(Theile) Der Totemismus ist durch seine bald religiösen, bald sozialen Vorschriften gleichsam die eiserne Klammer, die ein Naturvolk zusammenschließt. Das Totem ist in der Regel ein Tier, ein gefürchtetes oder ein harmloses. Seltener wird eine Pflanze, ein Stein oder ein Naturvorgang wie der Regen – spätes Echo der Verehrung der Naturerscheinungen – zum Totem gewählt. Wie in unserer Fastnachtsmaske die Gewalt der Dämonenmaske nachzittert, so die Macht des Totems in unserem Wappentier. Für die Naturvölker ist die Beziehung Mensch und Tier noch ganz nahe und natürlich. Bei den Ewe in Afrika sprechen die Götter zu Menschen und Tieren wie Gleichberechtigte. Die Ewe sind überzeugt, daß auch die Tiere den Göttern Opfer bringen. Anders als die Ewe (und ähnliche Stämme) erleben die Indianer Nordwestamerikas ihre Bindung an das Tier. Auf monumentalen Totempfählen aus Zedernholz türmen sie Mensch und Tier zu grotesker Ornamentik. So eindrucksvoll sich die Kunst des Totemtiers bemächtigt hat, sein ursprünglicher Schutz ist bei den Indianern erloschen wie der Glaube, der noch wach war bei den Ewe, das Totemtier sei ihnen geschwisterlich nahe. Die Indianer zögern nicht, es zu töten und zu verspeisen.





