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Posts Tagged ‘Wolf Gräbel’

Update zu Filetstück 0003, 1 von 3: Europamüde vor Langerweile (Vorwort):

Der geplante erste Teil von Eichendorffs Memoiren Der Adel und die Revolution wurde von seinem Sohn, zugleich Herausgeber politisch unverfänglicher zu Deutsches Adelsleben am Schlusse des vorigen Jahrhunderts verglimpft. Zur sonstigen Motivation und Anordnung des Fragments siehe den ersten Teil des dreiteiligen „Filetstücks“. hier

Sehr alte Leute wissen sich wohl noch einigermaßen der sogenannten guten alten Zeit zu erinnern. Sie war aber eigentlich weder gut noch alt, sondern nur noch eine Karikatur des alten Guten. Das Schwert war zum Galanteriedegen, der Helm zur Zipfelperücke, aus dem Burgherrn ein pensionierter Husarenoberst geworden, der auf seinem öden Landsitz, von welchem seine Vorfahren einst die vorüberziehenden Kaufleute gebrandschatzt hatten, nun seinerseits von den Industriellen belagert und immer enger eingeschlossen wurde. Es war mit einem Wort die mürb und müde gewordene Ritterzeit, die sich puderte, um den bedeutenden Schimmel der Haare zu verkleiden; …

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„»Ich will dir zeigen,« sagte die Gestalt, »wie ich sie vernichte.« Ein Sarg wurde durchsichtig – im weichen Gehirn des darin zusammenfallenden Menschen blickte noch das lichte Ich, vom Moder überbauet, von einem kalten finstern Schlaf umwickelt und vom zersprungenen Herzen abgeschnitten. Ottomar rief: »Lügende Gestalt, das Ich glimmt noch – wer zertritt den Funken?« – Sie antwortete »Das Entsetzen! – Sieh hin!« Eine Dorfkirche hatte sich gespaltet: ein bleierner Sarg sprang auf, und Ottomar sah seinen Körper darin abbröckeln und das Gehirn bersten; aber kein lichter Punkt war im offenen Haupte. Nun machte die Gestalt ihn starr und sagte »Ich habe dich aus dem Gehirn herausgezogen – du bist schon lange gestorben« – und umgriff ihn schnell und schneidend mit den kalten metallenen Fühlhörnern und lispelte: »Entsetze dich und stirb, ich bin Gott«…“ – Von Wolf Gräbel (Facebook) – und dieser Link:

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Eine meiner Lieblingskolleginnen schrieb mir vergangenen Spätwinter:

Mir träumte, du habest mir zwei Seiten aus einem sehr alten Band mit Essays und Gedichten von dir zukommen lassen, die ich in meinem kleinen Häuschen bei Sonnenschein lesen durfte. Der genaue Inhalt war nicht richtig klar, weil Traum — aber das Schriftbild der Seiten habe ich irgendwie vor Augen und es kamen darin mehrere doppelzeilige gereimte Spottanklagen vor. Die letzte war als eine Art Zwiegespräch mit dem Tod gedacht, den du im Gedicht einen „alten Hodarsch“ nanntest, und ich habe mich den Rest des Traums köstlich über dieses grandiose Schimpfwort amüsiert. Das war einer der schönsten Träume, die ich seit langem hatte. – weheklag

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Und jetzt alle:

——— Harry Rowohlt:

Verronnen die Nacht
und der Morgen erwacht,
rote Flotte mit Volldampf voraus.
Durch Stürme und Tosen
die roten Matrosen,
wir fahren als Vorhut hinaus.

Vorwärts an Geschütze und Gewehre
auf Schiffen, in Fabriken und im Schacht.
Tragt über den Erdball, tragt über die Meere
die Fahne der Arbeitermacht.

Mag der Sturm uns zerzausen,…. weheklag

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Wilhelm Raabe war mein Versuch, etwas noch Langweiligeres als Adalbert Stifter zu lesen. Dem Namen und dem Ruf als exemplarischer Großlangweiler nach kannte ich den von Kindheit an und bin seitdem immer wieder um seine nie ganz zufriedenstellenden Gesamtausgaben herumgestrichen..

Abu Telfan ist alles mögliche, nur keine Orientgeschichte, und erinnert viel eher an Jean Paul .. Das eigentlich hochmoderne Setting ist die Rückkehr eines elf Jahre lang — eben im sudanesischen Abu Telfan — Verschollenen in die spießbürgerliche Heimat, in der er keinen Platz mehr findet. Es ist ungefähr ein ausgehendes Biedermeier, das schon selbstironisch zu seiner eigenen Parodie wird, mit der Lebensnähe des späten Ludwig Tieck, wenn nicht gar schon Theodor Fontane…,.. weheklag.wordpress.com

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„Der Mensch, der Tag für Tag seinen Vergnügungen nachjagt, wird seiner Laster am Ende überdrüssig und erntet zuletzt nur Trauer und Reue, der Mensch der Arbeit aber vergeudet seine Kräfte im täglichen Kampf ums Brot, nur um sich die Lebenskräfte zu erhalten, die er zu seiner Arbeit braucht. So leben sie in einem traurigen Kreislauf: sie leben, um zu arbeiten, und arbeiten, um das Leben zu fristen, gerade als ob das tägliche Brot der einzige Sinn eines mühseligen Daseins wäre und dieses mühselige Dasein uns nur dazu gegeben sei, um das tägliche Brot zu verdienen.“
Daniel Defoe: Die weiteren Abenteuer des Robinson Crusoe, die den zweiten und letzten Teil seines Lebens bilden, sowie die erstaunlichen Berichte von seinen Reisen um drei Viertel der Erde. Geschrieben von ihm selbst. Via Wolf Gräbel/Facebook

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„»Nun sage mir, ob diese Gegend nicht daliegt wie Goethes sämtliche Werke in vierzig Bänden?« rief der Vetter Wassertreter, mit beiden Backen kauend und mit der Spitze des aufgeklappten Taschenmessers einen weiten Halbkreis vor sich in der Luft beschreibend.“
Wilhelm Raabe: Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge, 1867, Siebentes Kapitel, Anfang. Abu Telfan

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Für das Jahr 2020 drängt sich nichts so sehr auf wie ein Rückblick auf vergangene Pandemien. Es ist Advent. Gott steh uns bei.

Mit manchen Schreibern ist es gelinde gesagt erstaunlich, wie punktgenau sie auf postmoderne Ereignisse passen. Weniger gelinde gesagt ist es unfair bis geradenwegs widerlich. So hat unser aller Hausheiliger Edgar „The Divine“ Allan Poe 1842 mit The Masque of the Red Death (in der Urfassung ist die Schreibung noch Mask) die bis heute passende Parabel auf alle sozialdynamischen Prozesse während der Zeiten von Pest und sonstiger Epi- und Pandemien geliefert.- weheklag.wordpress.com

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Wolf Gräbel: „Mal eine Frage, die geradezu in die Substanz der deutschen Romantik lappt: Was ist eigentlich die Blaue Blume für eine Blume?“ — Aus den Annalen (mit Doppel-n!) von Facebook: Fragen kann man ja auch 2019 mal, rausgefunden hat man seit anno 1800 nix. (Und hätt ich die Hervorhebungen lieber blau färben sollen?) Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Klar bleibt allein, dass der Begriff der Blauen Blume der deutschen Romantik von Novalis in die „hohe“ Literatur eingeführt wurde.

Allenfalls findet sich ein vager Hinweis auf „eine alte Volkssage, lange vor der Romantik“ in der „jemand zufällig eine blaue Wunderblume“ findet; „durch sie erlangt er Zugang zu verborgenen Schätzen“ — näher werden wir nicht zur Quelle geführt.

weheklag.wordpress.com

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