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Posts Tagged ‘Kitaro Nishida’

Wahre religiöse Erleuchtung ist weder ein auf dem Denken gründendes abstraktes Bewusstsein noch ein blindes Gefühl; sie ist das Selbsterfassen der tiefen Einheit, die dem Wissen und dem Willen zugrunde liegt. Aber das meint eben eine Art intellektueller Anschauung. Ein tiefes Sich-Bemächtigen des Lebens. Daher kann keine Klinge der Logik sie verletzen; daher kann kein Begehren sie bewegen. Sie ist die Basis aller Wahrheit und Erfüllung.

Insel Taschenbuch 2001

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Wahre religiöse Erleuchtung ist weder ein auf dem Denken gründendes abstraktes Bewusstsein noch ein blindes Gefühl; sie ist das Selbsterfassen der tiefen Einheit, die dem Wissen und dem Willen zugrunde liegt. Aber das meint eben eine Art intellektueller Anschauung. Ein tiefes Sich-Bemächtigen des Lebens. Daher kann keine Klinge der Logik sie verletzen; daher kann kein Begehren sie bewegen. Sie ist die Basis aller Wahrheit und Erfüllung.

Über das Gute, Eine Philosophie der Reinen Erfahrung. Seite 68 – Insel

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Wenn wir unser subjektives Selbst gegen die objektive Welt stellen, um diese zu vereinheitlichen, kann das subjektive Selbst, so groß es auch sein mag, der seiner relativen Einheit nicht entfliehen. Absolute Einheit stellt sich erst ein, wenn es seine subjektive Einheit gänzlich von sich wirft und in der objektiven Einheit aufgeht. Die Einheit des Bewusstseins ist eine notwendige Voraussetzung für dessen Konstitution und zugleich dessen ursprüngliches Bedürfnis. Ein Bewusstsein ohne Einheit gleicht einem Nichts. Bewusstsein entsteht aus dem Gegensatz seiner Inhalte; je vielfältiger seine Inhalte sind, einer desto größeren Einheit bedarf es. Der vollkommenste Zustand dieser Einheit ist die sogenannte Realität. Wenn in dieser Einheit Subjekt und Objekt miteinander verschmelzen, ist der Endpunkt erreicht.

Dabei existiert die objektive Realität nicht losgelöst vom subjektiven Bewusstsein; sie ist das Resultat der Bewusstseinseinheit, in dem jeder Zweifel an sich verzweifelt und die Suche keinen Weg mehr findet, der sie weiterführen könnte. Überdies ist jener Gipfelpunkt der Bewusstseinseinheit, d.h. der Zustand der Einheit von Subjekt und Objekt nicht nur das ursprüngliche Bedürfnisziel des Bewusstseins, sondern der ursprüngliche Zustand des Bewusstseins selbst.

Etienne Bonnot de Condillac (1715-1780) sagte, Wenn wir das Licht sehen, sehen wir das Licht eigentlich nicht, sondern sind das Licht selbst. Die ersten Empfindungen eines Säuglings sind alle das Universum selbst. In diesem Status sind Subjekt und Objekt noch ungetrennt … (192/193)

– insel taschenbuch 2001

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Wir sollten nach Religion nicht des Friedens unseres Selbst suchen, denn dieser Friede ist nur eine Folge der Religion; das religiöse Bedürfnis ist ein großes Bedürfnis des Lebens, das nicht unterdrückt werden kann, selbst wenn wir es unterdrücken wollen. Es ist das Bedürfnis eines rigorosen Willens. Die Religion ist das Ziel des Menschen überhaupt und keinesfalls ein Mittel für andere Zwecke.

Wenn, wie die voluntaristische Psychologie* behauptet, der Wille die Grundfunktion des Geistes ist und alle geistigen Phänomene die Form des Willens haben, dann ist unser Geist ein Bedürfnissystem – und das stärkste Bedürfnis, das das Zentrum dieses Systems bildet, ist unser Selbst. Das, was von diesem Zentrum her alle Phänomene vereinheitlicht, d.h. das, was das Selbst erhält und entfaltet, ist unser geistiges Leben. Solange diese Vereinheitlichung voranschreitet, solange leben wir. Wird sie unterbrochen, ist es, als wären wir geistig tot, selbst wenn unser Körper noch weiterlebt. (191/192)

*Voluntaristische Psychologie oder auch Voluntarismus. Psychische Erlebnisse sind keine Ereignisse, sondern Ergebnisse von Willenshandlungen.

Eine Philosophie der Reinen Erfahrung – insel taschenbuch

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Das Religiöse Bedürfnis richtete sich auf das Selbst …

Es ist ein Bedürfnis, das in der Erkenntnis der Relativität und Endlichkeit unseres Selbst durch die Verschmelzung mit einer absoluten und unendlichen Kraft  das ewige, wahre Leben zu erlangen sucht…

Wahre Religion fordert, dass das Selbst ein anderes wird; wahre Religion fordert  die Erneuerung des Lebens … Wer auch nur einen Rest von Glauben an das eigene Selbst in sich trägt, ist noch  nicht erfüllt vom Geist der wahren Religion.

Von denen, die um weltlichen Gewinn zu Gott beten, brauchen wir erst gar nicht zu reden, aber auch denen, die zu Buddha nur beten, um in sein Paradies aufgenommen zu werden, ist der Geist der wahren Religion noch fremd. Daher heißt es auch im Tannisho: „Auch wer sich um seine Wiedergeburt im Paradies bemüht und das nembutsu (Gebet um Erlösung) betet, vertraut noch auf die Erlösung auf sich selbst.“

Eine Philosophie der Reinen Erfahrung – insel taschenbuch

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In welcher Form existiert Gott? Einerseits ist er, wie Nicolaus Cusanus gesagt hat, die Negation von allem. Was man positiv bestimmen und erfassen kann, ist nicht Gott. Was man erfassen kann, ist immer schon endlich und kann nicht die das Universum vereinheitlichende unendliche Funktion sein.

Von diesem Punkt her betrachtet, ist Gott absolutes Nichts. Aber das bedeutet nicht, dass Gott nur Nichts ist. Dem Entstehen der Realität liegt offensichtlich eine unverrückbare Einheitsfunktion zugrunde; die Realität verdankt ihr wirklich ihr Entstehen …

Betrachten wir ein berühmtes Bild, so sehen wir, das sein Ganzes auf einen empfänglichen Menschen überweltlich und ätherisch wirkt; suchen wir aber den Grund dafür in seinen einzelnen Gegenständen und Szenen, sind wir außerstande, etwas Entsprechendes zu finden. – In diesem Sinne ist Gott die Einheit des Universums, der Ursprung der Realität.

Nur weil er auch Nichts ist, gibt es keinen Ort, wo er nicht ist und nicht wirkt.

Kitaro NishidaÜber das Gute – Eine Philosophie der Reinen Erfahrung – Insel 2001

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