T`ai Chi Ch`uan ist eine alte chinesische Bewegungskunst. Die Ausübung ist vielseitig: Schulung des Körperbewußtseins, Entspannungs- und Atemübung, eine sanfte Art der Selbstverteidigung sowie Meditation in Bewegung. T´ai Chi Ch`uan ist aus der Inneren Schule hervorgegangen, (618-907 n. Chr., Tang Dynastie) nach deren Erkenntnis die innere Kraft oder Lebenskraft Chi ( oder Qi ) am besten durch sanfte, fließende Bewegungen entwickelt wurde. Die Anwendung jeglicher physischer Kraft ist ein Hindernis für eine tiefergehende Entwicklung. Es gilt das Prinzip, das Harte durch das Sanft-Nachgebende zu überwinden. So steht die Innere Schule im Gegensatz zur Äußeren Schule, der die meisten Gong Fu Arten wie das Shaolin zugerechnet werden. In der Moderne ist der Aspekt der Kampfkunst beim T´ai Chi Ch`uan in den Hintergrund getreten und Meditation und Gesunderhaltung sind vorrangig, zumindest hier im Westen.
Beim T`ai Chi Ch`uan wird die Ruhe in der Bewegung gefunden. Die gleichmäßig fließenden Bewegungen ermöglichen das Entstehen einer mediativen Geisteshaltung. In der Einzelübung oder Solo-Form ist die Bewegung aller Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke und Knochen enthalten. Sie erhalten durch die Übung die natürliche Beweglichkeit und Geschmeidigkeit zurück. Die entspannte Bewegung in Ruhe und Aufmerksamkeit hilft nervöse und seelische Krankheiten zu heilen. Erwähnenswert ist es, daß die Chinesen nicht abwarteten, bis sie krank wurden, sondern T`ai Chi Ch`uan übten oder sich gesund ernährten, um erst gar nicht krank zu werden. So waren viele Meister des T`ai Chi Ch`uan selbst Ärzte, die zur Vorsorge diese Bewegungskunst praktizierten. Auch Cheng Man-ching (1900-1975), der Begründer der Kurzform des Yang-Stils, war Arzt. Die Kurzform des Yang-Stils als “mittlerer Stil”, kommt gleichmäßig fließend den Bedürfnissen des westlichen Menschen entgegen und ist in den USA und Europa der populärste T´ai Chi Ch`uan Stil. Cheng Man-ching sagte: “T´ai Chi Ch`uan wird auch das `Lange Boxen` genannt, weil es dem langsamen unaufhörlichen Strom eines großen Flusses gleicht. Ständiges, fließendes Bewegen in den Übungen unterstützt das Konzentrieren ( Ansammeln ) des Chi und das Entwickeln von Sanftheit.” Cheng Man-ching hat die sogenannte Lange Form entschlackt und so die Kurzform des Yang-Stils entwickelt, die leicht zu erlernen ist. Die Kurzform dauert 10-12 Minuten und wird in drei Teilen unterrichtet.
Die drei Pfeiler des T`ai Chi Ch`uan sind Selbstverteidigung, Meditation und Gesunderhaltung. Wer sich über einen längeren Zeitraum hinweg in die Bewegungskunst des T´ai Chi Ch`uan einübt, erlangt nach einem chinesischen Sprichwort “die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers und die Gelassenheit eines Weisen.” Für T´ai Chi Ch`uan ist charakteristisch ein runder, langsam fließender Bewegungsablauf, der die einzelnen Teile der T´ai Chi Ch`uan-Form zu einer Einheit verbindet. Die drei Pfeiler dieser Bewegungskunst sind die positiven Wirkungen des T´ai Chi Ch`uan auf das Befinden des menschlichen Organismus, als Zustand der vertieften Ruhe und gedanklichen Leere, die Meditation und zudem der Aspekt der Selbstverteidigungstechnik. Ein bekanntes chinesisches Sprichwort lautet: “Ein mittelmäßiger Arzt heilt eine Krankheit, ein guter Arzt beugt ihr vor.” Damit wird ein Grundprinzip der chinesischen Heilkunde ausgedrückt, bei der eher Vorbeugung als Heilung im Vordergrund steht.