Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Lesen’ Category

Woody Allen once lauded Ingmar Bergman as “probably the greatest film artist, all things considered, since the invention of the motion picture camera” – yet he is also the most misunderstood. Ten years after Bergman’s death, the received wisdom about his work continues to obscure his legacy, and discourages new audiences from discovering his achievements.

The obituaries a decade ago were predictably clichéd: Bergman’s films are ‘morbid’ and ‘pitiless’, ‘a long, dark night of the soul‘. Yet the primary theme of Bergman’s work – the thread that links all his films together, across genres – is not death but the redemptive possibility of love. His bleakest visions relate not to mortality but to isolation and rejection; in particular, to unrequited love.- BBC

Read Full Post »

Als Johann Wolfgang Goethe sich am 3. September 1786, früh drei Uhr, aus Karlsbad fortstahl, um nach Italien aufzubrechen, holte er etwas nach, das er nach dem Willen seines Vaters schon früher hätte unternehmen sollen. Die Italienreise gehörte im 18. Jahrhundert als Kavalierstour zum festen Bestand der vornehmen Erziehung. Schon Johann Caspar Goethe hatte diese unter anderem aus der Tradition der Pilgerreisen des Mittelalters entstandene Tour unternommen, und der Romaufenthalt Winckelmanns verschaffte ihr einen erneuten Popularitätsschub. So war es kaum verwunderlich, daß Goethe in Italien eine größere deutsche Künstlerkolonie vorfand, deren Mitglieder, unter ihnen Tischbein, er kennenlernte. Von den bekannteren Schriftstellern seiner Zeit war er bei weitem nicht der einzige Rombesucher; Lessing, Herder, Karl Philipp Moritz, Johann Gottfried Seume und andere machten ebenfalls eine solche Reise. Für die Nachwelt im 19. Jahrhundert war es vor allem Goethe, dessen Italienische Reise traditionsbildend wirkte.

Doch nicht auf den Stipendiaten der Villa Massimo: Rolf Dieter Brinkmann. In der Studie “Dieses Arkadien ist die reinste Lumpenschau”. Goethe und Rom in Rolf Dieter Brinkmanns Rom, Blicke untersucht Hans-Edwin Friedrich den eher traditionsbrechenden, von einer Verweigerungshaltung geprägten kontrastreichen Gegentext zu Goethes Beschreibungen arkadischer Ideallandschaften. hier und dort:

http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/friedrich_brinkmann.pdf

 

Read Full Post »

in: Vorwärts, 7.1., 8.4., 3.6., 24.6. 1900; 20.3.1904

Man kann unserer Zeit und unserem Deutschland jeden Vorwurf anheften, nur den einen nicht, daß man sich übermäßiger Gefühlsweichheit hingebe. Im Gegenteil: Die Anklage, wir seien ein Volk von Dichtern und Denkern, wird als die schwerste Beleidigung empfunden. Energie ist alles, und die Gewalt der stärkeren Muskeln – seien sie von Fleisch, Stahl oder Gold – regiert, den humanitätsduseligen Schlappiers zum Trotz. Wir achten nicht das Selbstbestimmungsrecht fremder Völker, sondern wir kultivieren sie mit Schnaps, Blei, Strick und Bibel. Wir vernichten unzähliges Leben, zertreten es in Not und Siechtum. Wir legen den freien Geist an die würgenden Ketten wirtschaftlicher Abhängigkeit. Wir beten zum Kleinkalibrigen und Panzerschiff und erstreben nur ein Ziel: so stark zu sein, um völlig rücksichtslos sein zu dürfen. Das tun wir alles und schämen uns nicht. Lachend schreiten wir über die Leiber und Seelen derer, die man im veralteten Deutsch der Heiligen Schrift Nächste nennt, während sie für die realpolitische Betrachtung Konkurrenten, Feinde sind.

Die Verletzung der Person, die Beeinträchtigung, Schädigung und Zerstörung fremden Daseins erscheint inmitten unseres Kulturlebens in mannigfachen Arten. Dabei ist das Maß der Schädlichkeit durchaus nicht das Maß der Beurteilung. Der im Krieg organisierte Massentotschlag erscheint wie ein furchtbares, unentrinnbares, in seiner erbarmungslosen Gewalttätigkeit zugleich heroisches Schicksal; und wenn die Kraft und Blüte eines Volks sinnlos geopfert wird – was gilts, die Geschichtsfabulisten weisen uns die historische Notwendigkeit des glorreichen Ereignisses nach (…).

Aus unzähligen Rinnsalen läßt der giftmischende Kapitalismus unablässig Tod und Siechtum in die Leiber der besitzlosen Arbeitssklaven strömen. Wir begnügen uns, bedauernd die Berufskrankheiten zu beschreiben, die frühes Sterben bewirken, und, an die grausige Erscheinung wie an ein Unvermeidliches gewohnt, werden wir uns kaum völlig bewußt, daß diese Massenvergiftung, die der Mehrheit der Menschen den größeren Teil des von der Natur gewährten Lebens widernatürlich raubt, das fluchtwürdigste Verbrechen ist. (1900) mlwerke.de

Read Full Post »

Subtil nistet die Gewalt bereits in Strukturen, deren Rechtsordnung zum Schweigen nötigt, was in deren Idiom nicht zur Sprache kommen kann. Eine Kritik der Gewalt sucht deshalb die Bruchstellen auf, an denen die Verfügungen des Rechts ein solches Schweigen erzwingen wollen und beständig erneuern. Deshalb sind dieser Kritik die Beziehungen zentral, die zwischen der Gewalt und der Sprache bestehen. Keineswegs legitimiert sie den sprachlosen Gewaltexzess, der selbst zum Teil einer herrschenden „Eventkultur“ wurde, wenn er Figuren einer Selbstermächtigung feiert, die sich an sich selbst berauscht. Zu keinem Zeitpunkt vergisst eine Kritik der Gewalt, was sie Walter Benjamin verdankt: „dass es eine in dem Grade gewaltlose Sphäre menschlicher Übereinkunft gibt, dass sie der Gewalt vollständig unzugänglich ist: die eigentliche Sphäre der ‚Verständigung‘, die Sprache.“

agoradio.de/-sendungen

Manuskripte zum Download:

Wo der Daumen rechts ist

Sublimation und Gewalt

Göttliche Gewalt

Split Screen

Read Full Post »

Die Drohung des Sinnverlustes kann als Zweifel beschrieben werden. – Der Zweifel als zerstörerische und zugleich schöpferische Funktion. ( In den Zen-Gedanken des Lu Kuan Yü) In jeder Frage ist ein Element des Zweifels, nämlich das Bewusstsein des Nicht-Habens. In systematischen Fragen drückt sich systematischer Zweifel aus. Diese Art des Zweifels ist eine Voraussetzung allen geistigen Lebens…

Der Zweifel entspricht der Trennung des Menschen vom Ganzen der Wirklichkeit, seinem Mangel an universaler Partizipation, der Isolierung seiner individuellen Existenz. Manch einer entgeht dem Wagnis des Fragens und Zweifelns, indem er das Recht zu fragen und zweifeln aufgibt. Er gibt sich auf, um sein geistiges Leben zu retten. Er „flieht vor der Freiheit“ (Erich Fromm), um der Angst vor der Sinnlosigkeit zu entgehen. Nun ist er nicht mehr einsam, nicht mehr in Verzweiflung, er partizipiert an etwas und bejaht durch diese Partizipation die Inhalte seines geistigen Lebens.

Der Sinn ist gerettet, aber das Selbst ist geopfert.

Und da der „Sieg“ über den Zweifel ein Opfer bedeutet, das Opfer der Freiheit des Selbst, hinterlässt er ein Stigma auf der wiedergewonnenen Freiheit in Form einer fanatischen Selbstbehauptung (#Egoismus) – Fanatismus ist das Korrelat der geistigen Selbstaufgabe: die Angst, die der Mensch besiegen wollte, zeigt sich jetzt darin, dass er mit übermäßiger Heftigkeit jeden angreift, der ihm nicht beistimmt  … (E. Fromm) (Zettelkasten)

Read Full Post »

in: Der Zukunftsstaat der Junker. Manteuffeleien gegen die Sozialdemokratie im preußischen Herrenhaus am 11. und 13. Mai 1904, Berlin 1904, S. 3-10

Der sozialdemokratische Dreimillionen-Sieg hat auf die herrschenden Klassen einen weit tieferen Eindruck gemacht, als sie äußerlich zugaben. Die unmittelbare Wirkung war der Zusammenschluß nach rechts.

Heimliche Intrigen und dann auch öffentliche Angriffe richteten sich zunächst gegen das Reichstagswahlrecht. Die unterirdischen, weit verzweigten Verschwörungen gegen das Wahlrecht wurden aufgedeckt, auch nationalliberale Abgeordnete wurden als Mitschuldige entlarvt. Bald zeigten sämtliche Parteien ihren Haß gegen das Wahlrecht. Im preußischen Abgeordnetenhaus verstanden sich die Freisinnigen zu einem Reformantrag, dessen Endergebnis noch eine Verschlechterung des Dreiklassensystems zuungunsten des in Preußen parlamentarisch rechtlosen Proletariats sein muß. Der Führer des Zentrums, das seine Zuverlässigkeit in der Wahlrechtsfrage immer beteuert, Herr Dr. Bachern, sprach am 23. Januar 1904 im preußischen Abgeordnetenhaus gegen die Demokratisierung des preußischen Wahlrechts, »weil doch das bestehende Reichstagswahlrecht auch als das reine Ideal nicht anerkannt werden kann, und es doch, wie es sich gezeigt hat. Mißstände mit sich bringen kann. Mißbräuchen einen gewissen Raum bringt«. Der nationalliberale Abgeordnete Menk blies das große Wecken gegen das Wahlrecht des Umsturzes. Von der Partei gerüffelt, erklärte er keck, wie er dächten alle, sie seien nur zu feige dazu, es öffentlich zu sagen. Um den Schein zu wahren, schloß man ihn aus der Fraktion aus – eine doppelte Bestätigung für Herrn Menk, eine Bekräftigung nationalliberaler Feigheit und nationalliberaler Herzenswünsche.

Daneben wiesen andere Erscheinungen den Weg. Die Arbeitgeber schlössen sich zu Trutzbünden zusammen. Im Reichstag fanden sich die bürgerlichen Parteien bei jedem unmöglichen Anlaß gegen die Sozialdemokratie in Ausbrüchen dummen und fanatischen Hasses. Während sozialdemokratische Mandate unsinnigerweise für ungültig erklärt wurden, weil gegen unsere Partei Wahlbeeinflussung getrieben wurde, bestätigte man das Mandat eines Herbert Bismarck, der es lediglich durch gröbste Ungesetzlichkeiten gewann.- mlwerke.de

 

Read Full Post »

In unseren Lesebüchern stand die Fabel vom alten Mann, der auf dem Sterbebette den Söhnen weismacht, in seinem Weinberg sei ein Schatz verborgen. Sie sollten nur nachgraben. Sie gruben, aber keine Spur von Schatz. Als jedoch der Herbst kommt, trägt der Weinberg wie kein anderer im ganzen Land. Da merken sie, der Vater gab ihnen eine Erfahrung mit: Nicht im Golde steckt der Segen sondern im Fleiß. Solche Erfahrungen hat man uns, drohend oder begütigend, so lange wir heranwuchsen entgegengehalten: »Grüner Junge, er will schon mitreden.« »Du wirst’s schon noch erfahren.« Man wußte auch genau, was Erfahrung war: immer hatten die älteren Leute sie an die jüngeren gegeben. In Kürze, mit der Autorität des Alters, in Sprichwörtern; weitschweifig mit seiner Redseligkeit, in Geschichten; manchmal als Erzählung aus fremden Ländern, am Kamin, vor Söhnen und Enkeln. — Wo ist das alles hin? Wer trifft noch auf Leute, die rechtschaffen etwas erzählen können? textlog.de

Read Full Post »

Older Posts »