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Posts Tagged ‘Nadeshda Mandelstam’

Arno Gruen: „Ohne Vergangenheit“, schreibt Terrence DesPres (1976) in seiner poetischen Huldigung an die Überlebenden aller Vernichtungslager der Welt, „haben wir nichts, auf dem wir stehen können, haben wir keinen Kontext, in dem wir die Energien für eine moralische Version unseres Seins organisieren können.“ Durch seine Schreie behauptet der Mensch sein Recht, seine Vergangenheit mitzuteilen, Widerstand zu leisten und Hilfe einzufordern. „Stille in ihrer primären Eigenschaft ist eine Konsequenz des Terrors, eine Auflösung des Selbst und der Welt. Gekritzelt auf eine Latrinenwand in einem sowjetischen Lager war diese Aufschrift: Soll der verdammt sein, der schweigt, nachdem er seine Freiheit wiedererlangt hat.“ – „Zu schweigen“, schreibt Nadeshda Mandelstam (1970), ist das wahre Verbrechen gegen die Menschheit.“ Zeuge sein bedeutet, jene Hilflosigkeit zu überschreiten, welche sonst Hoffnung und Selbstachtung verdorren läßt.

Arno Gruen – Der Verlust des Mitgefühls – Über die Politik der Gleichgültigkeit – dtv

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