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Posts Tagged ‘Simone Weil’

Martina Bengert und Wolfram Eilenberger im Gespräch mit Simone Miller

Hitler ist noch nicht an der Macht, als Simone Weil 1932 durch Deutschland reist. Doch die junge französische Philosophin sieht bereits klar voraus, welche Entwicklung das Land unter dem Einfluss der Nationalsozialisten wohl bald nehmen wird. In der Zeit, als Weil zu den zentralen Themen ihres Denkens findet, habe in vielen Gesellschaften Europas eine enorme Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft bestanden, sagt der Berliner Philosoph und Schriftsteller Wolfram Eilenberger. – DLF Kultur

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Die französische Philosophin Simone Weil (1909-1943) ist in der geistigen Landschaft des 20. Jahrhunderts eine Ausnahmeerscheinung. Die Tochter aus liberalem jüdischem Hause entwickelte sich im Laufe ihres asketischen Lebens zu einer christlichen Mystikerin jenseits aller Konventionen. Sie war diplomierte Philosophin, Lehrerin an Grund- und Arbeiterschulen, Gewerkschaftlerin, Fabrikarbeiterin, Tagebuchschreiberin, Dichterin und Verfasserin von Theaterstücken. Sie starb mit 33 Jahren im englischen Exil an Unterernährung und Erschöpfung.

https://www.rbb-online.de/rbbkultur/podcasts/das-innere-licht-podcast.html

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BUCH DER FREUNDE XXV

Wir erleben eine Epoche, die sich mit keiner früheren vergleichen lässt. Es genügt heute nicht, ein Heiliger zu sein; es bedarf der Heiligkeit, die der gegenwärtige Augenblick fordert, einer neuen Heiligkeit, wie es sie früher nie gegeben hat. Ein neuer Typus der Heiligkeit, das ist wie der Ausbruch eines innersten Quells, das ist eine Erfindung.
Es ist beinahe so etwas wie eine neue Offenbarung des Weltalls und der menschlichen Bestimmung. Es ist die Freilegung eines weiten Bereiches von Wahrheit und Schönheit, der bis dahin unter einer dicken Staubschicht verborgen war. Hierzu bedarf es eines grösseren Genies, als Archimedes es brauchte, um die Mechanik und die Physik zu erfinden. Eine neue Heiligkeit ist eine sehr viel wunderbarere Erfindung.

Nur eine Art von Perversität kann die Freunde Gottes veranlassen, sich dessen zu berauben, dass sie Genie haben; denn um einen Überreichtum an Genie zu empfangen, genügt es, dass sie es im Namen Christi von ihrem Vater erbitten. Dies ist, wenigstens heutigen Tages, eine berechtigte Bitte, denn sie ist notwendig. Ich glaube, dies ist, in dieser Form oder in irgendeiner gleichwertigen, heute die erste Bitte, die man alle Tage, alle Stunden tun sollte, wie ein hungriges Kind immer nach Brot verlangt. Die Welt bedarf der genialen Heiligen, wie eine Stadt, in der die Pest wütet, der Ärzte bedarf.- nootheater

 

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BUCH DER FREUNDE X

Gott selber kann Geschehenes nicht ungeschehen machen.
Was wäre ein besserer Beweis dafür, dass die Schöpfung Abdankung ist?
Was wäre eine grösse Abdankung Gottes als die Zeit?
Wir sind Verlassene in der Zeit.
Gott ist nicht in der Zeit.
Gott hat sich seiner Gottheit entleert und hat uns mit einer falschen Göttlichkeit erfüllt.
Entleeren wir uns ihrer!
Auf diesen Akt ist der Akt, der uns geschaffen hat, gerichtet.
In diesem Augenblick erhält Gott mich durch seinen Schöpferwillen im Dasein, damit ich darauf verzichte.
Gott wartet geduldig, dass ich endlich einwillige, ihn zu lieben.
Gott wartet wie ein Bettler, der reglos und schweigend vor jemand steht, der ihm vielleicht ein Stück Brot geben wird.
Die Zeit ist dieses Warten.
Die Zeit ist das Warten Gottes, der um unsere Liebe bettelt.
Die Gestirne, die Berge, das Meer, alles, was von der Zeit zu uns spricht, bringt uns Gottes flehentliche Bitte.
Die Demut in der Erwartung macht uns Gott ähnlich.
Gott ist nur das Gute.
Darum steht er da und wartet, schweigend.
Die schamhaften Bettler sind Seine Bilder.
Die Demut ist ein gewisses Verhältnis der Seele zur Zeit.
Sie ist Hinnahme des Wartens.
Gott hat uns in die Zeit hinein verlassen.
Gott und die Menschheit sind wie ein Liebender und eine Geliebte, die einem Irrtum über den Ort des Stelldicheins erlegen sind.
Jeder hat sich vor der Zeit eingefunden, doch jeder an einer anderen Stelle, und sie warten, warten, warten.
Unbeweglich steht der Liebende da, festgenagelt für alle Zeiten.
Die Liebende ist zerstreut und ungeduldig.
Wehe ihr, wenn sie genug hat und davongeht!
Denn die beiden Punkte, an denen sie sich befinden, sind derselbe Punkt in der vierten Dimension.
Wir haben unser Ich in der Zeit.
Betrachtet man den angenehmen oder schmerzhaften Inhalt jeder Minute (selbst jener, wo wir sündigen) als eine besondere Liebkosung Gottes, wodurch dann trennt die Zeit uns von dem Himmel?
Die Verlassenheit, in der Gott uns lässt, ist seine besondere Art und Weise, uns zu liebkosen.
Die Zeit, die unser einziges Elend ist, ist selber die Berührung seiner Hand.
Sie ist die Abdankung, kraft derer wir ihm das Dasein verdanken.
Er hält sich fern von uns, denn wenn er sich näherte, Er machte uns verschwinden.
Er wartet, dass wir uns ihm nähern und verschwinden.

via: http://www.nootheater.de/menu.html

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