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Archive for 29. Januar 2017

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Weltweit wird heute der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Warum heute? Weil heute vor 72 Jahren das Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau befreit wurde.

Ich nehme immer öfter ein immer lauteres, immer unverhohleneres Murren wahr, dass man „die ganze Sache“ doch endlich mal ruhen lassen sollte. Meistens mit dem Argument, man hätte „die ganze Sache“ jetzt schon tausend Mal gehört. Nun, zu „der ganzen Sache“ will ich euch eine kurze Geschichte erzählen, die vielleicht neu ist für euch.

Es ist die Geschichte von Czesława Kwoka, die ihr hier auf dem Bild seht. Als das Foto gemacht wurde, war sie gerade einmal 14 Jahre alt. Der Fotograf, der die Aufnahmen gemacht hat, hieß Wilhelm Brasse, war auch ein Häftling und schreibt in seinen Memoiren:

„Ich erinnere mich sehr gut an das Bild von diesem Mädchen, weil es noch so jung aussah. Das Mädchen. So entwaffnend, als Mädchen, als Gefangene, die ein Kopftuch trug. Sie sah noch gut aus, nicht abgemagert. Immer wieder wurden spezielle Nummern aufgerufen. Aber auf Deutsch. Und dieses Mädchen hat einfach nicht verstanden, was da vor sich ging und was zu ihr gesagt wurde. Und dann hat diese Aufseherin… ich sah dies in mehreren Fällen… mit einem Stock zugeschlagen, sie ins Gesicht geschlagen…“

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In seinen späteren Aufzeichnungen und weiteren Interviews wiederholte Wilhelm Brasse diese Darstellung immer wieder. Das junge Mädchen habe dann vor den fotografischen Aufnahmen versucht, sich die Tränen und das Blut vom Gesicht abzuwischen und in einer Mischung aus Stolz und Entsetzen in die Kamera geschaut. Er bedauere, dass er nicht habe helfen können.

Czesława Kwoka wurde am 13. Dezember 1942 in Auschwitz erfasst. Drei Monate später, am 12. März 1943 war sie tot. Czesława Kwoka war eine polnische Katholikin. Ihr einziges „Verbrechen“ bestand darin, in einem Dorf in einem Landstrich zu wohnen, den die Deutschen „germanisieren“ wollten.

Das nächste Mal, wenn ihr jemanden sagen hört, dass man „die ganze Sache“ ruhen lassen sollte: erzählt ihm oder ihr diese Geschichte. Das nächste Mal, wenn Menschen als „removable Aliens“ bezeichnet werden: erzählt diese Geschichte. Das nächste Mal, wenn Menschen mit „Höhlenmenschen“ oder „Wespenlarven“ verglichen werden, erzählt die Geschichte.

Weil so fängt es an. Und es endet damit, dass sich plötzlich genügend Männer und Frauen finden, die bereit sind, einem 14-jährigen Mädchen ins Gesicht zu schlagen und es dann krepieren zu lassen.

Ruhe in Frieden, Czesława. Ich denk an dich.

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