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Posts Tagged ‘Karl Heinz Bohrer’

Merkur, Nr. 425, März 1984 – Auszug. (Viel hat sich ja nicht getan!?) – 

Ein Schlußbild: Wenn früher Träger höchster Ämter sich unter die karnevalsseligen Scharen mischten, dann war die Mimikry, die lächelnde Distanz zwischen Staatssymbolik und den Ritualen des Volkes zu erkennen. Wer Sinn für solche Zeichensprache besitzt, der hat gelernt, daß nunmehr zwischen Sektvertretern und Staatsvertretern keine symbolische Distanz mehr deutlich wird: Man ist im schunkelnden Milieu unter sich. Es sind die einzigen Rituale, die man beherrscht. Man empfindet das als Beispiel für Volksnähe…

Karl Heinz Bohrer: Die Unschuld an die Macht! Folge 1

https://www.merkur-zeitschrift.de/2018/01/30/video-gustav-seibt-im-gespraech-zweite-lesung/

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Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 488 – Von Armin Thurnher 

Heute setze ich die Berichte aus meinem Leben mit dem ORF aus. Karl Heinz Bohrer ist gestern gestorben. Ein schwieriger Schriftsteller, ein bedeutender Intellektueller, sperriger Denker, Freund Ulrike Meinhofs, als Literaturchef der Frankfurter Allgemeinen Vorgänger Marcel Reich-Ranickis, Universitätslehrer… cms.falter.at

»Ab und zu, aber regelmäßig, kam ein schweigsamer Schriftsteller in die Redaktion. Er besuchte vor allem Anneliese Ruppel, Ruppeline, die mit einem enormen Mundwerk begabte Sekretärin, intelligent, völlig respektlos, hessisch. Meinen auf Abgehobenheit hinauslaufenden Ton hatte sie eines Tages mit der Zigarettenmarke »Lord Extra« etikettiert. Der Schriftsteller hatte eine eigentümliche Angewohnheit. Er sagte nicht viel, außer einem Satz: „Könnten wir nicht eine Rindswurst essen gehen?“ Damit zielte er auf die scharfe Mettwurst in der Kantine. Beim ersten Mal wusste ich nicht, wer er war, und fragte beim nächsten Mal Ruppeline, wie er denn heiße: „Das ist der Österreicher Thomas Bernhard.“ Ich war baff. Er hatte kürzlich den Büchner-Preis bekommen. Warum dieser große Schweiger ausgerechnet mit mir immer die Rindswurst essen gehen wollte, ist nie geklärt worden.

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Der Publizist Karl Heinz Bohrer ist im Alter von 88 Jahren in London gestorben. Als Journalist und Autor zahlreicher Bücher war er eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen in Deutschland, wobei er stets auch von außen auf das Land schaute.

Der Literaturwissenschaftler, Essayist und Journalist Karl Heinz Bohrer ist tot. Er starb am Mittwoch in seinem Wohnort London im Alter von 88 Jahren, wie der Suhrkamp Verlag mitteilt.

Bekannt wurde Bohrer vor allem als Herausgeber und Autor der Kulturzeitschrift „Merkur“ zwischen 1984 und 2011. Sein Text „Die Ästhetik des Staates“ war 1984 Auftakt einer Reihe scharfer Glossen über die Bundesrepublik unter dem Kanzler Helmut Kohl. Für Bohrer herrschten in dieser Zeit Provinzialität und Konformismus in einem Land „ohne Ästhetik“. DLF Kultur

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10 VOR 11 VOM 31.07.2017 – Im Sommer 1967, als nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg der studentische Protest um sich griff, war der Literaturwissenschaftler K. H. Bohrer Chef des Literaturblattes der FAZ. Als einer der Ersten befragte er die Studentenführer. Ausgesandt von einem konservativen Blatt bewegte er sich als Zeitzeuge mit größter Neugierde unter den studentischen Aufrührern. Immer im Disput mit seinem damaligen Freund Jürgen Habermas, der die reformerischen Ansätze der Protestbewegung favorisierte.

K.H. Bohrer dagegen interessierten die Plötzlichkeit und der enthusiastische Ereignischarakter des Aufbruchs. Er stellt jene Monate von vor 50 Jahren in den weiteren Zusammenhang der Revolutionen seit 1789 und den der Kategorie der Plötzlichkeit. Sein Buch, das er als Zeitzeuge und Literat verfasste, hat den Titel „Jetzt“. – dctp.tv

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Im Rahmen eines Internationalen Symposiums des Instituts für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Bonn zum Thema Engagement. Konzepte von Gegenwart und Gegenwartsliteratur sprach Karl Heinz Bohrer zum Thema „Stil treibt Gesinnung aus. Heinrich Heines politische Prosa“.

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Es war bei Beginn nicht absehbar, in welch scheußlicher Form der Titel dieser Typologie veranschaulicht werden würde: die dumme Unschuld vom Lande und der schlaue Zombie – ein geradezu unerschöpflicher Stoff für die politische Moritat! Inzwischen spielt jedermann die Lächerlichkeiten von Bonn nach. Der Provinzialismus, das Zurück in das geistige Schunkelmilieu ist deshalb nicht aufgehalten worden, ganz im Gegenteil. Ein gewisses spätes Moralisieren über die offen gelegte Korruption an der Spitze beweist, daß die Unschuld vom Lande wohl recht behält mit ihrer Bemerkung, sie sei ein guter, typischer Deutscher.- Teil 3 und Schluß

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Der Name Zombie stammt aus der Voodoo-Sprache. Zu uns kam er weniger durch populär gewordene Gelehrsamkeit westindische Rituale betreffend, als vielmehr durch eine bestimmte Unterabteilung des Horrorfilms. Seitdem weiß man, was Zombies sind: »Untote«, aus dem Grab Zurückgekehrte, zu einem marionettenhaften Leben erweckte Leichen, die wie Roboter zu allen möglichen Arbeiten eingesetzt werden können. Experten beschreiben sie als »schwerfällig, apathisch«, mit einem »stark verminderten Schmerzempfinden«.

Das Auffällige am Zombie, trifft man ihn in unseren Breiten, ist seine Unauffälligkeit, seine extreme Mittelmäßigkeit. Kein Zufall scheint es daher zu sein, daß er, obwohl in allen Lebensbereichen und Parteien anzutreffen, dort am häufigsten zu finden ist, am besten zu gedeihen scheint, wo das Mittlere, das Mittelmäßige und Mittelständische zum Thema erhoben wurde: merkur-zeitschrift.de

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Louis Philippe, der Bürgerkönig der Franzosen von 1830 bis 1848, wurde historisch erinnert durch zwei Merkmale: eine birnenförmige Erscheinung und einen an die Bourgeoisie gerichteten Ausspruch: »Enrichissez-vous!« – Bereichert euch! Die »Birne« und das Juste-milieu des sich liberal nennenden Vormärz sind als Inbild einer unrühmlichen Prosperität in der historischen Erinnerung eins. Daß die Mehrheit der einfachen Zuschauer die Groteske des derzeitigen Kanzlers der Westdeutschen offenbar nicht als Groteske wertet, ist nur ein weiterer Beleg für das Phänomen, das über Nacht, aber lang vorbereitet, auftauchte: Eine neue Staatssymbolik gilt es zu betrachten und zu benennen: Wir sprechen nicht von dem einen Mann, sondern von dem ganzen Schauspiel, den weiteren Hauptrollen, niederen Chargen und vor allem auch von dem dieses Stückchen gemütlich wiederkäuenden Publikum….,… merkur-zeitschrift

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