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Posts Tagged ‘Gewalt’

Von Hans-Joachim Lenger.

Einleitung: Zur Kritik der Gewalt gibt es beständigen Anlass, nicht erst nach Ereignissen wie dem Treffen der G20 in Hamburg. Diese Kritik widersetzt sich den Regimes, die die Intensitäten des Politischen einer Logik von Verwaltung und Polizei überantworten wollen, um als „Postdemokratie“ zum Gesetz des Handelns zu werden. Sie widersteht deshalb dem abstrakten Imperativ, der eine pauschale Distanzierung von jedweder Gewalt zur Voraussetzung machen will, um überhaupt noch das Wort ergreifen zu dürfen. Nie nämlich erfinden die Unterworfenen die Gewalt; stets finden sie sie vor. Wie also sollten sie sich „distanzieren“ können, wo sie ihr täglich ausgesetzt sind? Dies nicht erst da, wo die Systeme, in ihren Peripherien, die ökonomische Gewalt mit der militärischen verschränken und die Zahl ihrer Opfer in immer neue Höhe treiben. Subtil nistet die Gewalt bereits in Strukturen, deren Rechtsordnung zum Schweigen nötigt, was in deren Idiom nicht zur Sprache kommen kann. Eine Kritik der Gewalt sucht deshalb die Bruchstellen auf, an denen die Verfügungen des Rechts ein solches Schweigen erzwingen wollen und beständig erneuern. Deshalb sind dieser Kritik die Beziehungen zentral, die zwischen der Gewalt und der Sprache bestehen. Keineswegs legitimiert sie den sprachlosen Gewaltexzess, der selbst zum Teil einer herrschenden „Eventkultur“ wurde, wenn er Figuren einer Selbstermächtigung feiert, die sich an sich selbst berauscht. Zu keinem Zeitpunkt vergisst eine Kritik der Gewalt, was sie Walter Benjamin verdankt: „dass es eine in dem Grade gewaltlose Sphäre menschlicher Übereinkunft gibt, dass sie der Gewalt vollständig unzugänglich ist: die eigentliche Sphäre der ‚Verständigung‘, die Sprache.“

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Subtil nistet die Gewalt bereits in Strukturen, deren Rechtsordnung zum Schweigen nötigt, was in deren Idiom nicht zur Sprache kommen kann. Eine Kritik der Gewalt sucht deshalb die Bruchstellen auf, an denen die Verfügungen des Rechts ein solches Schweigen erzwingen wollen und beständig erneuern. Deshalb sind dieser Kritik die Beziehungen zentral, die zwischen der Gewalt und der Sprache bestehen. Keineswegs legitimiert sie den sprachlosen Gewaltexzess, der selbst zum Teil einer herrschenden „Eventkultur“ wurde, wenn er Figuren einer Selbstermächtigung feiert, die sich an sich selbst berauscht. Zu keinem Zeitpunkt vergisst eine Kritik der Gewalt, was sie Walter Benjamin verdankt: „dass es eine in dem Grade gewaltlose Sphäre menschlicher Übereinkunft gibt, dass sie der Gewalt vollständig unzugänglich ist: die eigentliche Sphäre der ‚Verständigung‘, die Sprache.“

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Manuskripte zum Download:

Wo der Daumen rechts ist

Sublimation und Gewalt

Göttliche Gewalt

Split Screen

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Hesiod hat die Frage von Macht und die Gewalt als die zwei Seiten jeder weltlichen Herrschaft beispielhaft in seiner Schrift Werke und Tage behandelt und sie zugleich unmittelbar an die Lebenserfahrung seiner Hörer geknüpft.

Das Thema seiner Dichtung ist vordergründig das vorbildliche Wirtschaften auf dem Hof und das einträgliche Zusammenleben in dörflicher Nachbarschaft. Man muss sich jedoch bewusstmachen, dass dieser Text im lokalen Kontext der frühen griechischen Polis vorgetragen und die Anspielungen auf soziale Probleme der Zeit von den Hörern unmittelbar verstanden wurden.

http://diepaideia.blogspot.com/2017/07/hesiod-und-die-weltliche-herrschaft.html

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In Wolfgang Sofskys „Traktat über die Gewalt“, das 1996 zum ersten Mal erschienen ist und nun bereits in der dritten Auflage vorliegt, untersucht der Autor Formen und Wirkungszusammenhänge von Gewalt.

Wolfgang Sofskys Beschreibungen und Analysen sind jedoch keine distanzierten oder abgehobenen wissenschaftlichen Kommentare. Gewalt wird von ihm als ein erfahrbares Phänomen betrachtet und behandelt. Deshalb nähert sich Wolfgang Sofsky unterschiedlichen Gewaltformen in sogenannten dichten Beschreibungen an…

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Es sind nicht Religionen, die töten, sondern es sind Menschen – Menschen, die mit Religion ihre Gewalttaten zu legitimieren versuchen.

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/religion-und-gewalt-menschen-toeten-nicht-goetter-ld.114544

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Über allen Tieren, die der Mensch gefangenhält, hängt sein Todesurteil. Es ist zwar – oft auf lange – suspendiert, doch begnadigt wird keines. So gibt der Mensch seinen eigenen Tod, dessen er sich sehr wohl bewußt ist, an seine Tiere ungestraft weiter. Die Spanne Lebens, die er ihnen gönnt, hat etwas von seiner eigenen; nur daß bei ihnen er aufpaßt, wann sie ihr Ende erreicht hat. Ihr Tod fällt ihm leichter, wenn er viele besitzt und einzelne aus der Herde zum Schlachten herauslöst. Seine beiden Ziele, die Vermehrung seiner Herden und die Tötung einzelner Tiere, die er braucht, lassen sich sehr wohl vereinen. Auf diese Weise, als Hirt, ist er mächtiger als jeder Jäger. Seine Tiere sind beisammen und entgehen ihm nicht. Die Dauer ihres Lebens liegt in seiner Hand … Aus der Gewalt des Jägers wird die Macht des Hirten.

Elias Canetti – Masse und Geschichte – 233/234 – Masse und Macht – Fischer 2014

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… So grausam die Gewalt, so bestialisch die Marter, für den Beobachter bleibt es ein Schauspiel. Der Schmerz, den er sieht, ist nicht sein eigener Schmerz. Flüchtig nur sind die Anflüge von Mitgefühl, die das Gewissen beruhigen und moralische Genugtuung verschaffen. Mit Mitleid ist dies nicht zu verwechseln. Mitleid gründet auf der Einsicht, daß alle Lebewesen gleich bedürftig und auf Hilfe angewiesen sind, eine Erkenntnis, welche die Haltung des Beobachters in ihren Fundamenten erschüttern würde. Deshalb neigt der Zuschauer stets dem Täter zu.

https://wscaprichos.wordpress.com/2016/02/22/die-zuschauer-der-gewalt/

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