Die östliche Forderung nach der Befreiung vom Ego löst bei den meisten westlichen Menschen eher Angst als Zuversicht aus. Man fürchtet die Auslöschung des eigenen Daseins als Individuum, wenn das Ego losgelassen wird. In Wirklichkeit gibt es aber zur Egoauflösung keine Alternative, wenn man man selbst sein will. Der Grund dafür liegt darin, dass unser Ego begrenzt ist, während das Selbst unbegrenzt ist. Das ist keine philosophische Spitzfindigkeit, sondern eine erfahrbare Tatsache.
Unser Ego könnte man mit der Festplatte eines Computers vergleichen und das Selbst mit allen im Internet bereitgestellten Informationen. Dass wir gewöhnlich dem Ego mehr vertrauen als dem Selbst, hängt wohl damit zusammen, dass wir unabhängig von einem Internetzugang jederzeit auf dessen Datenmengen zugreifen können. Wir identifizieren uns mehr mit den Daten, die wir auf unserem eigenen PC gespeichert haben als mit der gigantischen Datenmenge, die uns das Internet potenziell zur Verfügung stellt. Viele Menschen kleben so an ihrem Eigenen, dass sie den Verlust sämtlicher auf ihrem Computer gespeicherten Dateien für gravierender halten würden als die dauerhafte Aussperrung vom Internet. Dass diese Einschätzung irrational ist, bedarf wohl kaum der Begründung.
Doch genau so irrational verhalten wir uns, wenn wir unserem Eigenwillen den Vorrang vor dem Willen des Ganzen geben.