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Posts Tagged ‘Lesebuch’

Vor 50 Jahren erschien eines der erstaunlichsten Bücher, die die Welt je gesehen hat: Zettel’s Traum von Arno Schmidt. Das Buch war mit 1335 DIN A3 großen Seiten nicht nur ungewöhnlich umfangreich, sondern der Text war auch nicht gesetzt worden; stattdessen bekam der Leser eine Reproduktion des Typoskripts des Autors inklusive Streichungen und handschriftlichen Korrekturen. Blätterte man in das Buch hinein, machten die meisten Seiten einen recht unordentlichen Eindruck: Der Text sprang von einem Rand der Seite zu anderen, um ihn herum fanden sich zusätzliche kleine Textblöcke, die sich mal besser mal schlechter auf den breiten Haupttext beziehen ließen; hier und da …

Arno Schmidts Zettel’s Traum. Ein Lesebuch

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Hier die einfachste Fassung, auf die ich seine Absicht bringen kann:

Wenn man in Europa einen Menschen auffordert, etwas zu definieren, entfernt sich seine Definition immer mehr von den einfachen, ihm vertrauten Dingen; sie entweicht in eine unbekannte Region, in eine Region abgelegener und immer weiter abgelegener Abstraktion.

Fragt man ihn also, was rot ist, so sagt er, es ist eine „Farbe“.

Fragt man ihn, was eine Farbe ist, so erklärt er, es sei eine Schwingung oder eine Brechung des Lichts oder ein Teil des Spektrums.

Fragt man ihn, was eine Schwingung ist, so sagt er, es sei eine Erscheinungsform der Energie oder etwas Derartiges, bis man schließlich zu irgendeiner Modalität des Sein oder Nicht-Seins gelangt und den Boden unter den Füßen verliert; jedenfalls er. – Lesebuch

https://daowegblog.wordpress.com/2020/02/12/ezra-pound-das-chinesische-schriftzeichen-und-die-folgen-fenollosas-essay-war-seiner-zeit-vielleicht-zu-weit-voraus-um-ohne-weiteres-verstanden-zu-werden/

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Ich glaube, wir sind der Verherrlichung der tatkräftigen Dummheit allmählich leid. Die Kunst des Dummen, von Dummen, für die Dummen ist nicht all-genügend. Whistler war der erste Mensch, der erste Maler wenigstens, der im vorigen Jahrhundert zu verstehen gab, dass der intelligente und nicht nur der gänzlich schimmerlose und ungebildete Mensch ein Anrecht auf Kunst hätte …

Nach einer unausstehlichen Generation finden wir wiederum dieses Erwachen nicht an einem Ort bloß, an vielen. Wyndham Lewis, James Joyce. T.S. Eliot, sie alle beweisen einzeln und von sich aus, dass ein gewisses Maß an Verstand, Bildung, Aufgeklärtheit den Menschen nicht unbedingt die künstlerische Gestaltungskraft kosten muß …

De Quincey schreibt von dem „Wunder“, das vollbracht werden kann, „wenn nur ein Mensch etwas lebhafter empfindet, inniger kennt, als irgend jemand es zuvor empfunden oder gekannt hat.“ Ein solches Wunder hat sich in unserer Umgebung ereignet.

Ich glaube schon, dass auf diese Weise viele Wunder an den wenigen vollbracht wurden. Ich staune immer wieder über die Kärglichkeit der menschlichen Begabung zum Leben, über die Vielzahl der Dinge, welche die Menschen so bereitwillig in ihrem Dasein missen. – Von Eva Hesse – Lesebuch – Arche

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