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Posts Tagged ‘Dr. Eduard Kaeser’

Es gibt eine Wissenschafts- und Philosophiegeschichte, die auf Heroismus baut. Sie kuratiert ihre Helden und Legenden. Und sie hat eine Lieblingsmetapher: Wir stehen alle auf den Schultern von Riesen. Die klassische Physik steht auf den Schultern von Newton, die moderne Biologie auf den Schultern von Darwin, die aufgeklärte Philosophie auf den Schultern von Kant, und so weiter. Jede Disziplin wartet mit solchen Riesen auf. Nur weil wir deren Geisteshöhe erreicht haben, so suggeriert das Bild, können wir jetzt weiter blicken.

Das Bild hat eine fiese Rückseite. Sie zeigt sich aktuell in der Praxis namens «Cancel Culture». An einer amerikanischen Privatschule spricht man im Physikunterricht nicht mehr von Newtons Ge-setzen, sondern von den fundamentalen Gesetzen der Physik. Grund: Newton war ein weisser Mann. Und die Schule sähe es als geboten an, sagte ein Schüler, das weisse Weltbild zu dezentrieren.  Nicht nur das: Es scheint in Schwang gekommen zu sein, die Riesen als Dreckskerle zu entlarven.

Fisolofaxen

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Mary Shelleys «Der letzte Mensch»

Die Idee der Selbstauslöschung ist in ihrem Ursprung «romantisch». Ein sehr schönes Beispiel liefert Mary Shelley, die «Mutter» von Frankensteins Monster. 1826 erschien ihr Roman «The Last Man». Ein geradezu beklemmend seherisches Werk. Shelley schildert darin eine futuristische Zivilisation gegen Ende des 21. Jahrhunderts. In Konstaninopel (sic) bricht eine tödliche Pest aus, die sich schliesslich über den ganzen Planeten ausbreitet. Emigrantenströme überfluten Westeuropa. Der Handel zwischen England und Amerika, Indien, Ägypten und Griechenland kollabiert. Nach und nach scheitern alle wissenschaftlichen Pläne zur Eindämmung der Seuche. Schliesslich müssen sich Regierungen und ihre Beraterstäbe eingestehen, dass sie nicht fähig sind, die zivilisierten Widerstandskräfte den «Konvulsionen der physischen Natur» entgegenzusetzen. Die Zivilisation implodiert. – kaeser-technotopia.blogspot.com

Dr. Eduard Kaeser (…) Thematisch dreht sich meine Schreibarbeit um zwei Gravitationszentren: Um die Möglichkeit einer Anthropologie – eines menschenmöglichen Lebens – in einer Welt der Geräte; und um die Möglichkeit eines lebbaren Universalismus in einer multikulturell fragmentierten Welt. 

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Blaise Pascal stellte eine berühmte Kosten-Nutzen-Rechnung über den Gottesglauben an. Was bringt er mir? Wenn Gott existiert, verspricht der Glaube ewige Glückseligkeit; dagegen bestraft Gott den Unglauben mit ewiger Verdammnis. Wenn Gott nicht existiert, dann ist es ziemlich egal, ob man an ihn glaubt oder nicht. Summa summarum beschert mir der Glaube Glück, mit dem Unglauben riskiert man Elend. Und zwar ungeachtet, ob Gott nun existiert oder nicht.

Ich will damit nicht insinuieren, der Gottesglaube sei ein religiöses Placebo. Aber mit diesem Argument – als «Pascals Wette» in die Geschichte eingegangen –  lässt sich überraschenderweise ganz profan eine Analogie zur Pandemie herstellen…,.. kaeser-technotopia.blogspot.com

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Paul Klees Bild „Zwitscher-Maschine“, eines der populärsten Kunstwerke der Moderne, zeigt vier abstrahierte Vögel auf einer Stange, die sich durch eine Kurbel drehen lässt. Die Vögel zwitschern in verschiedene Richtungen, und es ist nicht auszumachen, ob daraus ein konzertierter Gesang oder eine Kakophonie resultiert. Eigentlich zwitschern nicht die Vögel, so suggeriert das Bild, vielmehr sind die Vögel und ihr Gezwitscher Komponenten eines leblosen, mechanischen Getriebes. Eine Aktualisierung des Bilds wäre heute eine Reihe von Menschen, die alle auf ihr Handy starren und twittern. Die perfekte Allegorie für die Megaplattform Twitter. Auf der „Stange“ von Twitter sitzt mittlerweile rund die Hälfte der Weltbevölkerung. Niemand treibt die „Stange“ an, nur das Gezwitscher und Wiederge-zwitscher der darauf sitzenden „Vögel“ selbst. Ein Perpetuum mobile der Kommunikation…,.. kaeser-technotopia.blogspot.com

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Ich lege im heutigen Podiumsthema – „Die Erfindung der Wahrheit“ – das Gewicht bewusst nicht auf die Wahrheit, sondern auf das Erfinden, die Fiktion. Denn nichts scheint mir den Menschen treffender zu charakterisieren als das Fingieren, das Fabulieren, Simulieren. Er ist nicht nur ein Homo faber, sondern auch ein „Homo fingens“: ein fingierender, erfindender, gaukelnder Mensch. Lassen Sie mich diesen „Homo fingens“ kurz an drei Phänotypen konkretisieren, die alle mit Sprache und der sprachlichen Vermittlung von Wahrheit zu tun haben: am Romanautor, am Wissenschafter und  – nun ja: am Journalisten. – kaeser-technotopia.blogspot.com

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