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Posts Tagged ‘Freitext’

In Belarus wurden in Kurapaty, wo Opfer Stalins begraben sind, hundert Kreuze abgerissen, Protestierende zu Arrest verurteilt. Braucht eine Diktatur heute noch Religion? – Von 
Ich denke, es ist ganz einfach: Ein florentinischer Magnat oder ein venezianischer Kaufmann konnte sich noch damit trösten, dass nach dem Tod das Paradies auf ihn wartete. Wer Dostojewski las, mochte angesichts der Erkenntnis erstarren, dass der Tod Gottes ihn in eine Welt stürzen könnte, in der „alles möglich“ ist. Und Nietzsches Leser konnten annehmen, dass „Gott tot ist“. Gleichwohl wartete ein Himmel auf die Toten, ein leerer, kalter Himmel, bereit für einen neuen Gott oder einen Übermenschen. Wie ist es heute um unsere Himmel bestellt?
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Harry Rowohlt war ein Paganini der Abschweifung. Auf neuen Hörbüchern kann man ihm noch einmal lauschen. Erinnerungen an einen Schriftstellerfreund. Und viele Getränke.

15 Jahre ist es nun auch schon wieder her, dass in der Edition Tiamat In Schlucken-zwei-Spechte erschien; Untertitel: Harry Rowohlt erzählt Ralf Sotscheck sein Leben von der Wiege bis zur Biege. Connaisseuren muss man weder sagen, dass der Titel eine Anspielung auf Harrys Lieblingsbuch In-Schwimmen-zwei-Vögel des unvergessenen irischen Romanciers Flann O’Brien, noch dass Ralf Sotscheck Irland-Korrespondent der taz ist und mit Harry befreundet war. Bei ihm daheim in Ballyvaughan an der irischen Westküste quatschte Harry im Juli 2001 sage und schreibe acht Tonbandkassetten voll, um die Grundlage für das im Jahr darauf erschienene obige Buch zu schaffen.

http://www.zeit.de/freitext/2017/03/22/harry-rowohlt-schulz/?wt_zmc=nl.int.zonaudev.zeit_online_freitext_freitext_vom_22.03.2017.nl_ref.zeitde.bildtext.link.20170322&utm_medium=nl&utm_campaign=nl_ref&utm_content=zeitde_bildtext_link_20170322&utm_source=zeit_online_freitext_freitext_vom_22.03.2017_zonaudev_int

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Der Kommunismus hat gezeigt, dass die menschliche Natur miserabel und finster ist. Wie jedes totalitäre Regime. Es ist verstörend, die Spuren noch immer zu sehen.

Es ist sechsundzwanzig Jahre her, dass der Kommunismus in meiner Heimat zusammenbrach. Seitdem verging eine kleine Ewigkeit, für manche sogar ein ganzes Leben. Die meisten Soldaten, die im ukrainischen Osten bereits gefallen sind, haben den Kommunismus nie erlebt.

Ich erinnere mich selbst auch nur dunkel daran. 1991 war ich acht Jahre alt und trug keine Lenin-Abzeichen auf der Brust und keine Pionierhalstücher.- zeit.de/freitext

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Krieg zerstört Körper. Und er erzeugt sie. Als Speicher für Erinnerung und Sprache. Selten zeigt sich das so eindrücklich wie in den Gedichten von Ocean Vuong.

Glas, später

(Warten / Vergessen)

Das Glas erscheint später, und es wird nur eine Erzählung gewesen sein: Seit Monaten sind sie auf diesem Schiff; Wasser, so weit das Auge reicht; keine Richtung. Von Küsten spricht er ohne Artikel. Salt in our sentences. Die Stadt, die sie verlassen hatten, ist namenlos geworden. Auf den Straßen lag das, was übriggeblieben war, zerbrochene Baguettes, zerdrückte Croissants vor der Bäckerei nach ihrer Bombardierung; Tauben auf diesem Asphalt. Das Karussellpferd war schwarz von Ruß, weiße Hyazinthen, September. Das sind die letzten Bilder, die sie mitgenommen haben werden.-

Eine Poetik des Knochenbrechens

 

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Wir kommunizieren nicht mehr, wir überschreien uns nur noch. Schuld daran ist nicht die Politik, sondern das Internet. Wir brauchen einen digitalen Verhaltenskodex.

Gegenwärtig ertönt ein Gebrüll, das von Wut, vor allem jedoch von einer herrischen Unduldsamkeit zeugt, die Dialog und Diskussion, mithin die Meinungsvielfalt, durch das gute, alte Basta ersetzt sehen will, das uns die spanische Soldateska des Dreißigjährigen Krieges hinterlassen hat: Als einzig wahre Wahrheit, die jeden, der sie nicht teilt, zum Ungläubigen macht.

Gebrüll, ob von links oder rechts, ob aus politischen oder religiösen Lautsprechern hallend, ist keine Sprache, ja nicht einmal ein Kommunikationsversuch, sondern eine Form von Gewalt… –

Gebrüll ist keine Sprache

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Der Sommer wird begleitet von einem permanenten Hintergrundrauschen: Terrornachrichten und Hetzbotschaften auf fast allen Kanälen. Wir müssen sie endlich abschalten.

Lange habe ich mir keine Auszeit genommen, die Sommer verbringe ich ohnehin meist in der Stadt, aber nicht in diesem Jahr. Ich habe mir vorgenommen, an einen ruhigen Ort zu fahren, ans Meer, auf eine kleine kroatische Insel, um zu schwimmen, zu lesen, die Gegenwart ein Hintergrundrauschen werden zu lassen, die Wellen zu betrachten, die kommen und gehen. – Von Sandra Gugic –

Bewusstseinszustand? Hoffnung!

 

 

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Es gibt unzählige Dinge, die einem Angst machen können. Nach dem Amoklauf in München und den Terroranschlägen in Europa ist es vor allem der Mensch selbst.

Ich habe Angst. Ich habe Angst vor dem Zahnarzt, ich habe Angst davor, etwas zu verpassen, ich habe Angst im Flugzeug, aber nicht vor einem Absturz und nicht mehr so oft. Ich habe keine Angst vor dem Tod, oder aber ich mache mir keine Gedanken darüber. Ich habe keine Angst vor dem Anders-Sein, aber davor, dass meine Kinder an ihrem Anders-Sein leiden könnten, und ich mag mich selbst nicht für diesen Gedanken. Ich habe keine Angst vor Terror, aber ich habe Angst vor dem Menschen. Ich habe Angst, nicht schreiben zu können, obwohl es doch das Einzige ist, was ich zu können meine: Schreiben.

Ich habe Angst

 

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Diese Zeiten, die wir unmittelbar erleben, machen einen gigantischen Lärm, man hört sie, man riecht sie, man spürt sie. Was sollen wir dagegen tun? – VON TANJA MALJARTSCHUK
Im Ukrainischen sagt man hören und meint spüren oder riechen. Wenn man also fragen will: „Spürst/riechst du das auch?“, sagt man: „Hörst du das auch?“ Man sagt: „Wie hörst du dich?“ Oder auch: „Ich höre den Geruch deiner Füße.“ Als ich eine Zeit lang mit meinen deutschsprachigen Freunden so redete, lachten sie gutmütig: „Hörst du aus der Küche nicht, dass die Torte im Ofen brennt?“ Wäre die Torte in der Folge nicht verbrannt, hätte ich beim Nachtisch sagen können: „Hört ihr Lavendel heraus?“ Eigentlich umfasst das wunderbare Wort hören im Ukrainischen auch schmecken. Eigentlich alle Sinne außer sehen. Die Ukrainer hören am besten, unser Körper ist ein großes Ohr (was uns selbst jedoch selten hilft). Heute schmerzt das Ohr wie verrückt. –

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