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Posts Tagged ‘Am Erker’

Ich habe mich immer gefragt: Warum erklärten die Dadaisten oder Surrealisten alle möglichen Gegenstände zur Kunst, ohne das auswählende Subjekt in den Mittelpunkt zu rücken? Also warum sollte man es nicht auf die Spitze treiben und das Kunst setzende Ich nicht ins Zentrum eines Werkes stellen, an dem schließlich ein Leben lang gearbeitet wird. Ein einzelnes Kunstwerk im üblichen Sinne hat man vergleichsweise schnell fertiggestellt; derartige Produktionen sind aber nur Abfallprodukte der lebenslänglichen Arbeit am eigenen Bewusstsein. Ich habe aus all solchen Gedanken die Konsequenz gezogen: Nicht nur ein vereinzeltes Objekt, eine einzelne Aktion, eine entäußerbare und veräußerbare Handlung sollte jetzt das Kunstwerk sein, sondern ich bin mein Werk, mein Lebens-Werk, mit allem, was damit zusammenhängt. – https://amerker.de/int33.php

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Herr Wagenbach, was hat Sie auf die Idee gebracht, Bücher verlegen zu wollen?

Das ist eine Frage, die weit zurückführt. In der Nachkriegszeit stieß man als armer Schüler auf dem Weg zu einem anständigen Buch notwendigerweise auf zwei Serien: Rowohlts Rotations Romane und S. Fischers Bibliothek. In der S. Fischer Bibliothek fanden sich Titel wie Hesses Narziß und Goldmund, der Klassiker für Achtzehnjährige, und bei Rowohlt erschienen viele Amerikaner, Faulkners Licht im August oder John Steinbecks Straße der Ölsardinen.

https://amerker.de/int28.php

Es gab eine Leipziger Buchmesse 1913. Da ist ein Buch erschienen, das niemand beachtet hat. Dazu sind gerade mal zwei Rezensionen erschienen. Die waren auch noch verkehrt, und mein armer Kollege, in diesem Falle Kurt Wolff, hat an diesem Buch mit einer jämmerlichen Auflage von achthundert Stück zwölf Jahre lang verkauft. Nur: Das Buch war von Franz Kafka. Also, in dem Moment, in dem es passiert, weiß man es nicht.

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Am Erker: Bevor Sie Schriftsteller wurden, waren Sie als Maler und Zeichenlehrer tätig. Gab es einen besonderen Grund für diesen Wechsel?

John Berger: Das muss 1951 oder 1952 gewesen sein. Und der Grund dafür war die weltpolitische Lage. Es hatte nichts mit fehlendem Talent zu tun. Ich war gerne Maler und zufrieden mit dem, was ich tat. Aber in dieser Zeit schien die Drohung eines nuklearen Krieges sehr, sehr nah. Viel näher, als man sich heute erinnert oder sich vorzustellen vermag. Und es gab Hunderttausende, die sich dessen bewusst waren. Die unmittelbare Gefahr bestand in einem Präventivschlag durch Washington, da die Sowjetunion damals noch keine Nuklearwaffen besaß. Selbst bekannte Schriftsteller und Intellektuelle schrieben skandalöse Artikel, in denen sie einen Präventivschlag befürworteten und ernstlich eine Bombardierung Moskaus in Erwägung zogen. In dieser Situation hatten viele von uns das Gefühl, sie hätten nur noch wenige Monate zu leben… – http://www.am-erker.de/int30_berger.php

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