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Posts Tagged ‘Rolf Dieter Brinkmann’

Rolf Dieter Brinkmann: Er merkte, wie sie ihm zuhörte, und dieses, das sie ihm zuhörte, war so zufällig, empfand er. Es war für sie jetzt wahrscheinlich dasselbe reden wie immer; ein Reden von ihm, das sie gewohnt war, das sie beide erschöpfte.

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11 Rolf Dieter Brinkmann: Um diese völlige Einsamkeit zu erlangen, die er zur Verwirklichung seines Werkes braucht – seines Werkes, das er einem Nichts, einer Leere entrissen hat, die er ausfüllen und zugleich sichtbar machen wird -, soll sich der Dichter in eine für ihn äußerst gefährliche Lage begeben.

12 (fs.) Er wehrt jeden Neugierigen, jeden Freund, jede Anregung, die versuchen, sein Werk zur Welt hinzubeugen, in grausamer Weise ab. Falls er will, kann er sich folgendermaßen benehmen. Er verbreitet einen dermaßen ekelerregenden Geruch um sich herum, dass er selbst durch ihn verwirrt und halb erstickt wird. Man meidet ihn. Er ist allein.

13 (fs.) Seine äußere Verdammung erlaubt ihm jetzt, da ihn kein beobachtender Blick mehr stört, lauter kühne Fähigkeiten. So bewest er sich in seiner Einöde, in seinem Element, das dem Tod verwandt ist. Kein Echo antwortet seiner Rede. Was sie auszudrücken hat, ist an niemanden mehr gerichtet und braucht den Lebewesen nicht mehr verständlich zu sein; es ist eine Notwendigkeit, die nicht vom Leben gefordert wird, sondern vom Tod, der sie befiehlt.

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Mit Christian Brückner / Bearbeitung und Regie: Ulrich Gerhardt / BR 2008 Länge: 80’13 // Briefe, Notizen, Landkarten, aus denen ein Monolog entsteht – über die Frage, „wie jemand heute da raus kommt“. Als Rolf Dieter Brinkmann Ende November 1972 für einige Wochen nach Longkamp, ein Dorf im Hunsrück, zieht, ist seine Flucht aus dem Lärm der Stadt zugleich ein Abschied vom Glauben an die Rebellion, an Pop und Untergrund.

Bayern 2

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Rolf Dieter Brinkmann war kein Sprachrohr der APO – gegen den Rudi-Dutschke-Oberlehrer-Ton setzte er exemplarisch seinen Romantitel: „Keiner weiß mehr“. Er arbeitete mit Tonband, Kamera, Wörtern. Ein moderner Dichter! – keiner-weiss-mehr

Rolf Dieter Brinkmann – Longkamp – Erkundung für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand: Träume / Aufstände / Gewalt / Morde / Reise / Zeit / Magazin (Tagebuch) – brinkmann-longkamp

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Als Johann Wolfgang Goethe sich am 3. September 1786, früh drei Uhr, aus Karlsbad fortstahl, um nach Italien aufzubrechen, holte er etwas nach, das er nach dem Willen seines Vaters schon früher hätte unternehmen sollen. Die Italienreise gehörte im 18. Jahrhundert als Kavalierstour zum festen Bestand der vornehmen Erziehung. Schon Johann Caspar Goethe hatte diese unter anderem aus der Tradition der Pilgerreisen des Mittelalters entstandene Tour unternommen, und der Romaufenthalt Winckelmanns verschaffte ihr einen erneuten Popularitätsschub. So war es kaum verwunderlich, daß Goethe in Italien eine größere deutsche Künstlerkolonie vorfand, deren Mitglieder, unter ihnen Tischbein, er kennenlernte. Von den bekannteren Schriftstellern seiner Zeit war er bei weitem nicht der einzige Rombesucher; Lessing, Herder, Karl Philipp Moritz, Johann Gottfried Seume und andere machten ebenfalls eine solche Reise. Für die Nachwelt im 19. Jahrhundert war es vor allem Goethe, dessen Italienische Reise traditionsbildend wirkte.

Doch nicht auf den Stipendiaten der Villa Massimo: Rolf Dieter Brinkmann. In der Studie “Dieses Arkadien ist die reinste Lumpenschau”. Goethe und Rom in Rolf Dieter Brinkmanns Rom, Blicke untersucht Hans-Edwin Friedrich den eher traditionsbrechenden, von einer Verweigerungshaltung geprägten kontrastreichen Gegentext zu Goethes Beschreibungen arkadischer Ideallandschaften. hier und dort:

http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/friedrich_brinkmann.pdf

 

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“ Niemand weiß, woher Han Shan kam.“

Er stieg aus der Ebene auf den Kalten Berg,

schrieb“was soll ich hier tun“, in den Stein,

die Überschriften fehlten, keine Numerierung

er saß und sah auf den Schnee …

Rolf Dieter Brinkmann

IMG_9662

Ich wohne auf dem Berg

Niemand der mich kennt

Zwischen Weißen Wolken

Bin ich immer allein

Han Shan

Diederichs Gelbe Reihe 1984

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Veröffentlicht am 20.07.2016

Der DDR-Dramatiker Heiner Müller nannte ihn „das einzige Genie im Westen“. Markus Mayer befragt alte Weggefährten und erkundet, welche Spuren Brinkmann (1940-1975) hinterlassen hat. Und wie sich seine Texte heute lesen lassen, nachdem uns das Internet gelehrt hat, Bild und Text und Film gleichzeitig wahrzunehmen.

„Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre, würde ich Sie damit niederschießen“.

Diese Replik auf Reich-Ranicki macht deutlich, Rolf Dieter Brinkmann konnte sich viele Arten vorstellen, mit Büchern umzugehen. Er mixte Medien, arbeitete mit Tonband, Kamera, Schere, Wörtern. „Rom, Blicke“ ist randvoll mit Tagebuchnotizen, bekritzelten Stadtplan-Ausrissen und ungestümen Foto-Collagen. Ein Konvolut, das sich allen traditionellen Genrezuschreibungen widersetzt. Und eines der ungewöhnlichsten Bücher der Nachkriegsliteratur, das nur in zensierter Form erscheinen konnte, weil der Verlag Gerichtsverfahren wegen Beleidigung und Verbreitung von Pornografie fürchtete. Ist das noch eine Collage oder schon ein Text, der in jede Richtung und jedes Medium hineinwuchert? Ein Intertext? (Von Markus Mayer, BR 2015).

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