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Posts Tagged ‘Brief’

Bayern 2 Hörspiel

Das ungestüme, wild überbordende Textkonvolut Tenderenda, dessen Teile in der Zeit zwischen Herbst 1914 und Juli 1920 geschrieben wurden, ist das „geheime Vermächtnis“ Dadas. Das zweiteilige Hörspiel präsentiert dieses von Ball auch einmal als „Phantastischer Roman“ bezeichnete Werk ohne Kürzungen.

„Ich weiß einige sehr lustige Dinge, die möchte ich gerne aufschreiben. Einiges davon lese ich oben in der Kneipe vor und man freut sich manchmal sehr darüber. Das ist so etwas wie Bruchteile aus einem satirisch-phantastisch-pamphletisch-mystischen Roman. Weiß der Teufel, was für eine Mißgeburt. Aber irgendwie hängts mit der Zeit zusammen.“

schreibt Hugo Ball am 2. Juni 1916 an seinen Freund August Hofmann

2 Teile: Hörspiel Pool

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Sie machen nur Ihren Job: Die Bevölkerungen gegeneinander aufhetzen, die alten Parameter von links und rechts wieder beleben, Sündenböcke finden, Staaten zerschlagen, alles Soziale eliminieren, denn Reiche haben wirklich keine Lust mehr, für Leute aufzukommen, die es nicht geschafft haben, ordentlich zu erben oder irgendeine Scheißplattform zu gründen. Darum gibt es euch.

Ihr seid die VollstreckungsbeamtInnen der Gier, die VollzugshelferInnen in einem Krieg gegen Normal- und GeringverdienerInnen, HenkerInnen des Sozialstaates und Hampelmänner und -frauen …

Ihr pöbelt und hetzt, ihr fördert das Schlechteste im Menschen zutage, und ihr seid ohne Scham…

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/angst-hass-hetze-warum-populisten-vergessen-werden-kolumne-a-1281696.html

 

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In einem realsatirischen Brief vom Mai 1929 betrachtet Karl Valentin seine „jetzige armselige Lage“, wobei er zugleich in allgemeineren Zusammenhängen denkt. Er betont, man könne „stundenlang über die Welt und deren Angehörige kritisieren“. Was sein eigenes Befinden angeht, liest man, wie Valentin mit bitterem Humor die Klippen der Reflexion – und der Rechtschreibung – nimmt: „Amor fati – ja, ja, nein, nein, und doch ist es so, aber genug von dem, es ist immer das gleiche, ob so oder so – ja, ja, es ist schwer, und trotzdem leicht, nicht direkt leicht, ungefähr halbschwer wenn man so sagen darf, warum soll man nicht darfen, es ist unleicht, der miesen Miseere zu entschlüpfen, man steckt eben drinn, und wenn man schon einmal drinn steckt, geht es einem genau so, wie einem, der auch drinn steckt.“ Die valentinesken Gedankenverstrickungen – erstaunlicherweise entstand der Text auf dem Höhepunkt von Valentins Karriere als Komiker – bergen Lebensweisheit…

http://untier.de/wolfgang-schroeder-vom-gaehnen-und-schlucken-des-abgrunds-ulrich-horstmann-karl-valentin-friedrich-hoelderlin-2018/

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Offener Brief von Lifeline an den Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, Horst Seehofer

Betreff: Wir retten Leben, wen retten Sie?

Sehr geehrter Herr Minister Seehofer,

der Presse entnehmen wir, dass Sie sich dafür einsetzen, dass das Schiff unserer Seenotrettungs-NGO beschlagnahmt werden soll und gegen die Crew strafrechtlich ermittelt wird. Wir entnehmen der Presse, dass Sie von „Shuttle“-Service sprechen. Unabhängig davon, dass wir darauf hinweisen wollen, dass wir Menschen im tödlichsten Seenotrettungsgebiet der Welt aus Lebensgefahr retten und dafür angeklagt werden, haben wir einige Anmerkungen und Fragen:

Es fühlt sich beschämend an, dass die Bundesregierung durch die Behinderung der Seenotrettung dazu beiträgt, dass mehr Menschen im Mittelmeer sterben. Haben Sie Studien, eine Statistik oder ein Bauchgefühl, mit dem Sie diese Toten rechtfertigen können?
Stellen Sie sich vor, wie es ist, wenn Menschen gefoltert und versklavt und vergewaltigt werden – ganz bildlich in Libyen. Stellen Sie sich vor, wie diese Menschen in ihrer Verzweiflung alles tun, um Libyen entkommen zu können. Stellen Sie sich vor, dass der einzige Weg ein Schlauchboot ist und dass man für diesen lebensgefährlichen Weg dann noch viel Geld bei kriminellen und gewalttätigen Schlepperbanden bezahlen muss.

Stellen Sie sich vor, dass dort Männer, Frauen und Kinder – die nie schwimmen gelernt haben – auf überfüllten Booten ins Wasser fallen – ohne Schwimmweste. Stellen Sie sich den Kampf gegen das Wasser vor, das langsam aber sicher ihre Lungen füllt, bis sie ertrinken. Stellen Sie sich vor, dass Sie fordern, dass diesen Menschen nicht geholfen wird.

Und wenn Sie bereit sind, sich das vorzustellen und nun sagen: “Aber ohne die Nichtregierungsorganisationen gäbe es das ja nicht”, dann müssen wir Ihnen sagen: Sie liegen falsch. Nicht weil wir eine andere Meinung haben, sondern weil die meisten Menschen in den letzten Jahren gar nicht von NGOs gerettet wurden und weil wir wissen, dass die Menschen auch höhere Risiken eingehen. Wir haben uns als NGOs gegründet, nachdem tausende ertrunken sind – nicht davor. Wir stimmen unsere Einsätze mit der Seenotrettungsleitstelle ab und folgen den Anweisungen und wir sind schockiert über die Vorwürfe, die uns auch von Ihnen gemacht werden. Sie können den Schmerz nicht fühlen, wenn Menschen sterben, denen man helfen könnte. Und Sie können unsere Wut nicht nachempfinden, die wir angesichts einiger öffentlicher Äußerungen der letzten Tage empfinden. Sie reden von Shuttle nach Europa, wo Menschen aus Seenot gerettet werden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn ihre Familienangehörigen in Gefahr wären oder sterben? Wäre es nicht eine Schande?

Wir laden Sie ein. Wir laden Sie ein an einer der Seenotrettungsmissionen teilzunehmen und sich die Situation vor Ort anzuschauen, die Sie nicht kennen. Wir laden Sie ein, sich anzuschauen, wie verzweifelt die Menschen sind, die wir retten und wie sich die Leere anfühlt, wenn Menschen sterben, weil niemand mehr helfen kann. Kommen Sie mit, Sie sind willkommen. Wir sagen Ihnen offen: Wir erwarten, dass Sie mitkommen. Wir erwarten, dass Sie sich der Realität annehmen. Und wir erwarten Antworten.

Sie sagen, wir sollen zur Rechenschaft gezogen werden, doch wir erwarten, dass auch Sie endlich Rechenschaft ablegen. Wir stehen Rede und Antwort, gerne auch vor Gericht. Aber welcher Straftatbestand soll uns vorgeworfen werden? Ist es Ihrer Meinung nach ein Verbrechen, Menschen aus Lebensgefahr zu retten? Ist es ein Verbrechen, das Völkerrecht zu achten? Sollten wir die Menschen nach Libyen bringen und damit eine Straftat begehen?

Achten Sie die Menschen mehr, die gegen uns hetzen, als diejenigen, die vor Ort Menschenleben in Not helfen? Wir retten Menschen. Wen retten Sie? Beten Sie? Wissen Sie, dass in diesem Jahr noch einmal 50.000 Menschen über das Wasser nach Europa geflohen sind? Wissen Sie, dass es nur 17.000 nach Italien waren? Wissen Sie, dass das eine Person pro 10.000 EuropäerInnen ist? Wissen Sie, wie es klingt, wenn Sie über diese Menschen reden – wenn Sie von Wellen, Fluten und Lawinen sprechen? Wissen Sie, dass Sie dazu beitragen, die Realität zu verdecken? Wir dürfen Menschen nicht nach Libyen bringen, auch wenn Sie uns dafür anklagen wollen.

Sie dürften Menschen nicht nach Libyen bringen. Deswegen unterstützen Sie die libysche Küstenwache, die nicht an das Recht gebunden ist, auf das Sie einen Eid geschworen haben. Wollen Sie, dass andere dieses Recht brechen? Unterstützen Sie das? Aber wir sind an dieses Recht gebunden und wir haben keine Scheu dafür auch gegen Widerstände einzutreten.  Wir haben keine Regierungskrise verursacht. Wir haben keine Interessen, außer dass Menschenrechte und Menschenwürde nicht im Fleischwolf des Rechtspopulismus zu Grunde gehen.

Wir wollen Leben retten. Was ist Ihr Interesse? Wen retten Sie? Kommen Sie zu uns und reden Sie mit uns. Beantworten Sie bitte die Fragen. Einzeln und präzise. Kommen Sie her. Sie sind willkommen. – mission-lifeline.de

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Sehr geehrter Herr Dr. Herrmann, ich bedanke mich für die Einladung zur Anhörung am 21.03.2018 zu den Gesetzentwürfen der Staatsregierung für ein Gesetz zur Neuordnung des bayerischen Polizeirechts und zur Änderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes. Im folgenden nehme ich nur zur Änderung des PAG Stellung. Wegen der Kürze der Zeit beschränke ich mich auf einige grundsätzliche Aspekte, dabei habe ich in erster Linie aus der Sicht der betroffenen BürgerInnen argumentiert…
Die Zusammenschau dieser Befugnisse ergibt das Bild einer praktisch vollkommenen Kontrolle der Polizei über die Existenz der betroffenen BürgerInnen, ihre Privatsphäre, ihre Lebensweise und ihren Aufenthaltsort , ihre Kommunikation mit Freunden und Geschäftspartnern, die Personen, mit denen sie sich treffen und nicht zuletzt die Verfügungsmacht über ihr Vermögen. Wer hier an George Orwell denkt, liegt nicht falsch.

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Dazu gibt es Kritik, und das hat die eBuch-Genossenschaft zu diesem offenen Brief veranlasst: Sehr geehrte Frau Springer, sehr geehrter Herr Döpfner, die Axel Springer SE verleiht den Axel Springer Award 2018 an Jeff Bezos, Amazon. In der Begründung heißt es:

„Der Axel Springer Award zeichnet herausragende Persönlichkeiten aus, die in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern, die Kultur prägen und sich gleichzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen.“
Die zwei letzten der vier genannten Gründe treffen hier ganz sicher nicht zu. Oder hatten Sie beim Wort “Kultur” tatsächlich an eine ökonomische “Kultur” gedacht? Wenn ja, ist es nicht so, dass Herr Bezos die gewachsene Kultur des kaufmännischen Mittelstandes zerstört und so die Spaltung der Gesellschaft in die wenigen Vielverdiener, die sogenannten “High Potentials”, und die vielen, vielen gering Entlohnten, die Päckchenpacker und Paketboten voran- und damit einen Keil in die Gesellschaft treibt? buchmarkt.de

 

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BUCH DER FREUNDE XXV

Wir erleben eine Epoche, die sich mit keiner früheren vergleichen lässt. Es genügt heute nicht, ein Heiliger zu sein; es bedarf der Heiligkeit, die der gegenwärtige Augenblick fordert, einer neuen Heiligkeit, wie es sie früher nie gegeben hat. Ein neuer Typus der Heiligkeit, das ist wie der Ausbruch eines innersten Quells, das ist eine Erfindung.
Es ist beinahe so etwas wie eine neue Offenbarung des Weltalls und der menschlichen Bestimmung. Es ist die Freilegung eines weiten Bereiches von Wahrheit und Schönheit, der bis dahin unter einer dicken Staubschicht verborgen war. Hierzu bedarf es eines grösseren Genies, als Archimedes es brauchte, um die Mechanik und die Physik zu erfinden. Eine neue Heiligkeit ist eine sehr viel wunderbarere Erfindung.

Nur eine Art von Perversität kann die Freunde Gottes veranlassen, sich dessen zu berauben, dass sie Genie haben; denn um einen Überreichtum an Genie zu empfangen, genügt es, dass sie es im Namen Christi von ihrem Vater erbitten. Dies ist, wenigstens heutigen Tages, eine berechtigte Bitte, denn sie ist notwendig. Ich glaube, dies ist, in dieser Form oder in irgendeiner gleichwertigen, heute die erste Bitte, die man alle Tage, alle Stunden tun sollte, wie ein hungriges Kind immer nach Brot verlangt. Die Welt bedarf der genialen Heiligen, wie eine Stadt, in der die Pest wütet, der Ärzte bedarf.- nootheater

 

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Es ist die Geschichte eines Briefes, die hier erzählt werden soll. In seiner Wohnung im Kreml diktiert ihn Nikolaj Iwanowitsch Bucharin 1937 seiner jungen Frau Anna Larina. Auswendig gelernt, um ihn der Stalinschen Geheimpolizei zu entziehen, bleibt er bis Ende der 80er Jahre unbekannt, als Anna Larina Bucharina ihn den Kommunisten der Zukunft zuzustellen sucht. Zuvor aber durchläuft dieser Brief Stationen, in denen er im 20.Jahrhundert seine Spuren hinterlässt: Arthur Koestlers Roman Sonnenfinsternis aus dem Jahr 1946 etwa, der die Kommunistische Partei Frankreichs in eine ernsthafte Krise stürzte, der sie sich zu erwehren suchte, indem sie große Teile der Auflage aufkaufte und vernichtete; oder ein Buch des französischen Phänomenologen Maurice Merleau-Ponty, das sich 1947 unter dem Titel Humanismus und Terror mit Koestler und den Moskauer Schauprozessen auseinandersetzte; nicht zuletzt aber die Lebenserinnerungen Anna Larina Bucharinas selbst, die 1989 unter dem Titel Nun bin ich schon weit über zwanzig erschienen. – Zum 100.Jahrestag der Oktoberrevolution erinnern wir an einen anderen, der ihn wie ein Schatten begleitet: den 80. Jahrestag der „Moskauer Schauprozesse“. – agoradio.de

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Seit 2015 berichtet Deniz Yücel für die WELT aus der Türkei. Seit März sitzt er in Einzelhaft – und würde gerade jetzt so gerne arbeiten. Seinen Anwälten hat er diktiert, was man so alles schreiben müsste.- Welt.de

 

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