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Posts Tagged ‘nzz.ch/feuilleton/’

Wer heute noch glaubt, eine Fotografie erzähle Wahrheit, ist ein Exot. Die Fotografie ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält.

Es hätte alles so schön werden können! So schön und so klar. Doch die Fotografie, angetreten, die Welt zu erhellen, hat sich ins Dunkle verabschiedet. Die Fotografie als intellektuelle Idee der Welterklärung hat sich selber um ihre Macht gebracht. Wer das Bild hat, hat die Macht, das galt als Regel in der Geschichte der Herrschenden und später der Kulturindustrie. Bilder konnten Machtverhältnisse nicht nur repräsentieren, sie konnten sie unterminieren und determinieren. Doch die Macht der Bilder gestern ist heute ihre Ohnmacht geworden.

Zu keiner Zeit waren Bilder so bedeutungsleer wie heute. Zweifelhaft in dem, was man Authentizität nennt, und belanglos darin, was ihre Relevanz betrifft.- nzz.ch/feuilleton

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Wenn wir Realität «sehen», merken wir gar nicht, wie viel wir selbst zu den scheinbar objektiven Eindrücken beisteuern. Beim Blick auf die physische Welt ist das dienlich – beim Urteilen ein Risiko.

Der Komiker George Carlin konstatierte einmal: «Jeder, der langsamer fährt als du, ist ein Idiot, und jeder, der schneller fährt, ein Wahnsinniger.» Es gibt einen wenig bekannten wissenschaftlichen Begriff, der erklärt, warum wir Leute, die nicht so sind wie wir, in der Regel für unterbelichtet oder verrückt halten; er heisst «naiver Realismus».- nzz.ch/feuilleton

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Die Rebellion gegen den Intellektuellen-Idioten hat eben erst begonnen. Dieser weiss stets, wie sich sein Tun und Handeln auf seine Reputation auswirkt. Aber: Er stemmt keine Gewichte.

Weltweit, von Indien über Grossbritannien bis zu den Vereinigten Staaten, findet derzeit eine Rebellion statt. Sie richtet sich gegen die Clique der Bloss-die-eigene-Haut-nicht-aufs-Spiel-setzen-Regierungsbeamten (skin in the game) und geistesverwandten Insider-Journalisten – gegen jene Klasse überheblicher, semi-intellektueller Experten mit dem Gütesiegel irgendeiner Ivy-League- oder Oxford-Cambridge-Universität, die unsereinem vorschreiben, 1) was wir tun sollen, 2) was wir essen sollen, 3) wie wir reden sollen, 4) wie wir denken sollen . . ., und 5) wen wir wählen sollen.

Das Problem ist aber, dass da der Blinde des Einäugigen Führer ist: Diese selbsternannten Mitglieder der «Intelligenzia» sähen einen Bären nicht einmal, wenn er ihnen auf die Nase gebunden würde.- nzz.ch/feuilleton

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Seine Filme sprengen alle Grenzen: Vergangenheit, Gegenwart, Leben und Tod, Menschen und Tiere, Körper und Geist. Der Thailänder Apichatpong Weerasethakul ist der grosse Spiritualist des Kinos.

Der Himmel wird überschätzt, da ist Huay ganz sicher. Dort sei nichts zu finden. Huay muss es wissen, immerhin ist sie von den Toten zurückgekehrt, um ihren Witwer Boonmee auf seinem letzten – vielleicht auch nur: vorläufig letzten – Weg zu begleiten. Für «Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben» gewann der bildende Künstler und Filmemacher Apichatpong Weerasethakul 2010 die Goldene Palme in Cannes. Spätestens seit diesem Erfolg gilt der Thailänder den neugierigeren unter den Cinephilen dieser Welt als der grosse Spiritualist des Kinos.- nzz.ch/feuilleton

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Kommunikative Rüpelei hat auch in den traditionellen Medien Platz gefunden. Dem Wutbürger tritt im Internet der Wutjournalist gegenüber.

Der Zustand der öffentlichen Kommunikation in Deutschland gilt als beklagenswert. Hetze und Hass von rechts sind die Leitvokabeln, mit denen Politik und etablierte Medien diese Klage befeuern. Das Internet mit den sozialen Netzwerken gilt als Quell allen Übels. Hier werden Grenzen verletzt und kommunikativer Anstand fortwährend verhöhnt.

nzz.ch/feuilleton

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