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Die (un)heimliche Macht minoritärer Sturheit . – Von Filosofaxen

Der Finanzmathematiker und Publizist Nassim Taleb spricht in seinem Buch «Skin in the Game» (2018) von der «verborgenen Asymmetrie im alltäglichen Leben». Damit meint er etwas Banales, das in einer Schweizer Redensart sehr schön zum Ausdruck kommt: «Der Gschiider git nah, der Esel blibt stah» – «der Kluge gibt nach, der Esel bleibt stehen». Unter einem Esel will ich hier schlicht eine Person verstehen, die ihre Meinung unter keinen Umständen ändert; unter einem Klugen, wer seine Meinung je nach Umständen ändert. Es braucht oft nur eine kleine Anzahl Esel, um ziemlich grosse kollektive Effekte – auch unter Klugen – zu bewirken. 

https://kaeser-technotopia.blogspot.com/2022/09/esel-und-kluge-die-unheimliche-macht.html

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Bist du dafür oder dagegen?  Transphil oder transphob, vegan oder nichtvegan, regulierten oder deregulierten Markt, Impfen oder Nicht-Impfen, Waffenlieferung an die Ukraine oder nicht? Der Imperativ des Positionsbeziehens ist endemisch. Aber vergessen wir nicht das Gegenteil des Entweder-oder,  das Weder-noch. Und darauf verweist der Wortstamm von «neutral»: keines von beiden. Man verbindet damit gern die Haltung des Ausweichens, Zauderns, Lavierens. Roland Barthes, Autor der berühmten «Mythen des Alltags», zählte das Weder-noch-Denken seiner Zeit zu diesen Mythen. «Ninisme» nannte er es («ni.. ni..»). Er meinte damit ein Denken, das sich dank eines «mythischen» neutralen Standpunkts über den damaligen Konflikten zwischen links und rechts als erhaben wähnt: «Man wägt Methoden mit der Waage ab, belädt ihre Schalen nach Gutdünken, um sich selber als unbelasteter Schiedsrichter betrachten zu können (..) Schon möglich, dass unsere Welt zweigeteilt ist, doch man kann sicher sein, dass über dieser Spaltung kein neutraler Gerichtshof waltet: keine Rettung für die Richter, sie sitzen im gleichen Boot». 

https://kaeser-technotopia.blogspot.com/2022/09/nzz29.html

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Verstümmelungen, Folter, Massaker – Russland kämpft laut Sofsky als despotische Macht gegen eine Demokratie. Und die deutsche Regierung mache sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Ihre Ausreden, Lügen und leeren Versprechen seien zahllos. – Interview von Alexander Kissler. NZZ.

https://www.nzz.ch/feuilleton/russlands-offensive-in-der-ukraine-genozidale-kriegsfuehrung-ld.1696020

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Der Schlimmstmöglichkeitssinn

Der französische Philosoph André Glucksmann schrieb 2015 kurz vor seinem Tod: «Wer davon überzeugt ist, dass es die ganz grosse Krise, die grosse Katastrophe nicht mehr geben kann, handelt sie sich erst recht ein». Glucksmann bezog sich auf den Einmarsch Russlands in die Krim 2014. Der Satz passt wie massgeschneidert auch auf die gegenwärtige Situation. Wir friedensgewohnten und konfliktentwöhnten Bürger westlicher Demokratien haben deren Verletzlichkeit aus unserem Denkhorizont nahezu ausgeschlossen. Der Publizist Richard Herzinger diagnostizierte kürzlich ein Wahrnehmungsdefizit: die Gefahrenverleugnung. Verbunden mit dieser Verleugnung sei «ein kollektiver Verlust des Kurzzeitgedächtnisses in Bezug auf frühere katastrophale Erfahrungen mit der vernichtenden Gewalt agressiver Feinde von Freiheit und Menschenwürde». 

https://kaeser-technotopia.blogspot.com/2022/07/nzz-12.html

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Ö1 – Dienstag, 21. Juni 2022 um 16:05 Uhr

‚Er war ein begnadeter Exzentriker. Keiner der eitlen, dünkelhaften Sorte. Vielmehr ein Gaukler – ein Seiltänzer, wie er sich manchmal nannte, einer, den das Leben das Fürchten gelehrt hatte bis zu dem Punkt, wo er nichts mehr zu fürchten brauchte.‘ – schreibt Roman Bucheli in der NZZ anlässlich der Neuveröffentlichung von ‚Ferien am Waldsee‘ in dem kleinen Wiener Verlag ‚Das vergessene Buch‘. Gewissermaßen als Kronzeuge beschreibt der gebürtige Ungar, auf Deutsch und in bislang unbekannter Präzision, schon 1955 die Gräuel in den KZs des Nationalsozialismus.

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Physik, Mathematik und Logik sind wunderbare Instrumente der Rationalität. Sie schufen auch die Grundlagen des modernen Kriegs: Nuklearwaffen, Computer, Spieltheorie. Alle drei Aspekte finden sich personifiziert in einem der brillantesten Geister des 20. Jahrhunderts, John von Neumann. Der Mathematiker leistete Pionierarbeit in der Nuklearphysik, in den Computerwissenschaften und in der Theorie politischer Konflikte. Und er war eine Inspirationsquelle für die Figur Dr. Strangelove im Kinofilm von Stanley Kubrick. 

Für John von Neumann waren alle Probleme rational lösbar, am besten durch Berechnung. Im «Manhattan Project» entwarf er zum Beispiel einen ingeniösen Bombenmechanismus zur Spaltung von Plutonium – der Mechanismus sollte dann Nagasaki dem Erdboden gleich machen. Neumann, ein rabiater Antikommunist, war Verfechter eines präemptiven Nuklearschlags gegen die Sowjetunion…,..

https://kaeser-technotopia.blogspot.com/2022/05/nzzas-15.html

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Geschichte ist das, woraus wir nicht lernen

Vor einem Vierteljahrhundert klotzte der Politologe Francis Fukuyama mit der These vom «Ende der Geschichte». Damit suggerierte er in neohegelianischer Weise, dass der globale Siegeszug der Demokratie nun einen Schlusspunkt hinter die lange Geschichte von Autokratien setzen würde. Aber der Weltgeist von Fukuyama hat sich epochal geirrt.  Fundamentalistischer Terrorismus, lokale Kriege, Zunahme an Autokratien falsifizierten in der Folge die These auf bitterböse Weise. Die Geschichte kehrt zurück, und zwar gemeiner denn je…,..

https://kaeser-technotopia.blogspot.com/2022/03/nzz-13.html

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Der Roman «Ulysses» ist ein Klassiker der Moderne. Joyce lehnte sich mit dem in Zürich verfassten Buch auf: Gegen das gesamte gewalttätige Erbe der Männlichkeit. Dem stellte er das alltägliche Leben entgegen. Und er tat das ausgerechnet mit Rückgriff auf Homer.

James Joyce begann die Arbeit an seinem Roman «Ulysses» im Jahr 1914, als der Erste Weltkrieg ausbrach. In einer Zeit, in der die jungen Männer Europas im Krieg Erlösung vom Frieden suchten, entschloss sich James Joyce, das Alltägliche und Banale zu feiern.

NZZ

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NZZ: Vor 25 Jahrern suchte der Physiker Alan Sokal die Blase des als verquast geltenden postmodernen Diskurses zum Platzen zu bringen, indem er sich einen Jux – einen «hoax» – ausdachte.  Er stellte eine Collage von Zitaten namhafter postmoderner Denkerinnen und Denker zusammen, die glaubten, jeden Schwachsinn aus der Wissenschaft destillieren zu können. Sokal tat so, als stimmte er ihnen zu. Sein Artikel erschien in einer damals trendigen Fachzeitschrift für postmodernes Denken. Ein paar Wochen nach dem Erscheinen machte Sokal publik, sein Lesepublikum auf die Schippe genommen zu haben. Die Empörung in der einen Hälfte der akademischen Galerie war ebenso gross wie die Häme auf der anderen. Ein regelrechtes Kulturscharmützel entbrannte zwischen Geistes- und Naturwissenschaften.

Ich lese den Text nach wie vor mit Vergnügen. Aber gleichzeitig mischt sich in dieses Vergnügen die Ernüchterung: die Blase ist nicht geplatzt …,.. kaeser-technotopia.blogspot.com

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