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Posts Tagged ‘Erzählung’

Kafkas Erzählung von 1923/1924 handelt von einem Tier, das seinen Erdbau zum Schutz vor Feinden immer mehr erweitert und befestigt. Allmählich entsteht ein Labyrinth, in dem das Tier selbst zum Gefangenen seines Verfolgungswahns wird.

„Ich lebe im Innersten meines Hauses in Frieden und inzwischen bohrt sich langsam und still der Gegner von irgendwoher an mich heran. Ich will nicht sagen, daß er besseren Spürsinn hat als ich; vielleicht weiß er ebensowenig von mir wie ich von ihm.“

Mit Ergänzungen durch Passagen aus Kafkas Briefen und Tagebüchern hat Rebekka David den Text auf die Befindlichkeit und die Wünsche des heutigen Menschen übertragen: die Tür hinter sich zuziehen, sich vor der Welt verschließen, sich einmal nur um sich selbst sorgen, taub und blind sein für eine immer bedrohlicher werdende Welt, eine undurchschaubare Welt. Und doch steigt die Angst zur Panik, je mehr Sicherungsmaßnahmen getroffen werden.

https://www.hoerspielundfeature.de/hoerspiel-franz-kafka-der-bau-100.html

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Die Lebenskraft oder der modische Genius

Eine Erzählung

Die Syrakuser hatten ihre Poikile. In der gemalten Säulenhalle an der Nordseite des Marktes zu Athen, befanden sich mehrere Wandgemälde, besonders des Polygnotos‘ Darstellung der Schlacht bei Marathon. Vorstellungen von Göttern und Heroen, griechische und italische Kunstwerke bekleideten die bunten Hallen des Portikus. Unablässig sah man das Volk dahin strömen: den jungen Krieger, um sich an den Taten der Ahnherren, den Künstler, um sich an dem Pinsel großer Meister zu weiden. Unter den zahllosen Gemälden, welche der emsige Fleiß der Syrakuser aus dem Mutterlande gesammelt hatte, war nur eines, das seit einem vollen Jahrhunderte die Aufmerksamkeit aller Vorübergehenden auf sich zog. Wenn es dem olympischen Jupiter, dem Städtegründer Kekrops, dem Heldenmut des Harmodius und Aristogiton an Bewunderern fehlte, so stand um jenes Bild das Volk in dichten Rotten gedrängt. Woher diese Vorliebe für dasselbe? War es ein gerettetes Werk des Apelles oder stammte es aus der Malerschule des Callimachus her? Nein, Anmut und Grazie strahlten zwar aus dem Bilde hervor, aber an Verschmelzung der Farben, an Charakter und Stil des Ganzen durfte es sich mit vielen andern in der Poikile nicht messen.

https://www.webergarn.de/KRI_BLU/ansichten_der_natur/ansichten.html

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Deutschlandfunk Kultur – Mittwoch, 6. Juli 2022 um 22:03 Uhr

Es ist ein in Routine erstarrtes, ödes Leben, das die etwa 30-jährige Ehefrau eines erfolgreichen Zahnarztes und Mutter eines Kindes führt. Eines Tages wird sie von einer rätselhaften und andauernden Schlaflosigkeit heimgesucht. Dabei verspürt sie keinerlei Müdigkeit. Im Gegenteil: statt zu ermatten, hat sie den Eindruck, dass ihr Körper sogar kräftiger und jünger wird. So gewinnt sie – gänzlich unbemerkt von Ehemann und Sohn – nachts ein zweites heimliches Leben. Sie entdeckt ihre frühere Leidenschaft für die Literatur zurück, trinkt Cognac und unternimmt einsame Autofahrten. Immer mehr gerät sie in einen beinah autistischen Zustand, in dem die Grenze zwischen Leben und Tod gefährlich verwischt scheint.
Haruki demonstriert literarisch eindrucksvoll, wie ein neues, an westlichen Werten orientiertes Verlangen nach Individualität die traditionell konformistische Gesellschaft Japans in eine Identitätskrise stürzt.

https://www.hoerspielundfeature.de/schlaf-104.html

https://archive.org/details/schlaf-haruki-murakami-2002

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Der Ausflug der toten Mädchen

„Ich wunderte mich zugleich, wieso man Lenis Gesicht gar keine Spur von den grimmigen Vorfällen anmerkte, die ihr Leben verdorben hatten, (…) und nicht der geringste Rest war darin, nicht die geringste Narbe von den Schlägen, die ihr die Gestapo bei der Verhaftung versetzt hatte, als sie sich weigerte, über ihren Mann auszusagen.“

https://www.hoerspielundfeature.de/hoerspiel-nach-anna-seghers-erzaehlung-der-ausflug-der-102.html

Anna Seghers‘ 1943 entstandene Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ gilt nicht nur als eines der Meisterwerke deutschsprachiger Literatur, sie ist auch das persönlichste Werk der Autorin, gewidmet ihrer im Ghetto getöteten Mutter und reich an autobiografischen Bezügen.

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Auszug der Erzählung von Hermann Hesse / Rezitation: Ulrich Matthes / Anmerkung: „Wissen kann man mitteilen, Weisheit aber nicht. Man kann sie finden, man kann sie leben, man kann von ihr getragen werden, man kann mit ihr Wunder tun, aber sagen und lehren kann man sie nicht. “ (H.Hesse)

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Erzählung von Rainer Maria Rilke aus: Geschichten vom lieben Gott 1906 / Rezitation: Walter Kreye / Anmerkung: «Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie schön die Welt ist und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen, in irgendeiner Blume, einem Stein, einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.» (R.M.Rilke)

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Erzählung von Rainer Maria Rilke aus: Geschichten vom lieben Gott 1904/ Rezitation: Martina Gedeck / Anmerkung: «Die erwachsenen Menschen, die Geschäfte und Sorgen haben und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen, verlieren allmählich ganz den Blick für diese Reichtümer, welche die Kinder, wenn sie aufmerksam und gut sind, bald bemerken und mit dem ganzen Herzen lieben.» (R.M.Rilke)

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Erzählung von Rainer Maria Rilke aus: Geschichten vom lieben Gott 1906 / Rezitation: Martina Gedeck / Anmerkung: Ich denke, wir müssen viel und aufmerksam zuhören, dann werden wir allmählich immer vorsichtiger antworten und immer besser. (R.M.Rilke)

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„Was ist mit mir geschehen? Wenn ich den Kopf ein wenig hebe, sehe ich meinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dem sich die Bettdecke kaum noch halten kann, und viele klägliche dünne Beinchen lugen darunter hervor, geradezu hilflos flimmern sie einem vor den Augen, auch scheint es, dass ich auf einem panzerartig harten Rücken liege, alles in allem könnte man meinen, dass ich mich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt hätte.“ – NDR

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