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Posts Tagged ‘Hans-Joachim Lenger’

„Der kommende Faschismus, der „Faschismus“ nicht mehr genannt werden kann, nimmt so jene Gestalt an, nach der in den 70er Jahren noch gefragt wurde. Nicht länger ist er hierarchisch, zentralisiert und durch offenen Terror gekennzeichnet. Viel eher ist er gasförmig, ungreifbar, doch umso allgegenwärtiger. Er bewegt sich im Fluidum von „Wahrheiten“, die er selbst generiert und wahr werden lässt. Nicht länger bedarf er noch der Direktive eines Propagandaministers, der diktatorisch in die Programme hineinregiert. In gewisser Weise ist er ein Automat. Immer durchläuft er bereits die Subjekte, die meinen, an seinen Schalthebeln zu sitzen, um das Schlimmste zu verhüten. Denn in jeder Pore sind sie selbst von einem Konformismus beherrscht, der sich im Selbstverständlichen eingerichtet hat und fanatisch dafür einsteht, Selbstverständlichkeiten zirkulieren zu lassen.“

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Die HFBK trauert um einen langjährigen und hochgeschätzten Professor, Philosophen und Freund. Hans-Joachim Lenger hat von Beginn seiner Tätigkeit an der Hochschule im Jahr 1983, den philosophischen Diskurs über das, was Kunst ist, sein kann und soll, mit Nachdruck vorangetrieben und von einem kritischen, politischen Standpunkt aus reflektiert.

So hat er in den 1990er Jahren als verantwortlicher Redakteur der „Spuren. Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft“ wichtige Akzente über die Hochschule hinaus getragen. Er hat den Promotionsstudiengang maßgeblich mitentwickelt und schließlich das Graduiertenkolleg „Ästhetiken des Virtuellen“ konzipiert und geleitet. Folgerichtig hat er sich auch in die Hochschulpolitik eingebracht, an der Profilierung der Hochschule mitgewirkt und sich regelmäßig publizistisch mit Beiträgen in verschiedenen Medien u.a. im Hochschulmagazin Lerchenfeld oder im von ihm mitbegründeten agoradio zu Wort gemeldet.

Sein Tod ist ein großer Verlust für Kolleg*innen, Promovend*innen und Studierende.

Wahrscheinlich die letzte aufgezeichnete Sendung mit ihm und hoffentlich nicht die letzte des agoradio: Zur Wahrheit der Kunst
Sendung vom Februar 2019 – http://agoradio.de/index.html

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Die fünfzigste Sendung von agoRadio, die wir hier ausstrahlen, sollte besonderer Aufmerksamkeit eigentlich nicht wert sein. Jubiläen umweht stets ein trüber Muff. Und doch, wir geben zu, dass auch wir uns der magischen Zahl „50“ nicht ganz entziehen konnten und deshalb verabredeten, die folgenden zwei Stunden anders zu nutzen als in den vergangenen Sendungen. Wir erlauben uns, was wir unter uns ein „Freispiel“ nannten: Jene, die in den vergangenen Jahren mit einer gewissen Regelmäßigkeit zu diesem Programm beigetragen haben, sollten ein Thema ihrer Wahl behandeln können. Vielleicht fehlt es dieser Sendung deshalb an Kohärenz und Geschlossenheit, an möglichen Sperrigkeiten eher nicht.

Einzelne Beiträge:

Harald Strauß: 50 Zumutungen und Mitteilungen

Nicola Torke: Die Zeichung hat das Wort. Über Andrea Tippel

Mareike Teigeler: Das kulturpolitische Dilemma

Hans-Joachim Lenger: Öffentlichkeit, Faschismus

Benjamin Sprick: Der universelle Verzerrer

David Wallraf: Eine Fahne wird gehisst

 Manuskripte zum Download:

50 Zumutungen

Die Zeichnung hat das Wort

Das kulturpolitische Dilemma

Öffentlichkeit, Faschismus

Der universelle Verzerrer

 An dieser Sendung haben mitgewirkt: Hans-Joachim Lenger, Benjamin Sprick, Harald Strauß, Mareike Teigeler, Nicola Torke und David Wallraf

http://agoradio.de/-sendungen/2018-4/2018-4-13.html

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Die Situation ist paradox. Kaum jemand, der heutzutage nicht gegen den Kapitalismus wäre. Doch zugleich weiß kaum noch einer, was das überhaupt ist. Dass irgendetwas grundsätzlich nicht stimmt, sagt den meisten zwar ihr Gefühl. Doch wie reflexhaft nicken sie dann, sobald ihnen eine sogenannte Lohnzurückhaltung abverlangt wird, um das „Wachstum“ nicht zu gefährden. Und verdruckst applaudieren sie, wenn eine Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden soll, die hierzulande doch grenzenlos genug ist, um das Ausland in Grund und Boden zu konkurrieren und Deutschland immer neu als „Exportweltmeister“ bewundern zu können. Allenthalben feiert der ökonomische Analphabetismus Urständ, und dies dürfte kalkuliert sein. Denn wer nicht weiß, was mit ihm getrieben wird, hat kaum Möglichkeit zur Gegenwehr. Deshalb buchstabieren wir in sechs Stichworten die „blinden Flecken der Ökonomie“ – von „A“ wie „Arbeit“ bis zu „W“ wie Wachstum. Den Reigen jedoch eröffnet eine bemerkenswerte Betrachtung, die der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn vor einigen Monaten in der ZEIT veröffentlicht hatte, um Karl Marx dafür zu loben, ein bedeutender „Makroökonom“ gewesen zu sein. Wie sehr die Zeichen auf Sturm stehen, lässt sich eben auch an kleinen Interventionen wie dieser erkennen. Zur Sendung… – 

Beiträge:

Hans-Joachim Lenger: Gefährlicher Unsinn

Harald Strauß: Die blinden Flecken der Ökonomie

Manuskripte zum Download:

Klicke, um auf sinn.pdf zuzugreifen

Klicke, um auf blinde%20flecken.pdf zuzugreifen

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Von Hans-Joachim Lenger.

Einleitung: Zur Kritik der Gewalt gibt es beständigen Anlass, nicht erst nach Ereignissen wie dem Treffen der G20 in Hamburg. Diese Kritik widersetzt sich den Regimes, die die Intensitäten des Politischen einer Logik von Verwaltung und Polizei überantworten wollen, um als „Postdemokratie“ zum Gesetz des Handelns zu werden. Sie widersteht deshalb dem abstrakten Imperativ, der eine pauschale Distanzierung von jedweder Gewalt zur Voraussetzung machen will, um überhaupt noch das Wort ergreifen zu dürfen. Nie nämlich erfinden die Unterworfenen die Gewalt; stets finden sie sie vor. Wie also sollten sie sich „distanzieren“ können, wo sie ihr täglich ausgesetzt sind? Dies nicht erst da, wo die Systeme, in ihren Peripherien, die ökonomische Gewalt mit der militärischen verschränken und die Zahl ihrer Opfer in immer neue Höhe treiben. Subtil nistet die Gewalt bereits in Strukturen, deren Rechtsordnung zum Schweigen nötigt, was in deren Idiom nicht zur Sprache kommen kann. Eine Kritik der Gewalt sucht deshalb die Bruchstellen auf, an denen die Verfügungen des Rechts ein solches Schweigen erzwingen wollen und beständig erneuern. Deshalb sind dieser Kritik die Beziehungen zentral, die zwischen der Gewalt und der Sprache bestehen. Keineswegs legitimiert sie den sprachlosen Gewaltexzess, der selbst zum Teil einer herrschenden „Eventkultur“ wurde, wenn er Figuren einer Selbstermächtigung feiert, die sich an sich selbst berauscht. Zu keinem Zeitpunkt vergisst eine Kritik der Gewalt, was sie Walter Benjamin verdankt: „dass es eine in dem Grade gewaltlose Sphäre menschlicher Übereinkunft gibt, dass sie der Gewalt vollständig unzugänglich ist: die eigentliche Sphäre der ‚Verständigung‘, die Sprache.“

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Sprecher: „Nicht alle sind im selben Jetzt da. Sie sind es nur äußerlich, dadurch, dass sie heute zu sehen sind. Damit aber leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. Sie tragen vielmehr Früheres mit, das mischt sich ein. Je nach dem, wo einer leiblich, vor allem klassenhaft steht, hat er seine Zeiten. Ältere Zeiten als die heutigen wirken in älteren Schichten nach; leicht geht oder träumt es sich hier in ältere zurück.“ (104)

Autor: So schreibt Ernst Bloch 1935 über ein Gestern im Heute, das sich unversehens re-inszeniert, um reaktionär auszuschlagen. Vor kurzem nannte man die Rechtsradikalen, die Faschisten noch die „ewig Gestrigen“. Ganz so, als seien sie nie in einer Gegenwart angekommen, die „unsere“ ist, so als seien sie Relikte einer Vergangenheit, die von allein vergeht. Mit dieser Vergangenheit, so die gedankenlose Annahme, würden auch diese Gestalten am Fortschritt zerfallen wie ein Gespenst im Licht des Tages. Der Fluss der Zeit, ihr vermeintliches Nacheinander, die Lineatur der Jahre, so wollte es diese Annahme, werde das Problem von allein lösen; kein Grund jedenfalls, ihm gesonderte Aufmerksamkeit zu widmen. Insofern kam die Rede vom „ewig Gestrigen“ vor allem einer Verharmlosung gleich. Blind vertraute sie darauf, dass Zeit einfach verginge und sich ein Gestern nicht aktualisieren könne. Doch nicht erst Bilder heutiger Aufzüge strafen dieses Gerede unübersehbar Lügen. Das Gestern ragt ins Heute hinein.- texte

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