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Posts Tagged ‘Barry Stevens’

Ich war mit einer Frau zum Essen verabredet, die ich von früher her kannte. Damals hatte sie etwas sehr Rebellisches, und ihr Leben war von großer Unsicherheit geprägt gewesen. Während des Essens zeigte sich, daß sie ihren rebellischen Geist aufgegeben und jene Art von Sicherheit erreicht hatte, die sich darin äußert, daß man ein nettes Haus, ein gutes Einkommen und einen zuverlässigen Ehemann sein eigen nennt. Über Schwierigkeiten wurde nicht gesprochen. Alles war so richtig nett, und ich wurde traurig. Ich sagte mir, daß es in Ordnung sei, daß sie sich für diesen Weg entschieden hatte, und es war ja in der Tat sehr nett und angenehm und ganz bequem so. Ich war den ganzen Abend hindurch sehr »nett« (glaube ich). »Bring hier nichts durcheinander!« – Dieser Satz lag so klar und deutlich in der Luft. Wie Äther atmete ich diesen Satz und schläferte mich damit ein.

Sie fuhr mich nach Hause. Als sie fort war, bemerkte ich, daß ich eine Melodie summte, die ich nicht zuordnen konnte. Ich summte weiter, bis zum Schluß; erst da merkte ich, was mein organismisches Selbst da tat. Am Ende der Melodie kamen mir die Worte in den Sinn: »Armer Schmetterling«. Ich fühlte meine Traurigkeit, und sie war echt….

http://www.gestalt.de/stevens_river.html

 

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Gestalt ist – wie der Kreislauf des Blutes. Wir können seine natürliche Funktion verfolgen, wir können sie aber nicht verbessern.

William Harvey entdeckte den Kreislauf des Blutes. Fünfhundert Jahre später wurde seine Entdeckung anerkannt. Gestaltprinzipien tauchten während der Menschheitsgeschichte immer wieder auf, und die Möglichkeiten, durch die Eingriffe in unsere natürlichen Funktionen wieder aufgehoben und ausgeglichen werden, nehmen immer neue Formen an. Perls bezeichnete sich selber als „Veredler der Gestaltarbeit“. In der Gestalttherapie werden die von ihm erfundenen oder verbesserten Techniken angewendet, um uns für unser natürliches Funktionieren frei zu machen und durch diese Befreiung zu erleben, was Gestalt ist. Dies ist nur durch Erfahrung möglich – durch meine Erfahrung von mir. Der Gestaltprozeß kann niemals adäquat zu Papier gebracht werden. Einleuchtende Beschreibungen müssen zwangsläufig in die Irre führen…,.. http://www.gestalt.de/stevens_koerperarbeit.html

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Bei einer gestalttherapeutischen Fantasiereise vor vielleicht einem Jahr bekam ich zum Abschluß die Anweisung, einem Mann im Laden etwas zum Ausgleich zu geben für das, was ich mir von ihm genommen hatte. In der Fantasie sagte ich ihm: „Es gibt nur eines, was ich Ihnen geben möchte, und das wegzugeben bringe ich kaum fertig.“

„Um was handelt es sich denn?“, fragte er. Und ich antwortete:

„All die vielen Worte und Gedanken in meinem Kopf.“

„Oh“, sagte er, „die sind nichts! Geben Sie sie mir alle, wann immer sie möchten.“ Dabei machte er eine Geste, daß ich sie ihm jederzeit hinschütten könne, und er wiederholte, „Sie sind nichts.“ Nun sah ich sie wie einen Dampf, der keinen festen Raum einnimmt und sich geschwind verflüchtigt ohne jede Spur. Wie erleichternd! Bisher waren sie mir so schwer erschienen, als wären sie Gegenstände in meinem Kopf, aber in Wirklichkeit waren sie einfach nichts. gestalt.de

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Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik (Heft 1-1999):

Barry Stevens wurde 1902 in New York geboren und starb 1985 in Meridian, Idaho. Sie führte ein ungewöhnliches, unkonventionelles Leben, das schon vor ihrem Kontakt mit Gestalttherapie durch ein Begreifen der Bedeutung von Bewußtheit für ihr Leben gekennzeichnet war. Leben mit Bewußtheit im Gegensatz zu Leben nach Regeln könnte man als ihr „Lebensthema“ bezeichnen. 

Barry Stevens ist in erfrischender Weise nicht-autoritär und herrschaftskritisch. Sie trägt in ihrer persönlichen Art die rebellische, gesellschaftskritische Grundhaltung der Gestalttherapie weiter, wachsam und höchst sensibel gegenüber jeder Form von Herrschaftsausübung, Überwältigung und Entfremdung des Individuums. Dabei verfällt sie keiner isolierenden Selbst-Genügsamkeit, sondern sie bleibt gesellschaftsfähig und erhält sich ihre Vorstellung von Gemeinschaft und Mitteilen.

1967 begegnete sie zum ersten Mal Fritz Perls und damit der Gestalttherapie. Sie war zu dem Zeitpunkt 65 Jahre alt. Auf Anregung ihres Sohnes John nahm sie an einem Workshop mit Fritz Perls in San Francisco teil. Als Fritz Perls 1969 die USA verließ und sein Projekt des Gestalt Institute of Canada am Lake Cowichan in der Nähe von Vancouver begann, fuhr sie ebenfalls dorthin und begann dort ihre Gestalttherapie-Ausbildung. Ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Überlegungen aus dieser Zeit bildeten die Grundlage für ihr Buch Don’t Push The River.

http://www.gestalt.de/kranz_b_stevens.html

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Leseprobe 3: Am Anfang war ich eine Person, die nichts kannte als ihre eigene Erfahrung. Dann erzählte man mir etwas, und ich wurde zwei Personen: das kleine Mädchen, das sagte, wie schrecklich es sei, daß die Jungen auf dem Grundstück nebenan ein Feuer machten, an dem sie Äpfel brieten (das war das, was die Frauen sagten) – und das kleine Mädchen, das hinauslief, wenn die Jungen von ihren Müttern gerufen wurden, um einkaufen zu gehen, und das Feuer und die Äpfel hütete, weil es das gerne tat.

Da gab es also zwei Ich’s.

Das eine Ich tat immer etwas, das das andere Ich mißbilligte. Oder das andere Ich sagte etwas, das ich mißbilligte. So viel Streit in mir!

Am Anfang war Ich, und Ich war gut.

Dann trat das andere Ich auf den Plan. Die Autorität von außen. Dies war verwirrend. Und dann wurde das andere Ich sehr verwirrt, weil es so viele verschiedene äußere Autoritäten gab.

Sitz ordentlich! Geh aus dem Zimmer, um dir die Nase zu putzen! Tu das nicht, das ist albern! Nein, das arme Kind weiß nicht einmal, wie man einen Knochen abknabbert! Zieh nachts auf der Toilette ab, denn wenn du es nicht tust, ist es schwerer, sie zu reinigen! Zieh nachts nicht ab – du weckst die anderen auf! Sei immer nett zu den Leuten; selbst, wenn du sie nicht magst, darfst du ihre Gefühle nicht verletzten! Sei offen und ehrlich; wenn du den Leuten nicht sagst, was du über sie denkst, ist das feige! …

gestalt.de/

 

 

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Da gab es also zwei Ich. Das eine Ich tat immer etwas, das das andere Ich missbilligte. Oder das andere Ich sagte etwas, das ich missbilligte. Soviel Streit in mir! Am Anfang war ich, und Ich war gut. Dann trat das andere Ich auf den Plan. Die Autorität von außen. Dies war verwirrend. Und dann wurde das andere Ich sehr verwirrt, weil es so viele verschiedene äußere Autoritäten gab. (jetzt folgen zwei Beispiele: Sitz ordentlich! – Das Wichtigste ist …) Das Wichtigste ist das zu tun, was andere sagen … Die ganze Zeit über sagte Ich: lebe das Leben; das ist es, was wichtig ist.

Aber wenn Ich das Leben lebt, sagt das andere Ich: nein, das ist schlecht. All die verschiedenen anderen Ichs sagen das. Es ist gefährlich. Es ist nicht praktisch. Du wirst ein schlimmes Ende nehmen. Natürlich … jeder hat sich schon einmal gefühlt wie du; aber du wirst es noch lernen!

(Aus meinem Leben, Gestaltkritik 2/2011)

http://www.gestalt.de/stevens_river.html

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Gestalttherapie, Bewußtheit und Körper 

Hinweise auf Beiträge und Bücher von Barry Stevens:

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