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Posts Tagged ‘Möglichkeitsraum’

(Handnotiz/Journal) – Die französische Psychoanalytikerin Julia Kristeva formulierte schon 1983 eine weit reichende und konzentrierte Hypothese: Viele Patienten „leiden heute an der Abschaffung des psychischen Raumes“. Die Freud-Schülerin Melanie Klein zeigte die Strukturierung der psychischen Realität eines Kleinkindes als Auskleidung eines inneren Raumes, der von Hass und Liebe, Angst und Neid, Wissbegierde und Lust, Zerstörungswut, Schuld und Wünschen nach Wiedergutmachung bewohnt ist.

Treibende Kraft in dieser Ausstattung sind früheste Phantasien über die Innenräume des mütterlichen Körpers. Diese enthalten für das Infans, das sprachlose Kleinkind, die Geheimnisse und Rätsel, an deren Lösung sich sein Seelenleben abarbeitet und damit die Grundlagen für die weitere Entwicklung schafft. In der Nachfolge von Melanie Klein war es Donald Winnicott, der den Begriff des Möglichkeitsraumes prägte, der bei dem Kind bei ausreichendem Grundgefühl des Vertrauens einen spielerischen und kreativen Umgang mit Menschen und Objekten erlaubt, die sich, als fremde, unvertraute oder ängstigende, dem Kontrollbereich des fragilen Ichs entziehen. Neugier, letztlich jeder Wunsch nach Erkenntnis setzen diesen Möglichkeitsraum voraus, den auch das jugendliche und erwachsene Ich immer wieder bewohnen muss, will es seine Lebendigkeit bewahren und am „Experimentum Mundi“ teilnehmen…

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