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Posts Tagged ‘nzz.ch/feuilleton/’

Wer heute noch glaubt, eine Fotografie erzähle Wahrheit, ist ein Exot. Die Fotografie ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält.

Es hätte alles so schön werden können! So schön und so klar. Doch die Fotografie, angetreten, die Welt zu erhellen, hat sich ins Dunkle verabschiedet. Die Fotografie als intellektuelle Idee der Welterklärung hat sich selber um ihre Macht gebracht. Wer das Bild hat, hat die Macht, das galt als Regel in der Geschichte der Herrschenden und später der Kulturindustrie. Bilder konnten Machtverhältnisse nicht nur repräsentieren, sie konnten sie unterminieren und determinieren. Doch die Macht der Bilder gestern ist heute ihre Ohnmacht geworden.

Zu keiner Zeit waren Bilder so bedeutungsleer wie heute. Zweifelhaft in dem, was man Authentizität nennt, und belanglos darin, was ihre Relevanz betrifft.- nzz.ch/feuilleton

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In einem Vorort von Paris ist der britische Kunstkritiker und Romancier John Berger gestorben. Den postmodernen Gestus beherrschte er ebenso wie den liebevoll genauen Blick auf den bäuerlichen Alltag.

Mit John Berger, der am 2. Januar neunzigjährig starb, verliert die britische Literatur einen ihrer vielseitigsten und engagiertesten Autoren. Bevor er sich mit Romanen und Essays hervortat, machte Berger sich einen Namen als Journalist und Fernsehmoderator; die marxistische Denkweise, der er zeitlebens verpflichtet blieb, prägte sein Denken und Schaffen, ohne es ungebührlich zu beengen.- nzz.ch/feuilleton

Zum Tod von John Berger: Hoffnung ist wie die Flamme einer Kerze im Dunkeln“ – Von Johannes Kaiser – dradio

„Ein Denken, was sich zärtlich um die Welt kümmert“ – Hans Jürgen Balmes im Gespräch mit Jan Drees – DLF

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Wenn wir Realität «sehen», merken wir gar nicht, wie viel wir selbst zu den scheinbar objektiven Eindrücken beisteuern. Beim Blick auf die physische Welt ist das dienlich – beim Urteilen ein Risiko.

Der Komiker George Carlin konstatierte einmal: «Jeder, der langsamer fährt als du, ist ein Idiot, und jeder, der schneller fährt, ein Wahnsinniger.» Es gibt einen wenig bekannten wissenschaftlichen Begriff, der erklärt, warum wir Leute, die nicht so sind wie wir, in der Regel für unterbelichtet oder verrückt halten; er heisst «naiver Realismus».- nzz.ch/feuilleton

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Die Rebellion gegen den Intellektuellen-Idioten hat eben erst begonnen. Dieser weiss stets, wie sich sein Tun und Handeln auf seine Reputation auswirkt. Aber: Er stemmt keine Gewichte.

Weltweit, von Indien über Grossbritannien bis zu den Vereinigten Staaten, findet derzeit eine Rebellion statt. Sie richtet sich gegen die Clique der Bloss-die-eigene-Haut-nicht-aufs-Spiel-setzen-Regierungsbeamten (skin in the game) und geistesverwandten Insider-Journalisten – gegen jene Klasse überheblicher, semi-intellektueller Experten mit dem Gütesiegel irgendeiner Ivy-League- oder Oxford-Cambridge-Universität, die unsereinem vorschreiben, 1) was wir tun sollen, 2) was wir essen sollen, 3) wie wir reden sollen, 4) wie wir denken sollen . . ., und 5) wen wir wählen sollen.

Das Problem ist aber, dass da der Blinde des Einäugigen Führer ist: Diese selbsternannten Mitglieder der «Intelligenzia» sähen einen Bären nicht einmal, wenn er ihnen auf die Nase gebunden würde.- nzz.ch/feuilleton

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Seine Filme sprengen alle Grenzen: Vergangenheit, Gegenwart, Leben und Tod, Menschen und Tiere, Körper und Geist. Der Thailänder Apichatpong Weerasethakul ist der grosse Spiritualist des Kinos.

Der Himmel wird überschätzt, da ist Huay ganz sicher. Dort sei nichts zu finden. Huay muss es wissen, immerhin ist sie von den Toten zurückgekehrt, um ihren Witwer Boonmee auf seinem letzten – vielleicht auch nur: vorläufig letzten – Weg zu begleiten. Für «Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben» gewann der bildende Künstler und Filmemacher Apichatpong Weerasethakul 2010 die Goldene Palme in Cannes. Spätestens seit diesem Erfolg gilt der Thailänder den neugierigeren unter den Cinephilen dieser Welt als der grosse Spiritualist des Kinos.- nzz.ch/feuilleton

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Kommunikative Rüpelei hat auch in den traditionellen Medien Platz gefunden. Dem Wutbürger tritt im Internet der Wutjournalist gegenüber.

Der Zustand der öffentlichen Kommunikation in Deutschland gilt als beklagenswert. Hetze und Hass von rechts sind die Leitvokabeln, mit denen Politik und etablierte Medien diese Klage befeuern. Das Internet mit den sozialen Netzwerken gilt als Quell allen Übels. Hier werden Grenzen verletzt und kommunikativer Anstand fortwährend verhöhnt.

nzz.ch/feuilleton

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«Neid, Mord, Streit, Betrug und Arglist»
Dass auch das Christentum ein «Gewaltproblem» hatte, ist keine neue Erkenntnis. Der Althistoriker Manfred Clauss konzentriert sich in seiner Geschichte des frühen Christentums auf ebendiesen Aspekt.
Das Wesen des Christentums lasse sich … durch ein einziges Wort zusammenfassen: Fundamentalismus. In diesem Wort liegt nach dem Verfasser des Buches «Ein neuer Gott für die alte Welt» alles beschlossen: der Anspruch, die eigene religiöse Lehre sei absolut wahr und für alle Menschen verbindlich; die Bereitschaft, für diese Wahrheit notfalls das Martyrium auf sich zu nehmen; die bedenkenlose Herabsetzung und Diffamierung aller, die sich dieser Wahrheit nicht anschliessen, sowie der Kampf gegen die Andersdenkenden, die Zerstörung ihrer Existenz und ihrer Kulturdenkmäler.

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Wissen, wann es genug ist
Die von ihrem prekären ökonomischen Status gebeutelte japanische Jugend sucht eine Neuorientierung in einer Ethik und Ästhetik des Verzichts. Der Gedanke, dass weniger mehr ist, übt auf immer breitere Kreise eine grosse Faszination aus.
Wissen, wann es genug ist («taru o shiru»), ist eine buddhistische Redensart, die viele Aspekte des sozialen Verhaltens umfasst. Die Absage an weltliche Begierden und der Respekt vor anderen Lebewesen lehrt auch der Buddhismus. Durch das Loslassen und die Achtung auch vor Unbedeutendem lässt sich Dankbarkeit neu erlernen. – nzz.ch/feuilleton/

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