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Posts Tagged ‘Kurt Tucholsky’

Peter Panter, Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Kaspar Hauser: Unter vier Pseudonymen schrieb Kurt Tucholsky als scharfzüngiger und hellsichtiger Beobachter der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Weimarer Republik. Bayern 2

Tucholskys Lebensweg zeigt ihn als einen kritischen und pazifistischen, vor allem aber humanistischen und undogmatischen Menschen und Schriftsteller, der mit seinem vielseitigen Werk durch Satire, Humor, pointierte Verse und Texte gegen die zerstörerischen geistigen und politischen Entwicklungen seiner Zeit geschrieben hat.

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»Mein Sohn lernt einsiedeln«, sagte Herr von Kügelgen zu mir, »weil er menschenscheu ist und die Welt verachtet. Er lebt jetzt auf ›Solitaire‹. Sie sollten sich das ansehen.«

Wirklich: ich sollte mir das ansehen. Und ich setzte mich in Herrn von Kügelgens Landauer, die Dorfhunde kläfften, und wir fuhren über Berg und Tal – zum ›Solitaire‹.

Es öffneten sich die großen Parktore; von selbst öffneten sie sich, als der Kutscher nur ungeduldig davor mit der Zunge schnalzte, und über den steinigen Sand knirschte die Karosse. Wir fuhren ein. Ernst und still standen die Bäume da, aber kein Mensch war zu sehen. Noch ein Weilchen – und da war das Gebäude. Ich stieg aus.

Ein riesiger, würdevoller Portier begrüßte mich mit strafendem Blick; er hatte einen langen Stock mit rötlich goldenem Knopf und ebensolche Nase: ein Trinkgelderpatriarch von hieratisch königlichem Gestus. Er geleitete mich in die innern Räume, mit fürstlicher Herablassung half er mir aus meinem Überzieher, noch immer sprach er nicht …,… textlog.de/tucholsky

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Kurt Tucholsky will „mit der Schreibmaschine Dummheit, Krieg und Nazis bekämpfen“ und schlägt dabei auch auf die Kirchen ein. Dass sein Engagement wirkungslos bleibt, führt ihn in die Einsamkeit. Spiegelt sich in seinen existenziellen Grübeleien eine religiöse Sehnsucht?

„PARK MONCEAU
Hier ist es hübsch, hier kann ich ruhig träumen
Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist
Hier darf ich links gehen. Unter grünen Bäumen
sagt keine Tafel, was verboten ist
Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen
Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus
Ich sitze still und lasse mich bescheinen
und ruh von meinem Vaterlande aus.“

Man hätte Kurt Tucholsky mehr solcher Augenblicke gewünscht – Augenblicke der Zufriedenheit – Von Burkhard Reinartz – DLF

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Kurt Tucholsky

Nicht ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut „Nein“ zu sagen.

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Nach wie vor gibt es im deutschen Strafgesetzbuch den Blasphemie-Paragraphen 166, nur wird er kaum mehr angewandt. Das war vor 130 Jahren anders: Damals wurde der Dichter Oskar Panizza wegen seines Theaterstücks „Das Liebeskonzil“ für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt.

(Ausschnitt Hörbuch:) „Es wird also gut sein, wenn das Publikum, der Reichstag, die Minister, die Fürsten, der Kaiser, der Staatsanwalt unsere Dichtungen als das hinnehmen, was sie sind: eine von Gott gewollte Sache. Zürich, den 4. September 1897. Hochachtungsvoll, Oskar Panizza, Dichter von Gottes Gnaden.“

Gerade hatte der Schriftsteller und Satiriker Oskar Panizza eine einjährige Haftstrafe verbüßt. Der Grund: Autorenschaft eines blasphemischen Theaterstücks. Und schon hat er die Stirn, im Vorwort zur dritten Auflage das Gottesgnadentum für sich in Anspruch zu nehmen. Das zeigt, wie entschlossen Panizza in seiner religionskritischen Haltung war.- deutschlandradiokultur

Kurt Tucholsky unterstellte seinem Vorbild Panizza vor allem humanistische Beweggründe:

„Er hat Gott gelästert, aber aus einer tiefen Liebe zu jenem anderen Ding heraus, das die Besten aller Zeiten im Herzen trugen, und das keinen Namen hat.“

Besten Dank an Magister Somnus für diesen, hörenswerten, Hinweis:

http://www.br.de/service/suche/index.html?query=Oskar+Panizza+Das+Liebeskonzil+%282%2F2%29

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Kurt Tucholsky: Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!“ Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist.

Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.

Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.

Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese bürgerliche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird.- wikisource.org/

Vorhin hörte ich Achim Greser im Gespräch mit Thielko Grieß (Deutschlandfunk) – 

KARIKATURISTEN NACH DEM ANSCHLAG Ein Gefühl des „jetzt erst recht“

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