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Posts Tagged ‘Werner Wanitschek’

Der Sonnenuntergang ist über die Wolken ausgebreitet, die einzeln losgelöst den ganzen Himmel bedecken. Reflexe in allen Farben, sanfte Reflexe, erfüllen die Mannigfaltigkeit der Luft hoch oben, treiben abwesend in den großen Schmerzen der Höhe. An den Firsten der hohen Dächer, halb Farbe, halb Schatten, nehmen die letzten weichen Strahlen der scheidenden Sonne Farbformen an, die weder ihre noch die der Dinge, auf denen sie liegen, sind. Es herrscht eine große Ruhe oberhalb des Geräuschpegels der sich ebenfalls beruhigenden Stadt. Alles atmet jenseits der Farbe und des Klangs, in einem tiefen und stummen Atemschöpfen.

An den bunten Häusern, die die Sonne nicht sieht, nehmen die Farben langsam ihre Grautöne an. Kälte ist in den Verschiedenartigkeiten dieser Farben. Es schläft eine kleine Beunruhigung in den falschen Tälern der Straßen. Schläft und ruht. Und nach und nach beginnen an den tiefsten der hohen Wolken die Reflexe zu Schatten zu werden; nur an jener kleinen Wolke, die als weißer Adler über allem schwebt, bewahrt die Sonne von weitem ihr lachendes Gold.

Alles, was ich im Leben gesucht habe, habe ich selbst ebendeshalb aufgegeben zu suchen. Ich bin wie jemand, der geistesabwesend etwas sucht, von dem er im Traum unter dem Suchen schon vergessen hat, was es war…,..

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… Als ich mich auf den Stuhl setzte, fragte ich, weil es mir zufällig in den Sinn kam, den Frisörburschen, während er mir ein kaltes und reines Tuch um den Nacken legte, wie es seinem, älteren und witzigen, Kollegen vom Stuhl zur Rechten ginge, der krank war. Ich fragte ihn, ohne mich genötigt zu fühlen: die Gelegenheit ergab sich durch die Örtlichkeit und die Erinnerung. »Er ist gestern gestorben«, antwortete tonlos die hinter dem Umhang und mir befindliche Stimme, deren Finger aus dem letzten In-den-Nacken-Stecken, zwischen mir und dem Kragen, herauskamen. All meine ganze unvernünftige Gutgelauntheit starb mit einem Mal, wie der ewig abwesende Frisör vom Nebenstuhl. Es wurde kalt in meinen ganzen Denken. Ich sagte nichts.
Sehnsucht! Ich habe sie sogar nach etwas, das mir nichts war, aus einer Angst vor dem Vergehen der Zeit und wegen der Krankheit des Mysteriums des Lebens. Gesichter, die ich gewöhnlich in meinen gewöhnlichen Straßen sah – wenn ich aufhöre, sie zu sehen, werde ich traurig; und sie waren mir nichts, außer daß sie das Symbol des ganzen Lebens sind.- signaturen-magazin.de

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