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Posts Tagged ‘Schriftsteller’

 Ö1 – Dienstag, 9. November 2021 um 16:05 Uhr – Von Burkhard Reinartz – https://oe1.orf.at/player/live

Adam Zagajewski verteidigt »das Recht auf Unendlichkeit«, gegen den nüchternen Zeitgeist, die »Notwendigkeit der Leidenschaft gegen das Diktat der Ironie«. Er fordert »Wildheit« und den Mut, tiefgehende persönliche Erfahrungen auszusprechen. Nach den Nine-Eleven-Anschlägen macht der „New Yorker“ mit Zagajewskis Gedicht „Versuch’s, die verstümmelte Welt zu besingen“ auf. Geschichte und individuelles Schicksal bilden im Werk des Dichters eine untrennbare Schnittmenge. Alles ist in nur einem Augenblick möglich: Die toten Juden »fahren um die Wette Schlitten und werfen Schneebälle ans Fenster«, während »die Welt in meinen Mantel ein- und auskriecht wie in einen Ameisenhaufen«. Adam Zagajewski, 1945 in Lemberg geboren, gilt heute als der wichtigste Lyriker Polens. Nach seiner Emigration lebt er in Berlin, Paris, Amerika und seit einigen Jahren wieder in Krakau. »Verteidigung der Poesie bedeutet, etwas verteidigen, was im Menschen steckt, nämlich die fundamentale Fähigkeit, das Wunderbare der Welt zu erleben und lange Momente im Staunen zu verharren.«

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DLF Kultur – (Ursendung). Von Uli Hufen

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) führte ein Leben wie ein Roman. Mit 25 war er ein berühmter Schriftsteller und Star der Petersburger Szene. Mit 28 wurde er zum Tode verurteilt, zur Hinrichtung geführt und im letzten Moment begnadigt. Seinen 30. Geburtstag verbrachte Dostojewski in Ketten in einem sibirischen Arbeitslager. Nach seiner Rückkehr aus Lager und Verbannung entstand in einer knapp über 20 Jahre dauernden Arbeitsorgie und unter unvorstellbaren Bedingungen das Werk, das Dostojewski zur Legende machte: die Romane „Verbrechen und Strafe”, „Die Dämonen”, „Der Idiot” und „Die Brüder Karamasow”, das „Tagebuch eines Schriftstellers” und „Der Spieler”, die „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus” und die „Aufzeichnungen aus einem Kellerloch”. Dostojewski ist praktisch immer pleite und in Konflikt mit Verlegern. Er muss Knebelverträge unterschreiben, sehr schnell arbeiten und sich jahrelang vor dem Schuldturm in Europa verstecken. Nebenbei: Zeitschriften gründen und leiten. Mehrere Kinder sterben als Babys, seine erste Frau stirbt an Tuberkulose. Er selbst leidet unter Epilepsie und Spielsucht. Und schreibt und schreibt und schreibt.

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WDR 3 – Sonntag, 29. August 2021 um 15:04 Uhr – (schon online)

‚Er ist der Größte von uns allen! Nun schreibt das endlich! Nun lasst das mal mit der Dunkelheit und mit der sächsischen Kohle und mit dem Heizerphänomen‘, so feierte der Dichter Uwe Kolbe 1994 Wolfgang Hilbig, den ehemaligen Industriearbeiter und Schriftsteller aus Meuselwitz in Thüringen, der 2002 den Büchnerpreis erhielt. Tatsächlich zeichnete sich Wolfgang Hilbigs Werk von Anbeginn nicht allein durch Themen aus, die er auch aus seinen Erfahrungen in der Arbeitswelt der DDR bezog, sondern vor allem durch die kühne Modernität seines Schreibens. Er bot den Zerstörungen der Landschaft, der Kultur und eben auch der Menschen in der DDR Widerstand mit seiner alles dematerialisierenden Schönheit der Sprache, wie Ingo Schulze es formulierte. Ein Spitzelbericht der Staatssicherheit über eine Lesung des Autors in privatem Kreis 1983 charakterisierte seine Texte dagegen mit Begriffen wie ‚Pessimismus‘ und ‚Orientierungslosigkeit‘, sprach von ‚Angstzuständen‘. WDR 3

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Ö1 – Dienstag, 24. August 2021 um 16:05 Uhr – https://oe1.orf.at/player/live

Eigentlich war er immer ein wenig seltsam, ein wenig schrullig für den Literaturbetrieb, der ja, wie man meinen möchte, von den Schrullen seiner Protagonisten lebt. Aber der Literaturbetrieb ist in Wirklichkeit kalt und abweisend und nur beherrschbar, wenn man über ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit oder gute Beziehungen verfügt. Gert Jonke war in diesem Betrieb lange Zeit ein Außenseiter, ein liebenswürdiger Besessener, ein im eigenen Kosmos eingesponnener Sprachalchimist, dessen Texte sich jeder Zuordnung entzogen.
Und das tun sie noch immer. Er beherrscht den Umgang mit Wörtern wie kaum ein Zweiter in der deutschsprachigen Literatur, er hat sich aber nie wortgewaltig eingemischt in literarische oder gar politische Diskurse. Den Diskurs führte er mit sich selbst, seine Literatur ist ein mittlerweile fast vierzig Jahre andauernder Dialog mit sich selbst und man muss sich ihn vorstellen wie in seinem Buch ‚Beginn einer Verzweiflung‘: Stundenlang pausenlos im Zimmer auf- und abgehend, ohne zu wissen, warum er stundenlang in seinem Zimmer auf- und abgeht. Selbstvergessen eben.
Selbstvergessen, weil durch die körperliche Bewegung die Denkbewegung angetrieben wird, und durch diese wiederum der Sprachgenerator, der die ganze Energie des Denkens in Sprachbilder umsetzt. Daraus entstehen Sprachgirlanden, schlangenförmige Sätze, die Beschreibung realer Situationen, die sich ins Fantastische hochschrauben. In Jonkes Schreiben gibt es keine Grenze, weil die Sprache keine Grenze hat.

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„Das höchste Gut“, schrieb Spinoza, “ ist das Wissen um das Einssein des Geistes mit der ganzen Natur“, und diejenigen, die dorthin gelangt sind wollen nichts anderes. Aber wir leben in einer Zivilisation, in das nur wenigen vergönnt ist…
Während sich die anderen noch balgen und umherstoßen, entdecken sie in aller Stille den Schlüssel, wissen, dass sie am Ziel sind, und lehnen sich entspannt zurück. Die anderen hingegen verbannen die Natur aus unserer Zivilisation. Darum verlieren die Jahreszeiten ihren Rhythmus, die Früchte der Erde ihren Geschmack, die Tiere, Miterben unseres Planeten werden mutwillig ausgerottet, der Gott in uns wird geleugnet wie der Gott über uns.
Cyril Conolly – Palinurus Das ruhelose Grab – Suhrkamp

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Die Schriftsteller Jean Améry, Wolfgang Herrndorf, Erich Loest, Sándor Márai schrieben über den eigenen Tod, bevor sie aus dem Leben schieden. Strahlt ihre Todessehnsucht auf den Leser ab oder feiert sie das Leben?

„Sie können nicht wählen, nie zu sterben! Aber Sie können wählen zu sterben, wann Sie wollen. Und dem Zwangstod – Sie können dem Zwangstod in einer persönlich und subjektiv erlebten Freiheit entgehen“, so hat Jean Améry den Selbstmord einmal auf den Punkt gebracht. – DLF Kultur

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Der französische Schriftsteller Éric Vuillard ist eine Ausnahmeerscheinung. Er erzählt von historischen und politischen Ereignissen neu und aus ungewohnter literarischer Perspektive, dabei oft mit aktuellen Bezügen: ob zur Gelbwesten-Bewegung oder zur Gier der Großindustrie. Éric Vuillard, Jahrgang 1968, gleicht als Schriftsteller einem Trüffelschwein im Wald der Weltgeschichte. Er erzählt von der Eroberung des Inkareichs genauso souverän wie von Buffalo Bill oder der Französischen Revolution. Seine erstaunlich kurzen, extrem dynamischen Bücher lassen sich dabei in kein literarisches Gattungsraster einordnen. Aber sie provozieren: thematisch wie literarisch. Nach seinem 2017 mit dem Goncourt-Preis ausgezeichneten Buch ‚Die Tagesordnung‘, in dem er Adolf Hitlers Weg zum Eroberer Österreichs beschreibt, blickt er in seinem jüngsten Werk ‚Der Krieg der Armen‘ wieder über den Rhein. Diesmal nimmt er den von Thomas Müntzer angefachten Bauernaufstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts ins Visier.
Éric Vuillard verunsichert unsere Wahrnehmungsgewohnheiten von Geschichte. Seine Bücher sind Attacken auf die sich objektiv gebärdende Historikerzunft:

 

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Deutschlandfunk Kultur – Samstag, 9. Januar 2021 um 00:05 Uhr, (angekündigte Länge: 170:00)

Mit „Der Besuch der alten Dame“ und „Die Physiker“ schrieb Friedrich Dürrenmatt zwei Stücke, die in der Zeit des Wirtschaftswunders und der atomaren Aufrüstung einen Nerv trafen und seither auf dem Theater weltweit Triumphe feiern. Der Pfarrerssohn, der am 5. Januar 1921 im Schweizer Kanton Bern zur Welt kam, war studierter Philosoph und malte in seinen Texten wie in seinen Bildern die Apokalypse an die Wand – mit dem schwarzen Humor der Groteske. Die Lange Nacht (zu seinem hundertsten Geburtstag) wird auch weniger bekannte Seiten von Dürrenmatt vorstellen: seine oft provozierenden politischen Stellungnahmen, sein Interesse am Judentum und an Israel, sowie die unkonventionelle Art, mit der er in seiner späten Prosa die Entstehung seiner Ideen und Stoffe erkundete. Dürrenmatt erfand sich in seinem Leben immer wieder neu, denn: „Wer das Scheitern nicht wagt, der soll die Hände von der Kunst lassen.“

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