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Posts Tagged ‘Mircea Eliade’

Mircea Eliade – Das Heilige und das Profane – Suhrkamp Taschenbuch 1990

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Ein indianischer Prophet namens Smohalla vom Stamm Wanampum weigerte sich, die Erde zu bearbeiten. Er hielt es für eine Sünde, „unser aller Mutter“ durch Ackerarbeit zu verwunden oder zu schneiden, zu zerreißen oder zu kratzen. Und er fügte hinzu: „Ich soll den Boden bearbeiten? Würde ich ein Messer nehmen und es meiner Mutter in den Schoß stoßen? Sie würde mich nicht mehr darin aufnehmen, wenn ich tot bin. Ich soll umgraben und die Steine herauswerfen? Würde ich ihr Fleisch aufschneiden und ihre Knochen freilegen? Dann kann ich nicht mehr in ihren Körper eingehen, um wiedergeboren zu werden. Ich soll Gras abschneiden und es verkaufen, um mich zu bereichern wie die Weißen? Wie könnte ich es wagen, meiner Mutter die Haare abzuschneiden?“

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Die Bilchula-Indianer: Am Anfang gab es keine Sonne. Auf der Erde war immer Nacht, denn zwischen Himmel und Erde war ein großes Tuch gespannt. Der Rabe beschloss, die Sonne zu befreien, aber er brachte es nicht fertig. Da bat er vier Gottheiten, unter ihnen Yulatimot, den Reiher, sie möchten der Sonne helfen. Diese zerrissen das Tuch. Doch die Sonne leuchtete nur trüb durch den Nebel. Dem Raben gefiel dies nicht, und er beschloss, eine neue Sonne zu suchen. Er durchflog die ganze Welt und kam schließlich zum Haus des Häuptlings Suq, der das Nusquemta, den Platz der Morgendämmerung besaß. Die Nusquemta war eine runde Holzkiste ohne Deckel, die an einem Dachbalken aufgehängt war. In ihr war die Sonne. Der Rabe wusste, dass er die Sonnenkiste durch eine List gewinnen könne. Als die älteste Tochter des Häuptlings Suq morgens am Teich Wasser holte, ließ sich der Rabe als Tannennadel in den Eimer fallen. Das Mädchen trank aus dem Eimer und verschluckte die Nadel. Da wurde sie schwanger. Sie gebar einen Knaben, den der Großvater sehr liebte. Eines Tages verlangte das Kind die Sonnenkiste zum Spielen. Zuerst wollte der Großvater sie nicht geben. Endlich nahm er sie vom Dachbalken herunter und ließ sie dem Knaben. Dieser zerschlug die Kiste, sodass die Sonne heraus sprang und von nun an die Welt beleuchtete. Der Knabe aber flog als Rabe von dannen. (M.E.?)

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Der rumänische Religionsphilosoph Mircea Eliade galt als „Einstein der Religionsgeschichte“. Er vertrat eine scheinbar simple Botschaft: Die Menschheit solle zurückkehren zu ihren religiösen Wurzeln, um die Probleme der Moderne zu lösen. Damit fand Eliade in ganz unterschiedlichen Milieus Zuspruch – von Hippies bis zur Neuen Rechten.- DLF

„Die menschliche Existenz ist bedeutungslos geworden. Der Mensch lebt in einer Natur ohne Vorbild, ohne Schöpfer, ohne Ziel. Das ist der Nihilismus, den Nietzsche ausgerufen hat, als er sagte ‚Gott ist tot‘.“

Dem Religionsphilosophen Mircea Eliade geht es um das große Ganze: um das Heilige. Er empfindet den modernen westlichen Menschen als defizitär. Der Mensch finde sich in der Welt nicht zurecht, weil er die höhere Ordnung darin nicht mehr erkenne, diagnostiziert Eliade. Er empfiehlt der Menschheit, zur Weltsicht ihrer Vorfahren zurückzukehren.

 

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Im Alter von 2 Jahren sah er eine blaue Eidechse: es war ein Drache. – „Ja, es ist der Drache. Aber der wirkliche Drache, der androgyne Drache, weil er wirklich so wahnsinnig schön war. Ich war von dieser Schönheit beeindruckt, von diesem außergewöhnlichen Blau…“ Eliade empfand die Angst in den Augen der Eidechse. „Bei all ihrer Angst war ihre Seele gegenwärtig genug, um die Angst des anderen zu spüren“. – „Ich sah sie! Ich sah die Angst in den Augen, ich sah, dass sie Angst hatte vor dem Kind. Ich war starr vor Staunen. Die Echse war vollkommen. Das war alles: Anmut und Schrecken, Wildheit und Lächeln, alles war vorhanden“. –

Dann einmal, noch auf allen vieren, kroch er in einen Salon. Es war Sommer, doch die Vorhänge waren zugezogen und tauchten den Raum in eine „seltsam grüne Farbe“. Da empfand er sich wie im Innern einer Weintraube.

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Die unmittelbare Wirkung der ekagrata, der Konzentration auf einen einzigen  Punkt, ist die rasche und klare Zensur aller Zerstreuungen und inneren Automatismen, welche das profane Bewusstsein beherrschen, ja eigentlich ausmachen. Seinen Assoziationen überlassen … verbringt der Mensch seinen Tag, indem er sich von einer Unmenge disparater Momente überschwemmen lässt, die gleichsam außerhalb seiner selbst liegen…

Die Assoziationen hier zerstreuen das Bewusstsein, die Leidenschaften tun ihm Gewalt an, der Lebensdurst missbraucht es, indem er es aus sich selbst hinauswirft. Sogar in seinen intellektuellen Anstrengungen ist der Mensch passiv, denn es ist das Schicksal des profanen … Denkens, von Objekten gedacht zu werden. Unter dem Anschein des Denkens verbirgt sich in Wirklichkeit ein unbestimmtes, ordnungsloses Flimmern, das sich aus den Empfindungen, den Worten und dem Gedächtnis speist.

(Yoga – Unsterblichkeit und Freiheit – Mircea Eliade, Seite 55) – Suhrkamp Taschenbuch 1127, 1985 –

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„Es ist nicht unstatthaft, sich eine Epoche vorzustellen, und zwar eine Epoche, von der wir nicht allzu weit entfernt sind, in der sich die Menschheit, um ihr Überleben zu sichern, reduziert findet auf dem Rückzug von jedem weiteren „Geschichte machen“ und sich darauf beschränkt, vorgezeichnete archetypische Handlungen zu wiederholen; sich bemühen wird, jede spontane Geste als sinnlos und gefährlich zu vergessen, die „gesellschaftliche“ Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Es wäre sogar interessant, die unhistorische Lösung künftiger Gesellschaften mit den paradiesischen oder eschatologischen Mythen des Goldenen Zeitalters am Beginn oder am Ende der Welt zu vergleichen.“

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Die Konzentration auf einen Punkt

Ausgangspunkt der Yoga-Meditation ist die Konzentration auf einen einzigen Gegenstand, der ebenso ein physischer Gegenstand (die Stelle zwischen den Augenbrauen, die Nasenspitze, ein leuchtender Gegenstand usw.) wie ein Gedanke oder Gott (Isvara) sein kann. Diese feste und andauernde Konzentration hat den Namen ekagrata (auf einen einzigen Punkt) und wird durch die Integration des psychomentalen Flusses (sarvarthata, vielseitige, diskontinuierliche und zerstreute Aufmerksamkeit, Yoga-Sutra 3,11) erreicht. Dies ist schon die Definition der yogischen Technik: cittavrttinirodha (Yoga-Sutra 1.2) (Yoga – Mircea Eliade, S. 55)

hier: https://daoweg.wordpress.com/2015/05/11/yoga-sutren-die-aphorismen-des-patanjali/

 

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Die Übung der ekagrata geht darauf aus, die beiden Quellen des inneren Flusses, die Tätigkeit der Empfindungen (indriya) und die Tätigkeit des Unterbewussten (samskara), zu kontrollieren. Die Kontrolle besteht in der Fähigkeit, nach Belieben und unmittelbar in die Funktion dieser beiden Quellen innerer Wirbel (cittavrtti) eingreifen zu können. Ein Yogin kann nach Belieben die Kontinuität des Bewußtseins unterbrechen, anders ausgedrückt, er kann jederzeit und überall die Konzentration seiner Aufmerksamkeit auf einen einzigen Punkt herbeiführen und für jeden anderen sensorischen oder gedächtnismäßigen Anreiz unempfindlich werden. Durch die ekagrata erlangt man einen wirklichen Willen, das heißt die Macht, über einen wichtigen Sektor der psychosomatischen Aktivität frei zu herrschen.

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