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Posts Tagged ‘Filosofaxen’

Physik, Mathematik und Logik sind wunderbare Instrumente der Rationalität. Sie schufen auch die Grundlagen des modernen Kriegs: Nuklearwaffen, Computer, Spieltheorie. Alle drei Aspekte finden sich personifiziert in einem der brillantesten Geister des 20. Jahrhunderts, John von Neumann. Der Mathematiker leistete Pionierarbeit in der Nuklearphysik, in den Computerwissenschaften und in der Theorie politischer Konflikte. Und er war eine Inspirationsquelle für die Figur Dr. Strangelove im Kinofilm von Stanley Kubrick. 

Für John von Neumann waren alle Probleme rational lösbar, am besten durch Berechnung. Im «Manhattan Project» entwarf er zum Beispiel einen ingeniösen Bombenmechanismus zur Spaltung von Plutonium – der Mechanismus sollte dann Nagasaki dem Erdboden gleich machen. Neumann, ein rabiater Antikommunist, war Verfechter eines präemptiven Nuklearschlags gegen die Sowjetunion…,..

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Geschichte ist das, woraus wir nicht lernen

Vor einem Vierteljahrhundert klotzte der Politologe Francis Fukuyama mit der These vom «Ende der Geschichte». Damit suggerierte er in neohegelianischer Weise, dass der globale Siegeszug der Demokratie nun einen Schlusspunkt hinter die lange Geschichte von Autokratien setzen würde. Aber der Weltgeist von Fukuyama hat sich epochal geirrt.  Fundamentalistischer Terrorismus, lokale Kriege, Zunahme an Autokratien falsifizierten in der Folge die These auf bitterböse Weise. Die Geschichte kehrt zurück, und zwar gemeiner denn je…,..

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Ein neuer Forschungsstil greift Platz: Fast Science. Nichts demonstriert das deutlicher als der Ausbruch der Pandemie. Hier ist der Imperativ der «schnellen» Forschung sicher angezeigt. Er gebietet ein rasches anwendungsorientiertes Wissenswachstum, nicht nur über das Virus, sondern auch über die individuellen und kollektiven Kollateralfolgen seiner Verbreitung. Dadurch ändern sich wissenschaftliche Normen, und mit ihnen wandelt sich der erkenntnistheoretische Charakter der Forschung…,..

https://kaeser-technotopia.blogspot.com/2022/03/nzz-12.html

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Es ist paradox: In der Pandemie gebührte doch gerade der modernen Medizin der grösste Kredit. Stattdessen halten «skeptische» Gesellschafts- und Politikkreise den Misskredit am Köcheln. Die Diagnose der Unterbelichtetheit, Ignoranz und Desinformation mag partiell auf sie zutreffen, aber die Skepsis ist Symptom eines tieferen Unbehagens. Es entstammt der Grundfrage, wer denn eigentlich Gesundheit und Krankheit definiere. Die Medizin allein?

Das Unbehagen fand bereits 1974 Ausdruck im vieldiskutierten Buch «Nemesis der Medizin» des streitbaren Theologen und Philosophen Ivan Illich. Der Untertitel im Deutschen lautet «Die Enteignung der Gesundheit». Gesundheit – so wird also unmissverständlich suggeriert – «eignet» einer Person, ist ihr unveräusserlicher persönlicher Besitz, den die moderne technisierte Medizin gerade durch ihren Vormarsch antaste und gefährde. Illich wirft den Medizinern vor, sie verkehrten ihr altes Motto «Vor allem nicht schaden» ins Gegenteil. Eine böse These, die im Besonderen die «nostalgische» Vorstellung der Heilkunst beschwört, gute Medizin würde auf die eigenen Kräfte des Körpers abstellen…,.. Filosofaxen

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Von Filosofaxen – kaeser-technotopia.blogspot.com

Ein Entscheid des Obersten Gerichtshofs der USA erklärte vor nicht allzu langer Zeit den Dateninhalt der Handys zu einem schützenswerten Gut. Wie der Vorsitzende John Roberts begründete, sind Handys «zu einem allgegenwärtigen und beharrlichen Teil des Alltagslebens geworden, so-dass der sprichwörtliche Besucher vom Mars mutmassen könnte, sie seien ein wichtiger Teil menschlicher Anatomie.»

Die Technologie schreitet voran durch Miniaturisierung und Personalisierung: durch Anatomisierung, könnte man sagen. Wenn man vom Smartphone als von einem neuen Organ spricht, dann ist das eigentlich trivial. Technik verstärkt, verbessert, optimiert menschliche Fähigkeiten. Das können wir unverfänglich und generell feststellen, vom Faustkeil bis zum Computer.

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NZZ: Vor 25 Jahrern suchte der Physiker Alan Sokal die Blase des als verquast geltenden postmodernen Diskurses zum Platzen zu bringen, indem er sich einen Jux – einen «hoax» – ausdachte.  Er stellte eine Collage von Zitaten namhafter postmoderner Denkerinnen und Denker zusammen, die glaubten, jeden Schwachsinn aus der Wissenschaft destillieren zu können. Sokal tat so, als stimmte er ihnen zu. Sein Artikel erschien in einer damals trendigen Fachzeitschrift für postmodernes Denken. Ein paar Wochen nach dem Erscheinen machte Sokal publik, sein Lesepublikum auf die Schippe genommen zu haben. Die Empörung in der einen Hälfte der akademischen Galerie war ebenso gross wie die Häme auf der anderen. Ein regelrechtes Kulturscharmützel entbrannte zwischen Geistes- und Naturwissenschaften.

Ich lese den Text nach wie vor mit Vergnügen. Aber gleichzeitig mischt sich in dieses Vergnügen die Ernüchterung: die Blase ist nicht geplatzt …,.. kaeser-technotopia.blogspot.com

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«Die Welt ist alles, was der Fall ist» – so lautet einer der rätselhaft banalen Sätze Ludwig Wittgensteins. Aber was ist der Fall? Was heisst das überhaupt? Ich nähere mich dieser Frage aus einer ganz alltäglichen Situation heraus. Angenommen,  ich komme zur Bushaltestelle und sehe gerade den Bus wegfahren. Er fährt alle zehn Minuten. Also warte ich, denn ich weiss, dass in den nächsten zehn Minuten wieder einer kommt. Nach zehn Minuten noch kein Bus. Nach einer Viertelstunde werde ich nervös. Zurecht. Meine Erwartung richtet sich nach einem simplen Modell, der Verlässlichkeit des Fahrplans. kaeser-technotopia.blogspot

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Hat der Fortschritt der Wissenschaft und Künste zur Läuterung der Sitten beigetragen? Die Preisfrage der Académie de Dijon aus dem Jahre 1750 verdiente mehr denn unsere Aufmerksamkeit. Rousseausche Sätze aus seiner preisgekrönten Schrift bieten sich geradezu an, auf aktuelle Zustände angewendet zu werden. Etwa auf die Politik: „Die antiken Politiker sprachen ohne Unterlass von den Sitten und der Tugend, die unseren sprechen nur vom Handel und vom Geld“; oder auf das Internet: „Das Falsche lässt eine Unendlichkeit von Kombinationen zu, die Wahrheit hat nur eine Weise des Seins.“ Rousseau, der zu seiner Zeit die ersten Vorboten der Industrialisierung beobachtete, würde triumphierend den von ihm diagnostizierten kulturellen Verfall bestätigt sehen. Filosofaxen

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Eine seltsame und nicht ganz geheure Obsession befällt unseren Blick auf die Zukunft. Wir sind Produkte einer natürlichen Evolution und doch stellen wir uns die Weiter- und Höherentwicklung unserer Spezies gerne vor als eine Überwindung der Condition humaine durch Technologie. Die Träume vieler Futuristen gravitieren um das Zentrum einer post-biologischen Superintelligenz, welche alle Formen der organischen „Wetware“ abgestreift haben wird. Man hat fast den Eindruck, als erschallte aus den Schaltkreisen unserer Computer ein neuer Ton mit geradezu erlöserischen Oberklängen:

kaeser-technotopia.blogspot.com

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