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Posts Tagged ‘Ludwig Tieck’

Siegmund labte sich an den abwechselnden Gestalten. Er stand oft still, und sah durch ein niedriges Fenster in die sparsam erleuchtete Stube, deren Schein so anlockend, und deren enge, von der Lampe schwarzgeräucherte Wände so abschreckend waren. Die Familien der Handwerker saßen um runde Tische, und verzehrten froh und lebhaft kauend, ihr Abendbrod. In anderen Stuben saß eine emsige Alte beim Haspel und zählte aufmerksam seine Umwälzungen, um morgen  ihr gesponnenes Garn abzuliefern.

Arno Schmidt: Ludwig Tieck (142) im Haffmans-Verlag

 

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Die Szene ist im Parterre, die Lichter sind schon angezündet, die Musiker sind im Orchester versammelt. – Das Schauspiel ist voll, man schwatzt durcheinander, mehr Zuschauer kommen, einige drängen, andre beklagen sich. Die Musiker stimmen.

Schlosser: Wenn ich meine rechte Meinung sagen soll, so halte ich das Ganze für einen Pfiff, Gesinnungen, Winke unter die Leute zu bringen. Ihr werdet sehen, ob ich nicht recht habe. Ein Revolutionsstück, soviel ich begreife, mit abscheulichen Fürsten und Ministern, und dann ein höchst mystischer Mann, der sich mit einer geheimen Gesellschaft tief, tief unten in einem Keller versammelt, wo er als Präsident etwa verlarvt geht, damit ihn der gemeine Haufe für einen Kater hält. Nun da kriegen wir auf jeden Fall tiefsinnige und religiöse Philosophie und Freimaurerei. Endlich fällt er als das Opfer der guten Sache. O du Edler! Freilich mußt du gestiefelt sein, um allen den Schurken die vielen Tritte in den gefühllosen Hintern geben zu können!

Fischer: Sie haben gewiß die richtige Einsicht, denn sonst würde ja der Geschmack abscheulich vor den Kopf gestoßen. Ich muß wenigstens gestehn, daß ich nie an Hexen oder Gespenster habe glauben können, viel weniger an den gestiefelten Kater.

https://www.projekt-gutenberg.org/tieck/kater/kater.html

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Gelesen von Katja Bürkle. BR 2019. Am Mikrofon war Judith Heitkamp, die sagt danke fürs Zuhören.

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Ich könnte auch sagen, ich wollte meine dramatische Novelle bevorworten, damit sie der Leser, oder ein edles Publikum so entgegen nehmen, daß höchst es die Geschichte selbst um so annehmlicher oder verständlicher finden, und sein Vergnügen daran sich heraus stellen möchte. – Es formirt sich bei uns nach und nach wieder ein solcher Kanzleistyl, der einem künftigen Gottsched von neuem zu thun geben wird, um ein einfaches gesundes Deutsch daraus wieder herzurichten.

https://gutenberg.spiegel.de/buch/die-vogelscheuche-7419/2

https://archive.org/details/schriften27tiecuoft/page/2

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Oft bin ich ganz verwirrt. Die Menschen um mich herum erblassen zu Schattenbildern, die wie wertlose Puppen auf und ab taumeln, und ein neues, farbiges Menschengeschlecht, von meiner Phantasie beordert, steigt aus dem Boden herauf, mich mit seinen erschreckten Augen anblickend.

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„Der Mensch wird geboren, ohne daß er es weiß. Seine innerlichen Gedanken „träumen“, äußerlich erzeugen sich indes andere Träume, die wir wiederum Taten nennen.“

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auch Johann Heinrich Voß; und sagt wörtlich zu ihm …

Einer meiner Hauptzwecke war Forschung der römisch-katholischen Religion. Sie schien mir ein fast erstorbener Baum; aus dessen Wurzel jedoch, wenn sie gepflegt würde, ein neuer Baum ersteigen würde, mit ursprünglicher Kraft ? – ich habe geforscht : und faul war die Wurzel, bis zu den äußersten Fäserchen!

Arno Schmidt: Ludwig Tieck – `Funfzehn` Vom Wunderkind der Sinnlosigkeit. Haffmans 1988

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…, mit ihrer verschrieenen Sprunghaftigkeit, ihrem Leichtsinn, ihrem scheinbar kindlichen Zauberwesen – achwas … – ist vielmehr der Ausdruck des verwegensten Realismus in Lebensführung und Kunst.

Die zugrunde liegende Erkenntnis: daß alles Dasein ein lebenslängliches Hakenschlagen ist, vor der Gefahr des Gefressenwerdens, ist mit nichten „oberflächlich“; wer sein Leben dementsprechend einrichtet, mit nichten „leichtfertig“; und der Dichter endlich, der dies Chaos redlich abzubilden unternimmt, ist mit nichten „verantwortungslos“!

(Wie meinen ? Die Romantik als bewußter Versuch, für die Überzeugung von der Instabilität der Welt, wie des Einzellebens, den künstlerischen Ausdruck zu finden:) Das ist schon fast richtig.- (bedeutsam)

: es wäre sogar möglich: daß man die Romantiker allmählich, bewußt und systematisch, zu belanglosen Märchenerzählern degradierte; zu liebenswürdigen Trotteln, die man nachsichtig in einer ´blauen Stunde`, und versonnen, zu Hand nimmt. Denn in Wirklichkeit waren die Romantiker gefährlichste Leute – vom Gestapo-Standpunkt aus:

ausdauernd=labil; peinlich wohlversehen mit der Gabe, den Widersinn von Regierungsmaßnahmen mit dem Widersinn der Kunst zu kontern; der tapfere dünne Lärm zwischen den Felsenzähnen des Daseins. (155/156)

Arno Schmidt über Ludwig Tieck –  Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Haffmans Verlag

 

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Frankfurter Anthologie

Überhaupt sollten Pflanzen und Blumen mehr ihre Titel von den menschlichen Gemüthsbewegungen hernehmen…eine andere Pflanze Minnetrost, Sehnsuchtskeim, Thränenquell, Venuslächeln, wie wir schon das Venushaar besitzen“, schreibt der Romantiker Ludwig Tieck 1832 in seiner Novelle „Der Jahrmarkt“.

Rolf Dieter Brinkmann stellt das Zitat 1974 als Motto über sein fragmentarisches Amerika-Poem „Eiswasser an der Guadelupe Str.“, das mit untenstehendem Gedicht beginnt: in ihrer Einfachheit und Alltäglichkeit fast anrührende Verse von einem Frühlingsabend in irgendeiner Großstadt der westlichen Hemisphäre.

„Eiswasser an der Guadelupe Str.“ aus dem gleichnamigen Gedichtband von Rolf Dieter Brinkmann, gelesen von Thomas Huber

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