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Posts Tagged ‘literaturkritik.de/’

Der Psychoanalytiker verspürt nur selten den Antrieb zu ästhetischen Untersuchungen, auch dann nicht, wenn man die Ästhetik nicht auf die Lehre vom Schönen einengt, sondern sie als Lehre von den Qualitäten unseres Fühlens beschreibt…. Hie und da trifft es sich doch, daß er sich für ein bestimmtes Gebiet der Ästhetik interessieren muß, und dann ist dies gewöhnlich ein abseits liegendes, von der ästhetischen Fachliteratur vernachlässigtes.

Ein solches ist das „Unheimliche“. Kein Zweifel, daß es zum Schreckhaften, Angst- und Grauenerregenden gehört, und ebenso sicher ist es, daß dies Wort nicht immer in einem scharf zu bestimmenden Sinne gebraucht wird, so daß es eben meist mit dem Angsterregenden überhaupt zusammenfällt. Aber man darf doch erwarten, daß ein besonderer Kern vorhanden ist, der die Verwendung eines besonderen Begriffswortes rechtfertigt. Man möchte wissen, was dieser gemeinsame Kern ist, der etwa gestattet, innerhalb des Ängstlichen ein „Unheimliches“ zu unterscheiden…

https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=974

bonanzamargot schreibt dazu und dem ist nichts hinzuzufügen:

ich schätze, wir sind vom unheimlichen umgeben und ausgefüllt. auch die ästhetik gehört dazu. ästhetik ohne das erschaudern existiert nicht. wir erschaudern vor phänomenen des lichts wie der dunkelheit.
das unheimliche verdrängen wir, um in einer selbstgeschaffenen blase des materialismus zu leben. das unheimliche macht uns angst, weil es nicht in wissen zu fassen ist, weil es uns keinen halt gibt. dabei ist es immer da – in der phänomenologie der dinge und erscheinungen. geist und psyche sind ganz und gar unheimlich. wer also die psyche erforscht, ohne sich mit dem unheimlichen des daseins auseinanderzusetzen, wird nur an der oberfläche kratzen.

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Mit dem Band „Ohne Umkehr“ veröffentlicht Günter Kunert weitere Notate aus seinem „BIG BOOK“ – diesmal ist die unmittelbare Gegenwart Hintergrund der Aufzeichnungen – Von Dietmar Jacobsen

Das BIG BOOK genannte Schreibprojekt Günter Kunerts ist eine Mischung aus Traumnotaten, Erinnerungssplittern, Erzähl- und Gedichtskizzen, Aphorismen und Aufzeichnungen zur Tagesaktualität. Kunert führt es seit mehr als vier Jahrzehnten und publiziert von Zeit zu Zeit Auszüge aus dem tagebuchähnlichen Vorhaben.- literaturkritik

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Für Aristoteles war er gut, sinnvoll, oft gerechtfertigt und gerecht – also durchaus zu begrüßen, wenn er sich im rechten Maß zeigte. Für Seneca war er abscheulich und eine richtige Krankheit: der Zorn. Martha Nussbaum zeigt in ihrem neuen Buch Zorn und Vergebung. Plädoyer für eine Kultur der Gelassenheit, dass man von Aristoteles und Seneca in puncto Zorn viel lernen kann. Beide haben Einfluss auf ihre eigene Kritik des Zorns. Mit Aristoteles nimmt sie an, dass Zorn angebracht und ein „Werkzeug der Gerechtigkeit“ sein kann. Mit Seneca teilt sie die Vorstellung, dass Sanftmut (clementia) doch besser als Zorn ist. Und mit beiden Vorläufern teilt sie den Abscheu vor der zerstörerischen Kraft und der verderblichen Wirkung des Zorns, vor seiner „sich selbst fortreißenden Aggressivität“…

Nussbaums Affektlehre beziehungsweise Zornkritik ist ausschließlich am Richtmaß der Vernunft orientiert. Sie zweifelt an keiner Stelle daran, dass „die Neigung zu Zorn und Rache […] tief in der menschlichen Psyche verwurzelt“ ist, sie überprüft und hinterfragt jedoch den Sinn und Zweck des Zorns mit vernünftigen und auch psychologisch fundierten Argumenten.- literaturkritik.de

 

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August Wilhelm Schlegel trat 1818 eine Professur an der im selben Jahr gegründeten Königlich Preußischen Rhein-Universität Bonn an. Seine Lehrtätigkeit dort war von beeindruckender Vielfalt. Er hielt nicht nur Vorlesungen über deutsche und englische Literatur, sondern auch über die romanischen Literaturen, über Sprache und Literatur des Sanskrit, über Theorie und Geschichte der bildenden Künste und – nicht zuletzt – auch über Weltgeschichte und Alte Geschichte. Als Historiker wurde Schlegel jedoch bisher kaum wahrgenommen, obwohl er seine Bonner geschichtswissenschaftlichen Vorlesungen in regelmäßigen Abständen anbot und diese, wie die erhaltenen Inskriptionslisten in der Sächsischen Landesbibliothek zeigen, durchaus gut besucht waren, ja man kann mit Frank Jolles „von eine[r] außerordentlich erfolgreiche[n] Lehrtätigkeit“ sprechen. Zu Schlegels Hörern gehörten nicht nur angehende Historiker, Philologen und Philosophen, sondern stets auch angehende Theologen und Juristen. Die Inskriptionsliste seiner Vorlesung zur Einleitung in die allgemeine Weltgeschichte vom Sommersemester 1821 nennt sogar zukünftige Mediziner und Pharmakologen als Hörer.- literaturkritik

 

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Ein Bild- und Studienband zu Otto Freundlich, dem europäischen Pionier der ungegenständlichen Kunst

Im Kölner Museum Ludwig ist sie bereits zu Ende gegangen, im Kunstmuseum Basel wird sie bis 10. September gezeigt – die große Otto-Freundlich-Retrospektive „Kosmischer Kommunismus“, die erstmals eine umfassende Betrachtung dieses so innovativen Künstlers und europäischen Pioniers der ungegenständlichen Kunst ermöglicht. Sein visionärer Geist und sein tragisches Schicksal lassen wohl niemanden unberührt.

Welche Erkenntnisse vermitteln uns Otto Freundlichs Leben und Werk? Der 1878 in Stolp (heute Slupsk, Polen) Geborene war zunächst ein geistiger Schüler der Künstlergruppierungen „Der Blaue Reiter“ und „Die Brücke“, er ordnete aber stets die dekorativen den expressiven Aspekten unter. Von Beginn an pflegte er Kontakt zur Berliner Bohème um den vielseitigen Herwarth Walden, in dem er einen Geistesverwandten sah.- Literaturkritik

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Die Geschichte ist eine Erfindung, zu der die Wirklichkeit ihre Materialien liefert. Aber sie ist keine beliebige Erfindung. Das Interesse, das sie erweckt, gründet auf den Interessen derer, die sie erzählen; und sie erlaubt es denen, die ihr zuhören, ihre eigenen Interessen, ebenso wie die ihrer Feinde, wiederzuerkennen und genauer zu bestimmen. – (Hans Magnus Enzensberger: Der kurze Sommer der Anarchie)

Als im Jahr 1999 bei dem renommierten italienischen Verlagshaus „Einaudi“ in der Reihe „Stile Libero“, einer Verlagsreihe für junge und bis dato wenig bekannte Autoren, ein historischer Roman über die Reformationszeit in Deutschland unter dem kryptischen Titel Q erschien, mochte sich der ein oder andere italienische Fußballfan mittleren Alters leicht gewundert haben, führt das Cover doch einen „Luther Blissett“ als Autor an, an den man sich höchstens noch als glücklosen Stürmer der Saison 83/84 des Berlusconi-Klubs AC Mailand erinnern konnte, der weder als überragender Fußballspieler noch als besonders wortgewandter Redner aufgefallen wäre.- literaturkritik.de

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Jürgen Born analysiert in seinem jüngsten Buch Franz Kafka oder Die Magie einer Prosa, Kafkas Poseidon-Parabel. Der Meeresgott sieht in diesem Text aus dem Jahre 1920 seine Aufgabe, die doch eigentlich die ist, die Meere zu „beherrschen“, allein darin, Berechnungen über diese Meere anzustellen. Anstatt die Meere zu erleben und, wenn es sein muss, sie mit seinem Dreizack zu bändigen, sitzt er „in der Tiefe des Meeres“ an einem Arbeitstisch und rechnet. Er wird zu einem Sisyphus und verkehrt seine ursprünglich „freie und souveräne“ Existenz in das Gegenteil.- literaturkritik

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Eine lebensgeschichtlich orientierte Biografie und ein Sendschreiben aus dem Totenhaus widmen sich dem Phänomen Fallada – Von Heribert Hoven

Was begründet eigentlich das wachsende Interesse am Leben von Rudolf Ditzen (1893–1947), der sich als Schriftsteller Hans Fallada nannte und über den nun nach zahlreichen biografischen Studien eine weitere umfangreiche Biografie erschienen ist? Dabei garantiert seine Etikettierung als Erfolgsautor keineswegs auch literarische Qualität. „Ich bin in die seichte Unterhaltung abgesackt“, vertraut er selbstkritisch seinem Tagebuch an. Tatsächlich wurden seine Werke oft zunächst als Fortsetzungsromane in Tageszeitungen veröffentlicht. Sein größter Erfolg zu Lebzeiten, Kleiner Mann – was nun? aus dem Jahr 1932, schrammt hart am Kitsch vorbei, ist über weite Strecken Betroffenheitsprosa, die zu Tränen rühren soll. Erst in letzter Zeit wertet die Wissenschaft, die Fallada viele Jahre ignorierte, Teile seines Werkes als Ausdruck „der Ästhetik der literarischen Moderne“

http://literaturkritik.de/id/23155

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Ist vom „Unheimlichen“ die Rede, wird ein ebenso breites wie diffuses semantisches Feld aufgerufen. Horror, Schauer, Schrecken, allerlei Spukhaftes und Gespenstisches, aber auch Fremdheits- und Entwurzelungserfahrungen sind mit diesem allgemein gebräuchlichen und dennoch schwer fassbaren, sich stets entwindenden und doch beständig wieder auftauchenden – und dadurch gewissermaßen selbst unheimlichen – Begriff verbunden, der sich in der Nachbarschaft zum Phantastischen, Grotesken, Numinosen oder Erhabenen bewegt und rege Austauschbewegungen mit diesen Bereichen unterhält.

Einer der ersten Autoren, dessen unheimliche Geschichten ein breites Publikum erreichten, war Horace Walpole, der vor allem für seine gothic novel „Das Schloß Otranto“ (1764) berühmt wurde. Zahlreiche Adepten schlossen sich seinem Beispiel an und bereiteten ihren Rezipienten mit einem Konglomerat aus unheimlichen Gestalten, Orten und Begegnungen bald wohliges, bald verstörendes Unbehagen. Vom Schauerroman der Spätaufklärung über die „Schwarze Romantik“ und die Klassiker der literarischen Phantastik bis hin zu modernen Horrorproduktionen in der Literatur und in audiovisuellen Medien hat das Unheimliche nichts von seiner Faszinationskraft verloren.- literaturkritik.de

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