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Posts Tagged ‘Oskar Panizza’

Ö1 – Samstag, 29. August 2020 um 14:00 Uhr

Es war der größte Literaturskandal des ausgehenden 19. Jahrhunderts. … Die Darstellung des Vatikans als Ort des Lasters, Gottvater als klappriger Tattergreis, der schließlich den Teufel beauftragt den Menschen die Syphilis zu schicken um sie für ihre Fleischeslust zu bestrafen – das alles war und ist zu viel für so manches sittliche Gemüt. Der Schauspieler Wolfram Berger hat nun für das Radio eine ebenso amüsante wie bissige Version des Liebeskonzils erarbeitet. Begleitet vom Geigenvirtuosen Toni Burger spielt er sämtliche Rollen, gibt den Teufel, den Papst und auch den lieben Gott und turnt akrobatisch und sprachgewandt durch Himmel und Hölle. Ö1

 

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Dieser Text ist Teil der Abteilung Religionskritik  von Tüpfli’s Global Village Library

Der Stationsberg

….. Die Nacht, in der sich Alles seltsam verändert, Menschen müd und leblos wie versteinern, und Steingebilde zu phantastischem Leben erwachen.
Nikolaus Lenau

Eines Abends kam ich spät ermüdet in ein unterfränkisches Dorf, dessen Name mir entfallen ist. Es mochte wohl am Fuße der Rhön gelegen sein, deren bergige Ausläufer in undeutlichen Umrissen am Horizont zu erkennen waren. Doch war es so regnerisch-trüb, und bei der vorgeschrittenen Zeit so dunkel, dass von einer eigentlichen Orientierung des Orts, wie weit das Dorf in die Berge vorgeschoben sei, keine Rede sein konnte. Wir mochten wohl um die Zeit zwischen Gründonnerstag und Ostern sein. Das Dorf, wusste ich, war berühmt durch seine Prozessionen. — Kein Mensch war auf der Gasse. Mehrmals war ich die breiten Straßen auf und ab gewandert in der Suche nach einer Herberge, und allmählich war es stockfinster geworden. Als Beleuchtung für das ganze, nicht unansehnliche, Dorf dienten drei Öl-Lampen, in Laternen eingeschlossen, die, an Schnüren aufgehangen, quer über die Straße von Haus zu Haus hinübergebunden waren, und deren Scharnierwerk bei dem leichten Süd-West-Wind ein kreischendes, ächzendes Geräusch hervorbrachte.

http://www.payer.de/religionskritik/panizza07.htm

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Dieser Text ist Teil der Abteilung Religionskritik  von Tüpfli’s Global Village Library

Herausgegeben von Alois Payer

Panizza, Oskar, geb. 1853 in Bad Kissingen, gest. 1921 in der Nervenheilanstalt »Herzogshöhe« bei Bayreuth. Einer der merkwürdigsten, bedeutendsten und durch tragische Schicksalsverkettung unbekanntesten Dichter der neueren deutschen Literatur.

Es war an einem der letzten regnerischen Apriltage dieses Jahres, als ich, auf der Suche nach einem gastlichen Frühlings-Unterkommen in den bairischen Bergen, von Hersching am Ammersee in einem Kahne nach Dießen fuhr. Der See war ruhig; aber es rieselte in feinen Fäden fortwährend herunter. Schnur-Regen, glaube ich, nennt man das. Und bald musste mein Führer, der, um besser ausgreifen zu können, den Rock ausgezogen hatte, diesen wieder anlegen. Es war einer jener flachsigen Männer, mit Augen wie Lapislazuli, von denen man das Alter so schwer taxieren kann, weil man nie weiß, ob es die Jugend- oder Alters-Fahle ist, die ihnen um die Stirn flattert…,..

http://www.payer.de/religionskritik/panizza01.htm

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Herausgegeben von Alois Payer (payer@payer.de) – Religionskritisches von Oskar Panizza

Um die göttlichen Dinge einer Religion gut zu kennen, muss man sie in einer vollständig menschlichen Form darstellen. – Renan.

In der Mitte Christus mit einer fein gearbeiteten, blonden Perücke; er hat die größte Ähnlichkeit mit einem englischen Lord, wie man sie bei uns auf dem Theater in komischen Stücken darstellt. Nur war er ganz bartlos: aber die gleiche blasierte Langweile lag auf dem regungslosen Gesicht: man erwartete jeden Moment, dass er den Mund zum Gähnen öffne. Der Blick, regungslos blau den Beschauer anstarrend, hatte etwas Lammfrommes, Trauriges, kindlich Unbewusstes; der bleiche, glatte Unterkiefer ragte etwas zu weit vor und forderte zu Vergleichen mit Repräsentanten aus dem Tierreich auf. Der Wachsguss war etwas zu fettig ausgefallen, man meinte, Christus schwitze Fett, was nicht zur Heiligkeit beitrug… payer.de

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Verehrte Anwesende! Die Pathologie der Seele behauptet gegenwärtig, wie Sie alle wissen, eine hervorragende Stelle in der dramatischen wie erzählenden Literatur. Ich brauche Sie nur an die am letzten öffentlichen Abend hier zum Vortrag gekommene Novelle »Der Muttermörder« von Ola Hansson zu erinnern, oder den Namen Ibsen zu nennen. Der Hauptsatz, der durch all‘ diese Literatur-Erzeugnisse geht, ist, der Mensch muß so handeln, wie er handelt, auf Grund seiner Vererbung, oder, wenn diese Vererbung eine ungünstige ist, auf Grund seiner Belastung. Die Entdeckung und Ausnützung dieses Satzes war für die Belletristik ein Ereignis allerersten Ranges. Schon das enorme Strafmaterial gab auf Jahre hinaus Stoff für Beschäftigung. — Doch darf nicht vergessen werden, daß die Behauptung von dem Handeln müssen des Menschen, die heute in der Gesellschaft eine brennende geworden, in Gerichtssälen und Irren-Anstalten längst entschieden und sozusagen zur Ruhe gekommen ist.- textlog

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Nach wie vor gibt es im deutschen Strafgesetzbuch den Blasphemie-Paragraphen 166, nur wird er kaum mehr angewandt. Das war vor 130 Jahren anders: Damals wurde der Dichter Oskar Panizza wegen seines Theaterstücks „Das Liebeskonzil“ für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt.

(Ausschnitt Hörbuch:) „Es wird also gut sein, wenn das Publikum, der Reichstag, die Minister, die Fürsten, der Kaiser, der Staatsanwalt unsere Dichtungen als das hinnehmen, was sie sind: eine von Gott gewollte Sache. Zürich, den 4. September 1897. Hochachtungsvoll, Oskar Panizza, Dichter von Gottes Gnaden.“

Gerade hatte der Schriftsteller und Satiriker Oskar Panizza eine einjährige Haftstrafe verbüßt. Der Grund: Autorenschaft eines blasphemischen Theaterstücks. Und schon hat er die Stirn, im Vorwort zur dritten Auflage das Gottesgnadentum für sich in Anspruch zu nehmen. Das zeigt, wie entschlossen Panizza in seiner religionskritischen Haltung war.- deutschlandradiokultur

Kurt Tucholsky unterstellte seinem Vorbild Panizza vor allem humanistische Beweggründe:

„Er hat Gott gelästert, aber aus einer tiefen Liebe zu jenem anderen Ding heraus, das die Besten aller Zeiten im Herzen trugen, und das keinen Namen hat.“

Besten Dank an Magister Somnus für diesen, hörenswerten, Hinweis:

http://www.br.de/service/suche/index.html?query=Oskar+Panizza+Das+Liebeskonzil+%282%2F2%29

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