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Meister Ueda

Als Modell zwischen menschlicher Dynamik zieht Ueda die japanische Begrüßung heran, bei der man sich voreinander  verneigt. In jeder Kultur beinhaltet die Grußform, soweit sie nicht zur bloßen Formalität verkam, ein Verständnis des Zwischenmenschlichen. Der Sinn der japanischen  Verneigung besteht nach Ueda darin, sich gegenseitig vor dem anderen zunichte zu machen, das Ego brechend in die Tiefe des Nichts einzutauchen, wo es weder Ich noch Du gibt. „Mitten im `Zwischen` als dem Raum des Gegenübereinander wird, vom Nichts durchdrungen, eine unendliche Offenheit erschlossen.“ Sich aufrichtend, also aus dem Nichts auftauchend und sich einander zuwendend, stehen sich beide dann als Ich-Du gegenüber, wobei das „Ich-Du im Gegenüber“ vom „Weder-Ich-noch-Du im Nichts“ erfüllt und offen gehalten bleibt. Das Nichts, die Leere wird zum Ursprung eines offenen Zwischen, indem beide zugleich selbständig und völlig selbstlos füreinander da sein können. Jedes erfährt die Ich-Du-Beziehung als eigenes Selbst („Ich und Du, das bin Ich“), kann aber auch als selbstlos dem Du überlassen („Ich und Du, das bist Du“).

Das Zusammengehören absoluter Selbständigkeit und vorbehaltloser Angewiesenheit aufeinander kann als Erfüllung der Grundvoraussetzung jedes Gesprächs gelten, nämlich „der doppelten Fähigkeit zu sprechen und zu hören“. Die Verneigung geht dem Dialog voraus, nicht nur chronologisch, sondern auch sinngemäß, weil sie leibhaftige Gebärde des Grundgeschehens ist, das echten Dialog erst ermöglicht.

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