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Posts Tagged ‘Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt’

Je mehr sie zerstören und plündern, je mehr man ihnen gibt und je mehr man ihnen dient, desto stärker und kraftvoller, alles zu zernichten und zu zerstören, werden sie; aber sobald man ihnen nichts mehr gibt, sobald man ihnen nicht mehr gehorcht, stehen sie, ohne dass es weiterer Gewalttätigkeit bedarf, nackt und kraftlos da und sind nichts mehr und dörren ab, gleich der Pflanze, welcher man die Feuchtigkeit und Nahrung entzogen hat.

Das schreibt Étienne de La Boétie 1548 über Tyrannen, was wir auf heutige Verhältnisse übersetzen dürfen: über jegliche übergeordnete Instanzen, die ein freies Subjekt regieren.

https://weheklag.wordpress.com/2022/05/27/boetieknechtschaft1548/

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Zu meiner gutbürgerlichen Ausbildung gehörte noch: Spargel gibt’s bis Fronleichnam, danach allenfalls Schwarzwurzeln aus dem Glas. Zur Ausbildung von Marcel Proust und dem Bildungsblogger Silvae gehörten derlei Bauernregeln bestimmt nicht, dafür bringt uns letzterer in seinem Artikel über Spargel vom 12. Juni 2013 auf allerlei künstlerische Darstellungen des Königsgemüses.

Nach Jahrzehnten des Spargelgebrauchs war mir gar nicht bewusst, dass man beim Pinkeln nach dem Zeug riechen soll – ohne mich in hässliche spekulative Details zu verlieren. Nach dem Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache bedeutet das das griechische ἀσπάραγος einfach einen jungen Keim, das spätlateinische asparagus den fetten Keim einer Pflanze, ehe sich die Blätter entwickeln.

https://weheklag.wordpress.com/2022/05/20/proustspargel1913/

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Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Verspielte Phantasten, die den Ehrgeiz ihrer schreibfreien Zeiten unter anderem in Glasarchitektur und das Perpetuum mobile setzen. In diesen heil’gen Hallen haben wir Paul Scheerbart schon mit seiner vollständigen Katerpoesie 1909 und der ähnlich gearteten Mopsiade 1920 erlebt, aus welchen uns erhellt: Man liest ein Gedicht, eine Geschichte, ja eine ganze Sammlung von beidem gerne zu Ende, wenn sie sich übermütig genug gebärdet. In Kunst egal welcher Ausrichtung sollte es immer was zu lachen geben, sonst ist sie auf staatstragende Miesnickel und zu ihrer Rezeption verdonnerte Zöglinge als Publikum angewiesen.

https://weheklag.wordpress.com/2022/04/29/scheerbartgerichtsverhandlung19011897/

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Novalis um die 26. Mit 23 hatte er sich mit einer 13-Jährigen verlobt:

Ich habe zu Söphchen Religion — nicht Liebe. Absolute Liebe, vom Herzen unabhängige, auf Glauben gegründete, ist Religion.

Erzählen Sie das mal einer Heranwachsenden — als Tipp: in Abwesenheit der Erziehungsberechtigten — und warten Sie ab, ob hinterher die Heranwachsende geschädigt ist oder Ihre Geschlechtstheile. Die hier betroffene Sophie von Kühn wusste sich der drohenden Ehe, gerade vorgestern 15 geworden, nur durch ihren eigenen Tod an Tuberkulose zu entziehen.

Solche Stellen habe ich nicht gesucht, und wenn mir daran läge, würde ich nicht ausgerechnet bei Novalis damit anfangen — umso schlimmer, dass ich welche gefunden habe und erleben muss, wie der gefühlsselige junge Mann in seinen privaten Aufzeichnungen der Vergewaltigung und dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger das Wort redet, Frauen bis zum Reich der Pflanzen und – darauf muss einer erst mal kommen –: der Nahrungsmittel, Mineralien und chemischen Elemente entmenschlicht, sein ganzes gequirltes Frauenbild philosophisch untermauert und dann vorsichtshalber vom öffentlichen Herumtrompeten ausnimmt.

https://weheklag.wordpress.com/2018/05/11/novalisfrauenbild17x/

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Filetstück 0006: Gelehrsamkeit war Hinnerk sein Fall nicht

Die Welt vermisst schnurrige Geschichten, in denen zwölfjährige Bengel mit aller gebotenen Selbstverständlichkeit Pfeife rauchen.

Wenden wir uns zu seinem 190. Geburtstag an Wilhelm Busch (* 15. April 1832, Wiedensahl). Die ersten beiden seiner Prosawerke – wir haben auf Eduards Traum 1891 und den Schmetterling 1895 aufmerksam gemacht – sind immerhin noch in der gut zugänglichen zweibändigen „Gesamt“-Ausgabe von Rolf Hochhuth 1960 vorhanden, nach seinem letzten Prosastück Meiers Hinnerk 1905 sucht man selbst dort vergebens. Begründet oder auch nur begründbar ist das nicht, aber dafür gibt es ja uns. 

https://weheklag.wordpress.com/2022/04/15/buschmeiershinnerk1905/

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Was bin ich als Kind erschrocken, dass Wilhelm Busch nicht ausschließlich in Reimen reden konnte. Überzeugt war ich erst, als ich die Bilder dazu gesehen hab, die waren eindeutig der Strich aus Max und Moritz und wie sie alle heißen.

Mein Name ist Peter. Ich bin geboren anno dazumal, als man die Fräuleins Mamsellchen nannte und die Gänse noch Adelheid hießen, auf einem einsamen Bauerngehöft, gleich links von der Welt und dann rechts um die Ecke, nicht weit von der guten Stadt Geckelbeck, wo sie alles am besten wissen.

Daselbst in der Nähe liegt auch der unergründliche Grummelsee, in dem bekanntlich der Muddebutz, der langgeschwänzte, sein tückisches Wesen treibt. Frau Paddeke, die alte zuverlässige Botenfrau, hat ihn selbst mal gesehn, wie er den Kopf aus dem Wasser steckte; und scharf und listig hat er sie angeschaut, mit der überlegenen Ruhe und Kaltblütigkeit eines vieltausendjährigen Satans. (…)

Da ich meinerseits, obwohl ich ein stämmiger Schlingel geworden, weder zum Pflügen noch zum Häckerlingschneiden die mindeste Neigung zeigte, schickte mich mein Vater in die Stadt zu Herrn Damisch, dem gelehrten Magister, der mich jedoch bereits nach ein paar Jahren, als nicht ganz zweckentsprechend, bestens dankend zurückgab.

https://weheklag.wordpress.com/2022/02/

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Die Berliner Künstlerin Carolin Gutt — man unterstütze sie zahlreich! — bringt aus ihrem und unser aller Lieblingsland Schottland ein Gedicht zu uns und illustriert es gleich passend.

John Burnside war zuerst Hilfsarbeiter bei den Autozulieferern im ungeliebten England, entwickelte folglich eine Schizophrenie, Alkohol- und Drogensucht,…

Der gute Nachbar

Übs.: Iain Galbraith, aus: Versuch über das Licht, Edition Lyrik Kabinett, Hanser 2011:

Irgendwo in dieser Straße, mir völlig unbekannt,
hinter einem Labyrinth aus Äpfeln und Gestirn,
steht er auf, zu früher Morgenstunde, nimmt ein
Buch: Er lässt sich nieder, am Schreibtisch oder Fenster,
begleitet den Sonnenaufgang, endlich allein –
ohne Namen, ohne Last, glücklich in sich selber.

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Und sie kannte keine Angst (Die Stadt mit den roten Ziegeldächern)

Es mag Boshaftere als mich geben, denen Peter Handke als ausgemachter Dummbeutel gilt. Unter den ganzen kilometerlangen, zentnerschweren Schwurbeleien ohne Sinn, Ziel, Richtung oder Höhepunkt, die sich immer ausnehmen wie unter ihrem Widerstand zu einem „Roman“ zusammengepfercht, hat sich das Anlesen bei genau einer Stelle gelohnt…

weheklag.wordpress.com

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Update zu Ermüdung und Verwirrung des Geistes, Eigendünkel, Unwissenheit und Hochmut,
Coronadvent 2: In den blutbetauten Hallen ihres Schwelggelags und Schlossers fliegendes Schaf:

Wenn Andre vieles um den Einen thun;
So ist’s auch billig, dass der Eine wieder
Sich fleißig frage, was den Andern nützt.

Goethe: Torquato TassoFünfter Aufzug, Erster Auftritt, 1790.

weheklag.wordpress.com

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