisen der traditionellen Diplomatie die Vernunft siegte? ist bisher noch nicht beantwortet. Heute vor siebzig Jahren sendete Axel Eggebrecht das Radio Feature Was wäre, wenn … Ein Rückblick auf die Zukunft der Welt, es war das erste deutschsprachige Feature. Eggebrecht hat für diese neue Form am 8. November 1945 einen Aushang an das Schwarze Brett des Nordwestdeutsche Rundfunks in Hamburg gepappt, den ich einmal hier wiedergebe: loomings-jay

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 Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn

Zwischen den Kreuzen, Reihe um Reihe,

Die unseren Platz markieren; und am Himmel

Fliegen die Lerchen noch immer tapfer singend

Unten zwischen den Kanonen kaum gehört.

Wir sind die Toten. Vor wenigen Tagen noch

Lebten wir, fühlten den Morgen und sahen den leuchtenden Sonnenuntergang,

Liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir

Auf Flanderns Feldern.

Nehmt auf unseren Streit mit dem Feind:

Aus sinkender Hand werfen wir Euch

Die Fackel zu, die Eure sei, sie hoch zu halten.

Brecht Ihr den Bund mit uns, die wir sterben

So werden wir nicht schlafen, obgleich Mohn wächst

Auf Flanderns Feldern.

: https://www.ekd.de/download/mek_john_mccrae.pdf

via: loomings-jay

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Als dann der düstere Tag kam, wo ich gegen meinen Willen und gegen meine bessere Einsicht wieder eingedeutscht wurde – Bürger des vierten Reiches -, nahm ich unsere Namenskarte dem Kindlein aus den Fingern und schob eine neue hinein, die Jimmy mit schönen Lettern gestochen hatte. Sie gab von unserem staatspolitischen Umbruch Kenntnis und zugleich von der Trauer, in die wir gesunken waren. Gegen Hitler hatte ich gekämpft und gesiegt. Gegen die bürokratische Schafsnäsigkeit der Alliierten zog ich den kürzeren. Ich wurde Deutscher, ich war ein toter Mann, Opfer der Trägheit des Herzens: ein schwarzer Rand rahmte das Kärtchen. Es war ein Leidzirkular, das nicht zirkulierte, ein Totenbrief in der Hand eines Toten. Das schreibt er in seinem Roman Der schwarze Herr Bahßetup. Albert Vigoleis Thelen hat Deutschland 1931 verlassen, aus einem allgemeinen Unbehagen an meiner deutschen Kultur… –

https://loomings-jay.blogspot.de/2011/09/albert-vigoleis-thelen.html

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Der Herr Kortüm ist ein Roman von Kurt Kluge. Über diesen Herrn Kortüm heißt es im Roman: Es war ihm ein Genuß, der Welt, die fortwährend Böses log, einmal das Gute vorzulügen. Er wollte dem Schönen eine Gasse schlagen durch die Wirklichkeit. Der zum Dorfwirt gewordene Friedrich Joachim Kortüm hat viele phantastische Ideen und manchmal wunderbare Weisheiten. Wie zum Beispiel: Humor ist metamorphorisierte Tragik. Aber davon soll hier heute nicht die Rede sein. Hier ist heute die Rede von dem Herrn Bernd Kortüm. Das ist ein Hamburger Reeder (aber kein Sohn eines großen Hamburger Weltkaufmanns), der sich gerne in der Tradition des Hamburger Patriziats sieht. Das Einzige, das ihn mit dem Romanhelden von Kurt Kluge verbindet, wäre der Satz: Schulden hat er so viel wie Tannenzapfen im Walde hängen.- loomings-jay – gutenberg

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