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Posts Tagged ‘Elias Canetti’

Über allen Tieren, die der Mensch gefangenhält, hängt sein Todesurteil. Es ist zwar – oft auf lange – suspendiert, doch begnadigt wird keines. So gibt der Mensch seinen eigenen Tod, dessen er sich sehr wohl bewußt ist, an seine Tiere ungestraft weiter. Die Spanne Lebens, die er ihnen gönnt, hat etwas von seiner eigenen; nur daß bei ihnen er aufpaßt, wann sie ihr Ende erreicht hat. Ihr Tod fällt ihm leichter, wenn er viele besitzt und einzelne aus der Herde zum Schlachten herauslöst. Seine beiden Ziele, die Vermehrung seiner Herden und die Tötung einzelner Tiere, die er braucht, lassen sich sehr wohl vereinen. Auf diese Weise, als Hirt, ist er mächtiger als jeder Jäger. Seine Tiere sind beisammen und entgehen ihm nicht. Die Dauer ihres Lebens liegt in seiner Hand … Aus der Gewalt des Jägers wird die Macht des Hirten.

Masse und Macht – Fischer 2014 – 233/234

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Die eigentümliche Bewegung des Wissens. Es hält sich lange still, wie Stein oder wie scheintotes Leben. Es bekommt dann plötzlich unerwartet pflanzenhaften Charakter. Man blickt zufällig hin: es hat sich zwar nicht von der Stelle bewegt, aber es ist gewachsen. Ein großer Augenblick, aber noch nicht das Wunder. Denn eines Tages blickt man woanders hin und jenes Wissen ist dort, wo es bis jetzt bestimmt nicht war, es hat seinen Ort verändert, es ist gesprungen. Auf dieses springende Wissen wartet jeder. In der Nacht, von der man erfüllt ist, horcht man auf das Fauchen der neuen Raubtiere und im Dunkel leuchtet gefährlich und gierig ihr Auge. – (Die Provinz des Menschen, 1942-1972)

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Der Stolz des Stehenden ist, dass er frei ist und sich an nichts lehnt. Es ist immer so, dass der Stehende sich selbstständig fühlt. Wer sich erhoben hat, steht am Ende einer gewissen Anstrengung und ist so groß, wie er überhaupt werden kann. Wer aber schon lange steht, drückt eine gewisse Widerstandskraft aus; sei es, dass er sich von seinem Platz nicht verdrängen lässt wie ein Baum, sei es, dass er ganz gesehen werden kann, ohne sich zu fürchten oder zu verbergen. Je ruhiger er steht, je weniger er sich wendet und in verschiedene Richtungen auslugt, umso sicherer wirkt er. Nicht einmal einen Angriff im Rücken fürchtet er, wo er doch keine Augen hat. Stehen

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Elias Canetti: Ataraxie? Die Gleichgültigkeit erlernen? Wo man am verwundbarsten ist? Gerade da sei sie nie zu erlernen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Ataraxie

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Elias Canetti: Das Wissen ist Waffe nur für den Mächtigen, der Weise verachtet nichts so sehr wie die Waffen. Er schämt sich nicht seines Wunsches, noch mehr Menschen zu lieben, als er kennt; und nie wird er sich hochmütig absondern von denen allen, über die er nichts weiß.

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Wesentliche Zusammenhänge zum Verständnis unseres Zeitalters

© 1960 by Claassen Verlag GmbH Hamburg
Lizenzausgabe veröffentlicht 1980 im Fischer Taschenbuch Verlag GmbH

Klicke, um auf Canetti-Masse+Macht.pdf zuzugreifen

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Hörspiel eines Dreiecksromans aus Briefen: Elias Canetti hatte neben seiner Ehefrau Veza, die er eher aus Freundschaft geheiratet hat, ständig irgendwelche Geliebten. Die unglückliche Veza öffnet ihr Herz dem jüngsten Canetti, ihrem Schwager Georges. Der wiederum fühlt sich mehr zu Männern hingezogen. Aus Wien und später aus dem Londoner Exil gehen heimliche „Briefe an Georges“. Sie berichten über Liebesaffären, Eskapaden, Wahnsinnsanfälle und Depressionen.

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NDR Kultur – Die Blendung (2/2) Mittwoch, 12. Februar 2020, 20:00 bis 21:33 Uhr
Der Roman erzählt von dem in der Welt seiner Bücher vergrabenen berühmten Sinologen Kien. Von seiner Haushälterin Therese zur Ehe verführt, wird er mit den Widrigkeiten des alltäglichen Lebens konfrontiert. Die Bosheit Thereses sowie Neid und Missgunst bizarr-grotesker Gestalten aus dem kleinbürgerlich-subproletarischen Wiener Milieu lassen ihn schließlich zerbrechen. Am Ende bleibt ihm nur die Flucht in den Wahnsinn. Er legt Feuer an seine gewaltige Bibliothek, die das Wissen der größten Denker der gesamten Welt beherbergt hat und verbrennt mit seinen Büchern. Teil 1:https://www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/hoerspiel/Hoerspiel-Die-Blendung-1-2,sendung996682.html 

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Canetti geht vom Mißerfolg der Weltschöpfung aus. Ein Gott nach seinem Sinne hätte am siebten Schöpfungstag erkannt, „daß es nicht gut war“. Seitdem ist die dichterische Einbildungskraft Canettis mit Gegenentwürfen zur Welt beschäftigt. Auch in den Aufzeichnungen wird immer wieder das Konzept einer Lebensform entworfen, die bisweilen absurd erscheinen mag, vergleicht man sie mit unseren Verhaltensweisen, die jedoch denkbar wäre…,..

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41739268.html

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/41739268

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