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Posts Tagged ‘Achgut’

 Im Frühling 1915, kein Jahr nach Ausbruch des ersten Weltkrieges schrieb Sigmund Freud einen Text über den Krieg, auf den ich vor Kurzem gestossen bin – und den ich nicht mehr vergessen kann. «Zeitgemässes über Krieg und Tod», lautet der Titel. Es lohnt sich, den Text wieder zu lesen, gerade heute, in unserer Zeit des nahenden Umbruchs.

Was Freud vielleicht am meisten verstörte, war der unverzügliche und vollständige Absturz der europäischen Zivilisation in die Hölle, einer Zivi­lisation, die sich nicht nur auf ihre wissenschaft­lichen und ökonomischen Errungenschaften so viel eingebildet hatte, sondern auch auf ihre ­globalisierte Moral, ihre Toleranz, ihre Rechtsstaatlichkeit und politische Vernunft, ihre vielen völkerrechtlichen Verträge. Dass ausgerechnet diese Länder Europas nun über einander herfielen, auf eine Art, die dem ethischen Niveau der Völkerwanderung oder von Dschingis Khan entsprachen: Es war unfassbar.

„Von den grossen welt­beherrschenden Nationen weisser Rasse, denen die ­Führung des Menschengeschlechtes zugefallen ist, die man mit der Pflege weltumspannender Interessen beschäftigt wusste, deren Schöpfungen die technischen Fortschritte in der Beherrschung der Natur wie die künstlerischen und wissenschaftlichen Kulturwerte sind, von diesen Völkern hatte man erwartet, dass sie es verstehen würden, Misshelligkeiten und Interessenkonflikte auf anderem Wege zum Austrage zu bringen.“

Das alles galt auf einmal nicht mehr. Von ­Staates wegen wurde nun gelogen, betrogen, gestohlen, misshandelt, gemordet und getötet.- achgut

(PS: Henryk M. Broder und andere schreiben auf dieser Seite. Das erwärmt mich nicht im geringsten, nun denn …)

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