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Posts Tagged ‘Ludwig Tieck’

Arno Schmidt / Ludwig Tieck: (3) A.: Die Wahrheit – das heißt, die Wahrheit der romantischen Schule – ist vielmehr diese: / nach Tiecks Erfahrungen sind die bunten grausamen, teils sinnlosen, teil witzigen Durchkreuzungen, nicht nur des menschlichen Lebens, sondern alles Existierenden überhaupt, mit der vernünftigen Lenkung e i n e s Gottes – womöglich noch eines weise=gütig=mächtigen – nicht vereinbar. Die einfachste Erklärung für die uns, unleugbar und hagelschlagartig=unerwartet betreffenden Possen und `Schicksals=Streiche` wäre – : das Quer-Durcheinander-Regieren eines ganzen Olymp. (166)

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A.: Das Gleiche ergibt, sich minder pathetisch, aus seinen Unterhaltungen mit Friedrich Schlegel : Der hatte nun tatsächlich konvertiert; und verdutzt-satirisch berichtet es Tieck, wie Jener glaubte `an das Auflegen von magnetisierter Watte`, oder ….

C. (halb amüsiert, halb indigniert): Dem reinsten Aberglauben war er verfallen ! Jedes Gespräch zeigte nur die immer größer werdende Kluft. Er behauptete, wirklich profetisch in die Zukunft blicken zu können, die er aus einzelnen Bibelsprüchen deuten wollte. Wenn ich mir erlaubte, bescheidene Zweifel zu äußern, wies er mich pathetisch mit den Worten ab : „Mein Sohn; auf Deinem Standpunkt verstehst Du das nicht.“ / Ein andermal kündigte er die Nähe des jüngsten Tages an; dann würden die Gestirne des Himmels sich gegeneinander bewegen, und die Gestalt eines Kruzifixes bilden. Unwillkürlich brach Tieck bei diesem Orakel in den Ruf aus : „Mensch, sag mal : Glaubst Du denn das wirklich alles ? !“ (Seiten 165/166)

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Die gern gerühmte `Religiosität unserer Romantiker` war überhaupt recht sonderbarer Art; und ihre `tiefe Frömmigkeit` nicht halb so kindlich, wie die interessierten Kreise es uns gern einreden möchten. (…)

A.: Als Tieck im Herbst 1086 aus Italien zurückkehrt, besucht er in Heidelberg auch Johann Heinrich Voß; und sagt wörtlich zu ihm . . .

C.: Einer meiner Hauptzwecke war Forschung der römisch=katholischen Religion. Sie erschien mir wie ein fast erstorbener Baum; aus dessen Wurzel jedoch, wenn sie gepflegt würde, ein neuer Baum ersteigen könnte, mit ursprünglicher Kraft ? – Ich habe geforscht : und faul war die Wurzel, bis hin zu den äußersten Fäserchen ! – (Seite 165)

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Siegmund labte sich an den abwechselnden Gestalten. Er stand oft still, und sah durch ein niedriges Fenster in die sparsam erleuchtete Stube, deren Schein so anlockend, und deren enge, von der Lampe schwarzgeräucherte Wände so abschreckend waren. Die Familien der Handwerker saßen um runde Tische, und verzehrten froh und lebhaft kauend, ihr Abendbrod. In anderen Stuben saß eine emsige Alte beim Haspel und zählte aufmerksam seine Umwälzungen, um morgen  ihr gesponnenes Garn abzuliefern.

Arno Schmidt: Ludwig Tieck (142) im Haffmans-Verlag

 

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Die Szene ist im Parterre, die Lichter sind schon angezündet, die Musiker sind im Orchester versammelt. – Das Schauspiel ist voll, man schwatzt durcheinander, mehr Zuschauer kommen, einige drängen, andre beklagen sich. Die Musiker stimmen.

Schlosser: Wenn ich meine rechte Meinung sagen soll, so halte ich das Ganze für einen Pfiff, Gesinnungen, Winke unter die Leute zu bringen. Ihr werdet sehen, ob ich nicht recht habe. Ein Revolutionsstück, soviel ich begreife, mit abscheulichen Fürsten und Ministern, und dann ein höchst mystischer Mann, der sich mit einer geheimen Gesellschaft tief, tief unten in einem Keller versammelt, wo er als Präsident etwa verlarvt geht, damit ihn der gemeine Haufe für einen Kater hält. Nun da kriegen wir auf jeden Fall tiefsinnige und religiöse Philosophie und Freimaurerei. Endlich fällt er als das Opfer der guten Sache. O du Edler! Freilich mußt du gestiefelt sein, um allen den Schurken die vielen Tritte in den gefühllosen Hintern geben zu können!

Fischer: Sie haben gewiß die richtige Einsicht, denn sonst würde ja der Geschmack abscheulich vor den Kopf gestoßen. Ich muß wenigstens gestehn, daß ich nie an Hexen oder Gespenster habe glauben können, viel weniger an den gestiefelten Kater.

https://www.projekt-gutenberg.org/tieck/kater/kater.html

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Gelesen von Katja Bürkle. BR 2019. Am Mikrofon war Judith Heitkamp, die sagt danke fürs Zuhören.

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Ich könnte auch sagen, ich wollte meine dramatische Novelle bevorworten, damit sie der Leser, oder ein edles Publikum so entgegen nehmen, daß höchst es die Geschichte selbst um so annehmlicher oder verständlicher finden, und sein Vergnügen daran sich heraus stellen möchte. – Es formirt sich bei uns nach und nach wieder ein solcher Kanzleistyl, der einem künftigen Gottsched von neuem zu thun geben wird, um ein einfaches gesundes Deutsch daraus wieder herzurichten.

https://gutenberg.spiegel.de/buch/die-vogelscheuche-7419/2

https://archive.org/details/schriften27tiecuoft/page/2

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Oft bin ich ganz verwirrt. Die Menschen um mich herum erblassen zu Schattenbildern, die wie wertlose Puppen auf und ab taumeln, und ein neues, farbiges Menschengeschlecht, von meiner Phantasie beordert, steigt aus dem Boden herauf, mich mit seinen erschreckten Augen anblickend.

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„Der Mensch wird geboren, ohne daß er es weiß. Seine innerlichen Gedanken „träumen“, äußerlich erzeugen sich indes andere Träume, die wir wiederum Taten nennen.“

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