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Archive for 4. Juni 2020

(Gründung 1927 – Auflösung 1934). Wenn es jemals so etwas wie den ultimativen Prototyp für eine Band und eine Musik gegeben hat, vor deren unheilvollen Wirken und moralzersetzenden Einfluss weiße Südstaaten-Eltern der 20er und 30er Jahre ihren schnieken Nachwuchs nachdrücklich gewarnt haben, dann müssten die Mitglieder dieser Band ausgesehen haben, wie die aus dem irrlichternden Fundus der Waldschrate und Malefizkerle sich rekrutierende Belegschaft der MEMPHIS JUG BAND … und die Musik muss geklungen haben, wie die lustvoll-zirzensischen Kapriolen eben dieser schratigen Kapelle.

Weit davon entfernt virtuos zu sein – ihre Songs sind eher rustikaler Kartoffeldrucke als fein ziselierte Radierungen – entfesselt die Band ein Festival der schiefen Töne und klingt dabei so lebensfroh, viril und so herrlich besoffen, als hätten die kauzigen Sonderlinge den namensgebenden „Jug“ (Tonkrug) erstmal ausgesoffen, bevor sie darauf den stampfenden Beat zu ihrer rustikal-breitbeinigen und von schrägem Karzoo-Gezirpe durchwachsenen Musik geblasen haben.
Die Dynamik die sie dabei entwickelten muss die moralischen Tugendwächter und bigotten Rassisten wohl auf die Barrikaden getrieben haben – im Gegensatz zum wohlgelittenen postkoitale Timbre in der Stimme eines Gene Autry (Beispiel), wurde die promiskuitive Vitalität und der leidenschaftlich-lustvolle Vortrag der MEMPHIS JUG BAND von kaukasische Moralaposteln als einigermaßen pornographisch empfunden und als primitive, höchstens am Saum der Menschheit vegitierende „Nigger-Musik“ deskreditiert …

Die Kunst der MEMPHIS JUG BAND war und ist wahrlich nichts für Menschen, die sich von Tafelkreide ernähren – sie ist immer noch fetter als altes Frittenfett und geht immer noch ab wie ein Tropfen in der heißen Pfanne.
Es ist eine Musik, die flimmert wie ein Film, der sich laufend aus dem Fokus schiebt. Sie ist ohne Zierrat und so schnörkellos wie ein Hackstock, auf dem die musikalischen Laubsägearbeiten distinguierter Klangerzeuger zu Kleinholz verarbeitet wird.
Es ist eine Musik, zu der man sich zumindest einbilden kann, dass man, durch sie hindurch, bis auf Herzensgrund ihrer Erzeuger schaut…

*Es gibt davon auch, wenn es dich interessiert, eine grossartige Rap-Coverversion … da merkt man schön, worin diese Art von Musik auch wurzelt:

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Mit „Emil und die Detektive“ revolutioniert Erich Kästner (1899-1974) die Kinderbuchliteratur. 1933 werden seine Bücher verbrannt. Dennoch wandert er nicht aus, veröffentlicht unter Pseudonym. In der Nachkriegszeit ist Kästner eine moralische Instanz. Doch bis zu seinem Tod hadert er damit, nicht ins Exil gegangen zu sein. Ein neuer Blick auf das Bild von Kästner…

https://www.arte.tv/de/videos/060191-000-A/erich-kaestner-das-andere-ich/

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