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Posts Tagged ‘Markus Boysen’

Joseph Conrad war neun Jahre alt, als er den Finger auf einen weißen Fleck der Landkarte legte und sagte: „Dort will ich hin, wenn ich mal groß bin“. Die Absicht, an den Kongo zu reisen, hat er 25 Jahre später in die Tat umgesetzt und weitere 10 Jahre später darüber den Roman „Herz der Finsternis“ geschrieben, sein kühnstes, prophetischstes Buch. Es enthält eine vernichtende Kritik an der Kolonialpolitik der europäischen Mächte, die in seinen Augen nichts anderes war als ein zerstörerischer Beutezug: „Der Pesthauch aberwitziger Raubgier schien alles wie Aasgeruch zu durchdringen. Bei Gott! Ich hatte nie etwas so Unwirkliches in meinem Leben gesehen.“ Markus Boysen liest aus „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad. Hanjo Kesting kommentiert das Werk.

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Wer auf die Suche nach dem eigenen „Selbst“ geht, um hier seiner Ganzheit, seiner Einmaligkeit, Größe, Schönheit ansichtig zu werden, schaut in den Spiegel. Der Blick des anderen nämlich schlägt immer ein Loch in den eigenen Horizont. Er bleibt unbeherrschbar. Er unterbricht, er setzt das „Ich“ aus und öffnet es dem Spiel des Begehrens. Ihm zu entgehen, ist das Geheimnis des narzißtischen Sehens, das dazu verurteilt bleibt, sich in die Leere des „Selbst“ zu verlieren…

http://agoradio.de/-sendungen/2018-2/2018-2-9.html

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Gelesen von Markus Boysen – Sendung vom September 2017

„Um dem Titel dieser Sammlung ganz gerecht zu werden, hätte ich sie vor 60 Jahren beginnen müssen, denn mein ganzes Leben ist nur eine lange Träumerei gewesen, in Kapitel gegliedert und durch meine täglichen Spaziergänge.“ So schreibt Jean-Jacques Rousseau in einer Einleitung zu seinen „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“, und er fährt fort: „Obgleich spät, beginne ich sie heute, weil mir in dieser Welt nichts besseres zu tun bleibt. Ich fühle meine Einbildungskraft schon erstarren und alle meine Kräfte schwächer werden. Ich warte darauf, zu sehen, wie meine Träumereien von Tag zu Tag kälter werden, bis die Mühsal, sie aufzuschreiben, mir den Mut dazu nehmen wird. So muss mein Buch, wenn ich es fortsetze, auf natürliche Weise enden, wenn ich mich dem Ende meines Lebens nähere.“ Zur Sendung…

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Der Reifungsprozeß Hyperions findet sein Ende nicht mit dem Ende der Geschichte des früheren, erlebenden Hyperion. Indem er vom Früheren erzählt, schreitet das Bewußtsein des Erzählers Hyperion weiter voran. So überlagern sich nicht nur zwei Zeitebenen, sondern zwei Ebenen der Bewußtseinsbildung. Im ganzen handelt es um einen Prozeß, der in einem doppelten Kursus zum immer höheren Stufen geistiger Vermittlung führt. Diesen Grundzug des sich durch Reflexion immer höher entwickelnden Bewußtseins hat Hölderlin schon im Namen seines Helden angedeutet. Hyper-ion, bei den Griechen ein Zuname des Sonnengottes, heißt: der Darüberhingehende; lateinisch könnte man beinahe sagen: der Transzendierende.

Eine derart transzendentale, auf die reflektierende Aufhebung der realen Erfahrung und auf permanente Selbstübersteigerung im Bewußtseinsprozeß angelegte Dynamik ist ein Charakteristikum des Deutschen Idealismus. – Mit seinem Hyperion verwirklicht Hölderlin dichterisch das von Friedrich Schlegel theoretisch formulierte Programm der Transzendentalpoesie, die alles beschränkte Reale durch die Vorstellung eines unendlich Idealen aufheben soll. Hyperion ist der Roman des Deutschen Idealismus. Er ist es in einem ernsteren Sinne als der leichter zugängliche … Heinrich von Ofterdingen des Novalis, der sich einer artifiziellen Naivität hingibt und jeden Weltwiderstand umgeht.

Hyperions Bewußtseinsprozeß bezeichnet Hölderlin selbst als exzentrische Bahn. Dieses Schlüsselwort steht in der vorrede zu einer früheren Stufe des Werkes, das er … in Schillers literarischer Zeitschrift Neue Thalia veröffentlichte.

Friedrich Hölderlin: Hyperion – gelesen von Markus Boysen

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„Wahrhaft befreit von sich selber sehe ich den reisenden Robert Walser nur einmal auf der Ballonfahrt, die er während seiner Berliner Zeit von Bitterfeld, dessen künstliche Lichter damals zu glosen begannen, bis an den Ostseestrand gemacht hat. Drei Menschen – der Kapitän, ein Herr und ein junges Mädchen – steigen in den Korb ein, die befestigenden Stricke werden losgeknöpft, und das seltsame Haus fliegt langsam, als ob es sich erst noch auf irgendetwas besänne, in die Höhe. Die schöne Mondnacht scheint den prachtvollen Ballon in unsichtbare Arme zu nehmen. Sanft und still fliegt der rundliche Körper dahin und wird kaum, dass man es bemerkt, von feinen Winden nördlich getrieben. Drunten sieht man Kirchturmspitzen, Dorfgassen, Höfe, eine geisterhaft vorbeisausende Eisenbahn, den herrlich gefärbten und beleuchteten Lauf der Elbe…, … hier und archiv

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„Auch Glenn Gould, unser Freund und der wichtigste Klaviervirtuose des Jahrhunderts, ist nur 51 geworden, dachte ich beim Eintreten in das Gasthaus. Nur hat der sich nicht wie Wertheimer umgebracht, sondern ist, wie gesagt wird, eines natürlichen Todes gestorben. Viereinhalb Monate New York, und immer wieder die Goldberg-Variationen und die Kunst der Fuge, viereinhalb Monate Klavierexerzizien, wie Glenn Gould immer wieder nur in Deutsch gesagt hat, dachte ich. Vor genau 28 Jahren hatten wir in Leopoldskron gewohnt und bei Horowitz studiert und, was Wertheimer und mich betrifft, nicht aber Glenn Gould naturgemäß, während eines völlig verregneten Sommers von Horowitz mehr gelernt als die acht Jahre Mozarteum und Wiener Akademie vorher. Horowitz hat alle unsere Professoren null und nichtig gemacht. Aber diese fürchterlichen Lehrer waren notwendig gewesen, um Horowitz zu begreifen.“ – http://agoradio.de/-sendungen/2015-9/2015-09-10.html

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