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Posts Tagged ‘Ryochi’

– Er stellte zwei Prinzipien auf, Ri und Ki. Ri ist die Weltseele, Ki (Qi) der Weltstoff. Ri und Ki sind aber eines und dasselbe, indem sie die Attribute Gottes sind und daher nur in ihm und durch ihn sind. Gott ist ihre Vereinigung. Ebenso umfasst die Seele Ri und Ki. Von Gott sagt Toju: „Gott als das Wesen der Welt umfasst die Welt, aber befindet sich zugleich ganz in der Nähe von uns, und zwar in unserem eigenen Leib.“ Gott ist für ihn ein allgemeines Ich, während das individuelle Ich „Himmel“ in uns ist, etwas Übersinnliches, Götlliches, als Ryochi bezeichnet. Ryochi ist „Gott in uns“ und wohnt in jedem Individuum. Es ist das wahre Ich. Toju unterscheidet nämlich ein wahres und falsches Ich. Das falsche Ich ist eine erworbene, aus verkehrten Meinungen entstandene Persönlichkeit. Man könnte dieses falsche Ich zwanglos als „Persona“ bezeichnen, nämlich als jene Gesamtvorstellung unseres Wesens, die wir aus der Erfahrung unserer Wirkungen auf die Umwelt und ihrer Wirkungen auf uns herausgebildet haben. Die Persona bezeichnet das, als was sich einer selber und der Umwelt erscheint, nicht aber das, was einer ist, um mit den Worten Schopenhauers zu reden. Was einer ist, ist sein individuelles, nach Toju „wahres“ Ich, das Ryochi. Ryochi wird auch das „Alleinsein“ als „Alleinerkennen“ genannt, offenbar weil es ein auf das Wesen des Selbst bezogener Zustand ist,  jenseits von allen durch äußere Erfahrung bedingten persönlichen Urteilsbildungen. Toju fasst Ryochi als das „summum bonum“, als „Wonne“ auf. (Brahman ist ananda = Wonne). Ryochi ist das Licht, das die Welt durchdringt. Ryochi ist Menschenliebe, unsterblich, allwissend, gut. Das Böse kommt vom Wollen (Schopenhauer!). Es ist die selbstregulierende Funktion, der Vermittler und Vereiniger der Gegensatzpaare, Ri und Ki. Es ist, ganz nach indischer Vorstellung, der „alte Weise, der dir im Herzen wohnet“, oder wie Wang Yang-Ming, der chinesische Vater der japanischen Philosophie sagt: „In jedem Herzen wohnt ein Sejin (Weiser). Nur glaubt man es nicht fest genug, deshalb ist das Ganze eingegraben.“ –  (C.G. Jung, Psychologische Typen, S.233/234)

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