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Posts Tagged ‘Glanz und Elend’

»Das Geheimnis ist…, dass Worte gefunden werden, zuweilen, welche die Welt nicht verstecken, sondern sie offenbaren. Fast alles, was die Menschen sagen und ebenso was sie tun, versteckt die Welt. Ich möchte nichts anderes sein als der Mensch, der seinen Garten gießt und, auf diese einfachen Arbeiten bedacht, diese Welt in sich eindringen lässt, die er nicht lange bewohnen wird. Das Brot der Luft«.

Dies schreibt Philippe Jaccottet am 12. August 1958. Am 30. Juni 2020 wurde der Schriftsteller, Übersetzer, Diarist, Poet und Essayist 95 Jahre alt. Jaccottet wurde in Moudon im Kanton Waadt (Vaud) in der Schweiz geboren. Er studierte in Lausanne, lebte danach einige Jahre in Rom und Paris, bevor er 1953 ins provencalische Grignan übersiedelte, wo er bis heute lebt.

Das Zitat ist dem bei Hanser erschienenen Band »Sonnenflecken, Schattenflecken« entnommen. »Das Brot der Luft« – eine der ansonsten eher seltenen pathetischen Äußerungen Jaccottets. Bei jedem anderen Literaten wäre es eine Programmatik, bei ihm wird es zu einem Versprechen. Es geht bei Jaccottet immer um alles. Kaum ein Dichter, der derart bedacht Worte wählt. »Worte, durch ihren unsichtbaren Stengel mit der Erde verbunden«, so eine weitere Umkreisung (s)eines poetischen Prinzips (»Notizen aus der Tiefe«).

Das Richtige, das richtige Wort suchen bedeutet, sich der aufgehenden Sonne zuwenden.

glanzundelend.de

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In eindrucksvoller Manier hält Paul Beatty in seinem Roman »Der Verräter« der postrassistischen US-amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vor. Ein literarischer Kristall, dessen Strahlen die Finsternis ausleuchtet. – Von Thomas Hummitzsch – glanzundelend.de

»Menschen zu anderen zu machen, wird erlernt – aber nicht durch Lektüre oder Unterweisung, sondern durch das Beispiel«, schreibt Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison in ihrem Essay Die Herkunft der Anderen. Darin erklärt sie, wie Rassismus konstruiert wird und die amerikanische Gesellschaft wie ein »Echo der Sklaverei« prägt. Paul Beattys dritter Roman Der Verräter kommt wie ein Echo dieser Aussage daher.

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»Wir sind zu lebendig, um zu sterben und zu tot, um zu leben.« Byung-Chul Han

Byung-Chul Han ist der Ansicht: Die Deregulierungs-Maschine Neoliberalismus ist noch immer die herrschende Triebkraft des Zeitalters. Das neoliberale Konzept sei deshalb so ungebremst erfolgreich, weil es auf einer bisher nicht im vollen Umfang erkannten Strategie beruhe: auf der undurchschauten Kolonialisierung der massenweisen individuellen Freiheit, durch eine Psychopolitik der angeblich positiven Selbstausbeutung. Fast ohne Gegenwehr verdränge der Neoliberalismus auf allen Ebenen die vernünftige und freie Selbstgestaltung der Individuen – mit seinem Programm der propagierten Selbstausbeutung im Rollenmodell eines marktkonformen Unternehmers. Diesem Paradox der Selbstverknechtung im Dienstleistungs- und Medienzeitalter stellt Han Dimensionen der Verweigerung und der guten alten Freiheit entgegen: Lebenskunst, Zen, Entzug, stummen Protest und vertiefte Aufklärung…glanzundelend.de

 

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